Eine Reise in die Vergangenheit: Computer Test anno 1984

<<Die Enttäuschung ist vorprogrammiert>> Titelte das deutsche Konsumenten Heft „test“ in seiner Ausgabe 10/1984. Getestet wurden Heimcomputer aller Art.

Im Computertest mit dabei waren folgende Ikonen und sicher Wegbeschreiter der digitalisierten Welt: Atari 600 XL, Commodore 64, Dragon 32, EACA Colour Genie, Sinclair ZX Spectrum, Tandy TRS-80 Color und der Texas TI-99/4A. Wo die ersten beiden Namen noch geläufig sein dürften, wirds bei „EACA Colour Genie“ immer unbekannter. Für mich zumindest  (Ich:  Jg. 1982).

Zusammengefasst bietet der Text interessante Feststellungen aus der damaligen Zeit, welche in der heutigen Zeit doch das eine oder andere Schmunzeln erlauben.

Im Jahre 1984…

  • hatten etwas weniger als 5% aller Deutschen einen sogenannten Heimcomputer;
  • wurden rund die Hälfte aller Heimcomputer nur zum Spielen gekauft;
  • kaufte nur jeder Zehnte seinen Computer um damit zu programmieren;
  • programmierte der Hobbyprogrammierer maximal 150 Anweisungen in ein Programm;
  • kostete der Rechner mit Tastatur zwischen 500.- und 700.- Deutsche Mark;
  • bezahlte man für das einfachste Speichermedium (Tonband – Kassette) für den Kassettenrecorder 160.- DM;
  • blätterte man 700.- DM für ein Floppydisklaufwerk hin und bezahlte 13.- DM pro Floppydisk;
  • kostete ein Drucker sagenhafte 1000.- DM und die Qualität war mehr als schlecht, verglichen zu heutigen Druckern (Siehe Bilder Heftseite 5) ;
  • stellte das Modell Color Genie ein Bild aus nur 16’000 Bildpunkten (Pixel) dar;
  • priesen die Hersteller ihre Geräte bereits mit „hochauflösender“ Grafik an;
  • redete man bereits von Raubkopien;
  • konnte man seinen Rechner bereits pimpen. Und zwar von 32 Kilobyte auf 64 Kilobyte Speicher.

Seite 2 - Computer TestMein bester Dank geht an dieser Stelle an die Stiftung Warentest aus Deutschland, welche die Verwendung der Scans erlaubte. Herr Dipl. -Ing. Peter Knaak seines Zeichens Redakteur des Konsumentenmagazins „test“, hat den Wandel der elektronischen Zeit für 2lounge.ch so beschrieben:

Computer und –Tests im Wandel der Zeit

1984, also vor 25 Jahren, gab es bereits den „persönlichen Computer, kurz PC. Was fehlte, waren sinnvolle Anwendungen für den Heimbereich. Aus der Rückschau war dieses Jahr allerdings bedeutsam. Die später verfeindeten Steve Jobs (Apple) und Bill Gates (Microsoft) kooperierten noch. Steve Jobs nahm gerade einen zweiten Anlauf mit einem Rechner mit grafischer Oberfläche. Dem spendierte Bill Gates Programme wie den Excel-Vorläufer Multiplan, was dem neuen Bedienkonzept eine Existenzberechtigung gab.  Es herrschte Aufbruchstimmung. Doch Computerspiele mit Suchtpotenzial, Hausaufgabenhilfe aus dem Internet, weltweite Videotelefonie mit Skype und Co., Videoschnitt und Bildbearbeitung machten den Computer erst später attraktiv. 1984 überdeckten fehlende Einsatzmöglichkeiten und Probleme schon beim Anschluss eines Druckers den Blick auf das Potenzial des PC. Die Kristallkugel versagte bei vielen – so auch bei uns. Wir schlossen uns in dem 1984 veröffentlichten Computertest dem Resümee von James Morgan, dem damaligen Chef der Computerfirma Atari an: „Kein einziges Unternehmen der Heimcomputer-Branche hat bisher einen einleuchtenden Grund dafür genannt, weshalb man sich einen Heimcomputer kaufen sollte“.

Aus dem Test 1984 ging der Commodore 64 als leistungsfähigstes Gerät hervor, das Kassettendeck als Programmspeicher war ebenso Standard wie das Fernsehgerät als Monitor. Außer Konkurrenz lief der Apple IIe mit: Gelobt wegen des Konzepts (er war erweiterbar), wegen des guten Basic (das kam von Bill Gates) und des integrierten Monitors. Der Preis war elitär wie heute: Statt durchschnittlich 700 Mark für einen PC erleichterte der Apple IIe die Haushaltskasse um 4500 Mark. In Euro gerechnet liegen die Preise heute gar nicht weit unter dem damaligen Niveau, von der heute üblichen Leistung wagte damals jedoch kaum jemand zu träumen.

Nicht nur die Technik, auch die Prüfverfahren haben sich geändert. Standen damals das Handbuch und die Rechengeschwindigkeit und –Genauigkeit mit Basic-Programmen im Mittelpunkt, haben sich die Rechner auf unserem Prüfstand heute auch bei aufwändigen Computerspielen zu bewähren. Statt stationärer Rechner bestimmen Notebooks das Bild. Dass wir 1984 vom Einkauf der Prüfmuster bis zur Veröffentlichung elf Monate und heute höchstens noch acht Wochen benötigen, ist dem Umstand zu verdanken, dass wir viele Prüfroutinen computerisiert ablaufen lassen und auswerten. Wie heißt es so schön: „Computer lösen Probleme, die es ohne sie nicht gäbe“.

Für mich ist es äusserst spannend, diese Feststellung von einem Menschen zu erfahren, welcher eine seiner Emails mit dem folgenden Satz einleitet: <<1985 saß ich dann übrigens am KC85/3 – dem DDR-Pendant zum C64 – und programmierte in Basic einen Mathetrainer für den Sohn meines Chefs>>. Dies zeugt davon, dass Herr Knaak bestimmt die richtige Person ist, um hier zitiert zu werden.

Seite 3 - Computer Test


3 Kommentare

  1. Diese Computer waren wirklich noch cool, da konnte noch nicht jeder einfach ein bisschen Zeichen und schnell eine Homepage erstellen.

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