Parallelgesellschaften

Über , Schwimmunterricht und noch ganz anderes.

Neulich habe ich bei einer Pizza und gutem Wein, mit einer Freundin über „Parallelgesellschaften“ diskutiert. Daraufhin hat sie einen kleinen Artikel veröffentlicht, den ich hier gerne veröffentliche:

Parallelgesellschaften

Wie geht man jetzt damit um? Mit diesen Eltern die ihren Kindern aus religiösen Gründen Teile der Grundbildung verweigern. Der geschlechtergemischte Schwimmunterricht, der von orthodoxen Muslimen abgelehnt wird, ist in dieser Diskussion politisch und medial viel interessanter als der Biologieunterricht, von dem manche Kinder aus freikirchlichen und anderen sektiererischen Kreisen ferngehalten werden. Die Welt wurde in sechs Tagen erschaffen und mit Teufelszeug wie der Evolutionstheorie soll der eigene Nachwuchs nicht in Berührung kommen.

Dieses Fernbleiben vom Biologieunterricht wird lieber diskret auf kleiner Flamme gekocht und die Probleme verlassen die betroffenen Schulhäuser eher weniger in Richtung Presse und Realpolitik. Religionsfreiheit ist ja auch eine heilige Kuh in unserer liberalen Gesellschaft! Historisch und wahrscheinlich zu Recht… Fragezeichen sind jedoch erlaubt!

Angefangen bei der Kindstaufe in christlichen Kreisen, wo Babies in irgendeine „Gemeinschaft“ aufgenommen werden, für die sie sich nicht selber entscheiden können bis zur Beschneidung von Buben, denen das Recht auf körperliche Unversehrtheit abgesprochen wird, weil die Religionsfreiheit deren Eltern ebenfalls höher gewichtet wird.

Natürlich gibt es noch jede Menge anderer Parallelgesellschaften, die sich nicht an religiösen Ritualen orientieren! Beispielsweise politische Kulturen, die sich mehr unterscheiden als der Grundgroove verschiedener Kontinente! Geschweige denn von den politisch korrekt als „bildungsferne Schichten“ bezeichneten, zur kuschligen Grossfamilie neigenden MitbürgerInnen (Armut ist vererbbar!). Auch hier werden die Erwachsenenrechte auf Vermehrung höher gewichtet als die Rechte der Kinder auf ein intaktes und geborgenes Zuhause oder Chancengleichheit! Von flächendeckenden und selbstverständlichen Tagesschulen sind wir noch weit weg.

Ich wünschte mir eine Gesellschaft, in der jeder seine Ideale leben kann und dennoch seinen Kindern die Freiheit lässt, für sich selbst einen Weg zu finden. Seelisch, körperlich und sozial unversehrt!
Und ich wünschte mir einen wirklich säkularen ! Wenn jemand nach Basel zieht und auf dem entsprechendem Formular der Einwohnerdienste bei „“ katholisch, evangelisch oder christkatholisch einträgt, wird ihm die Basler Steuerverwaltung auch gleich seine Verpflichtungen gegenüber der entsprechenden „Landeskirche“ berechnen. Und eintreiben!

Genauso gut könnte gemäss der Berufsbezeichnung die Mitgliederbeiträge an die entsprechende Gewerkschaft von der Steuerverwaltung in Rechung gestellt werden. Oder die Beiträge beim Turnverein, beim Männerchor, bei den Kleintierzüchterinnen, beim Modelleisenbahn- oder beim Schützenclub.

Herzlichen Dank an Regina Rahmen. Link zum Originalartikel.


2 Kommentare

  1. Staat und Religion sollte komplett voneinander getrennt sein. Religionen dürfen von mir aus existieren und können es auch gerne ausleben (auch mit Minaretten), jedoch sollte bei keiner Religion vor dem Gesetz eine Ausnahme gemacht werden. Extrem wichtig ist auch, dass jede Religion gleich behandelt wird und sie all die Rechte hat, die auch nicht kommerzielle Vereine haben.

    Zur Trennung von Staat und Religion sollte auch gehören, dass NUR der Staat Schulen haben darf, keine privaten Organisationen, natürlich auch nicht religiöse. Der Schulunterricht sollte dann nur auf wissenschaftlichen Grundlagen aufgebaut sein, inklusive einem Ethischen Unterricht, in dem u.a. über die vielen verschiedenen Religionen aufgeklärt und den Schülern deutlich klar gemacht wird, dass das Glauben an ein höheres Wesen genau so ein Schwachsinn ist, als würde man an Harry Potter oder mich als Gott glauben.

    Als Kind sollte man keiner Religion beitreten dürfen, sondern erst ab 21^^ vielleicht auch schon ab 18^^

  2. Also ich sehe das ähnlich, wie Silik. Staat und Religion muss strikt getrennt werden. Aber so, dass diese wie Vereine behandelt werden und dementsprechend auch ihre Mitgliedsbeiträge selbst eintreiben müssen und dies weder vom Staat, noch vom Einwohnermeldeamt getan wird. Zudem braucht es unbedingt einen religionsneutralen Ethikunterricht, das Verbot der Kindstaufe und ein Schutz vor religiöser Indoktrination. Allerdings bevorzuge ich es prinzipiell, Religionen einzuschränken, statt ihnen zusätzliche Dinge zu erlauben. Meinetwegen kann es also ein Minarett- & Kirchenturmverbot geben, oder am besten gleich in eine Richtung gehen, in der mittelalterliche Relikte, wie Religionen allmählich aus der Gesellschaft verbannt werden.

    Zum sozialen Thema. Du schriebst „Auch hier werden die Erwachsenenrechte auf Vermehrung höher gewichtet als die Rechte der Kinder auf ein intaktes und geborgenes Zuhause oder Chancengleichheit!“. Das klingt, als wolltest du armen Menschen verbieten Kinder zu kriegen. Das setzt allerdings Arme auf eine Weise herab, die ich nicht befürworten kann. Das Recht auf Fortpflanzung muss für jeden gleich sein, da darf es niemals eine Unterscheidung zwischen arm und reich sein – andernfalls fördern wir eine Zweiklassengesellschaft auf heftigste Weise. Stattdessen muss allerdings die Chancengleichheit für arm und reich geschaffen werden. Kinder in Armut müssen die gleichen Möglichkeiten, wie reiche Kinder erhalten, sodass sie der Armut entkommen können. Dann ist Armut auch nicht mehr vererbbar.

    Zum Thema Tagesschulen: Natürlich sollte es diese geben – aber als freiwilliges Angebot! Es muss auch die Zeit für Familie, Freunde, Vereine und anderweitige Beschäftigungen bleiben, sodass nur die Kinder und Eltern ein solches Angebot in Anspruch nehmen brauchen, die dieses auch benötigen. Einen Zwang halte ich hierbei nicht für sinnvoll.

    Auch sollte ein öffentliches Amt, nicht die Gelder von Vereinen eintreiben. Hier muss ganz im Gegenteil sogar die Privatsphäre gewahrt werden, es geht dem Amt/der Stadt nämlich nichts an, welche Vereine ich besuche. In diesem Sinne: Transparenter Staat, statt gläserner Bürger.

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