Der Schweizer Telekommarkt

Montag, 16.06.2008, Inside-IT
Schweiz stoppt Ausgaben für Netzausbau

Wie das Pendlerblatt ’20 Minuten‘ heute berichtet, will Tele2 Schweiz die Ausgaben für Werbung und für den Ausbau des Mobilfunknetzes stoppen. Das Mutterhaus in Schweden habe „den Geldhahn zugedreht“. „Es wird in einer strategischen Analyse geprüft, ob sich das Mobilfunkgeschäft für Tele2 in Zukunft noch lohnt“, sagte Mats Tilly, Chef von Tele2 Schweiz, gegenüber ’20 Minuten‘. Für bestehende Kunden soll sich nichts ändern.

Dienstag, 08.07.2008, Handelszeitung
Wetter (Chef von ): Wenn der Schweizer Telekommarkt nicht endlich konsequent liberalisiert wird, ist es unmöglich, dass vier nationale Telekom-Vollanbieter überleben können.

Wetter: Wir Herausforderer können nur mit gleich guten oder besseren Leistungen zu tieferen Preisen Kunden gewinnen. Mit anderen Worten: Der kaum spielende Wettbewerb sichert der gigantische Margen und finanzielle Mittel. So wird jede neue Technologie unabhängig von derer Rentabilität von im ganz grossen Massstab ausgerollt und eingesetzt. Wir sind dann gezwungen nachzuziehen, obwohl wir wegen des abgeschotteten Marktes weder über die Kaufkraft des Ex-Monopolisten verfügen, noch die Aussicht darauf haben, genügend Kunden zu gewinnen, um unsere Investitionen in nützlicher Frist zu rentabilisieren.

Dies sind nur zwei Zitate aus den Medien welche auf die festgefahrene Situation im Scheweizer Telco – Markt aufmerksam machen…

Es ist schon signifikant, dass die Swisscom an einem wohl gedeckten Tisch speist und sich kaum Sorgen um die Zukunft machen muss. Berücksichtigt man den Marktumfang des Schweizer Festnetzgeschäftes ist es naheliegend zu denken dass mehr als zwei bis drei Anbieter definitiv zu viel sind. Zu viel in einem Markt, welcher von einem Quasimonopol beherrscht wird. Die Swisscom und insbesondere deren Chef Carsten Schloter rühmt sich zwar stets damit dass sie die Entbündelung der letzten Meile vorantreiben würde. Aber dieser Eindruck soll nur nach aussen entstehen. Schauen wir die ganze Sache aus Sicht der Swisscom als Gewinnorientiertes Unternehmen an… wer würde an der Stelle von Herr Schloter wohl nicht auf die Bremse stehen um die liberalisierung auszubremsen? Schlussendlich sind dies fixe Einnahmequellen welche ihren Beitrag in die Swisscom’sche Kriegskasse beitragen. Bedenklich ist nur, dass der Gesetzgeber ebenfalls auf der Bremse steht. Es wäre Aufgabe des Bundes für einen spielenden Wettbewerb und die dazu benötigten Rahmenbedingungen zu sorgen. Dies wird aber fast gänzlich unterlassen. Wieso? Weil, so wie ich denke, die Swisscom (ehemalige PTT) noch zu stark mit dem Bund und den entsprechenden Bundesorganen bis hinunter auf Gemeindeebene verschmolzen ist.

Somit ist es der Swisscom möglich Produktneuigkeiten wie das marode und finanziell unrentable Bluewin TV zu lancieren und zu pushen. Wer daran glaubte

dass dieses Produkt im Schweizer Markt zum grossen Renner werden würde, ist blind und kein Realist. Im Endeffekt hat aber die Swisscom die finanziellen Möglichkeiten solche von Beginn weg zum scheitern verurteilten Projekte zu starten – und diese bis über das bittere Ende hinaus zu pushen. Alternative Anbieter haben hierbei keine Chance, da kein Bereich (Fixnet, , ADSL) soviel Geld abwirft dass die Entwicklung und Einführung solcher oder ähnlicher Projekte finanzierbar macht.

Im Mobilebereich sieht die ganze Sache ein wenig anders aus. Dort gibt es kein Monopol wie dies im vorhanden ist, jedoch nimmt auch hier die Swisscom eine Marktbeherrschende Stellung ein. Natürlich gelingt es den alternativen Anbietern (, Orange, Tele2) immer wieder der Swisscom einige Kunden abzujagen. Jedoch ist der Schweizer Bürger anders gestrickt als so manch anderer Europäer. Bei ihm zählt nicht Geiz ist geil, sondern Qualität ist geil. Und diese Qualität lässt sich der Schweizer Ureinwohner gerne etwas kosten. Das Gefüge der Kundenzahlen kann kaum wesentlich beeinflusst werden, da die Swisscom nachwievor die beste Qualität und vor allem die absolute Nähe zum Kunden geniesst.

Gebremst wird die Wechselfreude der Kunden durch die umständlichen Prozesse welche nötig sind um zum beispiel seine bestehende Mobilnummer zum neuen Anbieter mitzunehmen.

So what… ich finde es lobenswert, wie sich die anderen Anbieter wie Sunrise, Orange oder Tele2 bemühen den Schweizer Telco Markt aufzurütteln. Aber bis ernstzunehmende Verschiebungen der Kunden stattfinden, wird wohl noch viel Wasser die Aare (oder die Limmat, oder den Rhein…) hinunterfliessen. Man siehts bei den Krankenversicherungen, welche ein gutes Beispiel dafür sind wie wechsel-unfröidig die Schweizer sind. Gewinnen wird der Anbieter welcher die trendigsten Innovationen zum besten Preis mit dem besten Service und der besten Qualität bietet. Und damit scheiden Sunrise, Orange und Tele2 bereits aus, da deren Kriegskassen in direktem Zusammenhang mit dem Firmenerfolg mehr oder weniger Geld beinhalten. Und somit bleibt das Fazit relativ kurz gehalten. Die Swisscom wird in den nächsten Jahren den Markt weiterhin beherrschen. Vor allem, wenn sich Tele2 nun aus dem Schweizer Markt zurückziehen würde, wäre dies ein total falsches Signal in das restliche Europa. Man würde signalisieren, das ein Grosskonzern wie Tele2 in der Schweiz das Handtuch wirft und einfach gesagt aufgibt. Wer wäre dann noch bereit Geld in alternative Grossanbieter zu stecken? Wohl niemand. Und man bedenke abschliessend: Sunrise gehört der Dänischen TDC. Orange gehört der France Telecom…


3 Kommentare

  1. Guten Abend allerseits
    Es ist noch hinzuzufügen, dass Sunrise zum verkauf steht. Zumindest war es bis vor kurzem so. Ausserdem ist meiner Meinung nach die Schweiz zu klein für vier Netze.

    Eine Frage die offen bleibt: Wer überhaupt hat Interesse an der Tele2 Infrastruktur? Zumal es in der Mobiltelekommunikation sowieso üblich ist einige Standorte zu teilen…

  2. Hallo. Eine weiter Frage ist, ob die Infrastruktur von Tele2 ohne grössere Aufwände in die eines potentiellen Käufers integriert werden kann (Nokia / Ericsson…). Hinzu kommt das ein Käufer wohl nur interesse an den Standorten hat, an denen er selber (der Käufer) noch keine Antenne hat…

  3. Wie Mirko sehr richtig festgestellt hat, lässt sich die Infrastuktur wohl nicht so einfach integrieren. Vieleicht gibts ja bald Tele2 Antennen im Ricardo zu kaufen. Oder die Chinesen kommen und demontieren sie um sie in China wieder aufzubauen…

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