Kassensturz Smartphone Test

Gestern Abend brachte der Kassensturz einen Beitrag über Smartphones. Wieso dieser ein Witz ist, wird hier erklärt.

Das Thema Mobiltelefonie ist ja beim Schweizer Konsumentenmagazin des nichts Neues. Gestern wurde aber ein Beitrag gebracht in dem die aktuellsten Smartphones getestet wurden. Mit dabei waren abgeschlagen Geräte von Nokia und Samsung und dann halt die aktuellen Platzhirsche, das iPhone, das Nexus One (oder allgemein Android) und das HTC HD 2 mit Windows Mobile 6.5. Alles schön und gut. Aber als das Zitat: <<hochkarätige Jury>> vorgestellt wurde, musste ich laut lachen und sagte meiner (desinteressierten) Partnerin: <<das iPhone wird gewinnen. Nicht wegen der objektivität der Experten, sondern weil die 6 Tester alles andere als objektiv beurteilen. Hier die Jury Mitglieder:

  • Sandra Roth, Dozentin für Human Computer Interaction an der Uni Basel
  • Markus Stolze, Direktor des User Technologies Interaction Labs an der Hochschule Rapperswil
  • Lothar Müller, Dozent für Informatik an der Hochschule Rapperswil
  • Guido Berger, Leiter der IT Redaktion beim Schweizer Radio DRS
  • Werner Baumhakl, Professor für Industrial Design an der Fachhochschule Nordwestschweiz
  • Stefan Thalmon Gross, Category Manager Mobile Communication bei Digitec

Klingt hochkarätig, ist sicher auch hochkarätig, aber nur einer beurteilt mit Sicherheit 100% neutral und unvoreingenommen. Die Rede ist vom Jurymitglied Stefan Thalmon Gross welcher bei Digitec arbeitet. Fällt dem Leser beim durchsehen der Juryliste nichts auf? Allesamt (ausser dem Digitec Mitarbeiter) kommen von einer Uni oder Fachhochschule oder haben einen universitären Hintergrund. Und wer sponsert und unterstützt Studenten und Universitäten wie kein zweiter? Genau. Apple. Und welche Berufsgruppe fährt total auf Apple ab? Genau. Journalisten und Medienleute. Und das ist schon Grund genug, wieso ich wusste welches Smartphone mit Sicherheit gewinnen würde.

Zudem hat die Kassensturzredaktion die Testkriterien dilettantisch, also unfachmännisch ausgewählt. So zitiere ich hier gerne die Kassensturzwebseite, welche die Testkriterien auflistet: <<Die Kriterien: Wie leicht und präzis lässt sich der Touchscreen bedienen? Wie handlich sind die Grundfunktionen wie Telefonieren oder SMS schreiben? Zudem: Die Übersichtlichkeit der Menüstruktur, Handhabung von Fotoapparat und Videokamera. Und: Geht das Surfen im Internet flott oder ist es mühsam? Technische Eigenschaften wie die Akkulaufzeit wurden hingegen nicht untersucht.>>

Obwohl Visho Jesudasan, IT Mitarbeiter beim SF welcher den Test vorbereitete sagte: <<Entscheidend ist das Betriebssystem. Dieses bestimmt, wie die einzelnen Funktionen der Smartphones miteinander verknüpft sind und wie ein Nutzer durch das Menü navigieren kann>>. Ja aber wieso in Gottes Namen wurde das Betriebssystem dann nicht eingehend getestet, lieber Visho? Oder hat dir die Kassensturzredaktion vorgängig Regeln auferlegt wie: es darf nicht zu technisch werden. Oder: beurteilt sollen die Dinge werden von denen auch der Otto-Normalo etwas versteht, also Kamera, SMS, etc. Wenn dem so wäre, würde dies meinen Eindruck von diesem Test noch verstärken.

Das mit dem Display finde ich ok und muss sein. Aber: ein Smartphonetest bei dem SMS Schreiben ein Thema ist? Oder wie die Handhabung der Kamer ist? Und wie man im Internet surfen kann? Ich selbst bin rein beruflich auf mein Businesshandy angewiesen, mir ist aber so ziemlich egal wie gut die Kamera ist. Bei meinem provaten Mobile, sieht dies natürlich ganz anders aus. Aber wieso testete der Kassensturz nicht die wirklichen Businessfähigkeiten der Smartphones? Thema Exchange, kompatibilität mit anderen Systemen? Ich glaube nicht, dass dann der Blackberry nur im Mittelfeld gelegen hätte – er wäre weit mehr in der Bestenliste vorgerückt.  Auch das Thema mit dem lieben Geld – welches in einer Firma bei der Anschaffung wohl eines der wichtigsten Kriterien ist – interessierte bei der sonst so preisaffinen Kassensturzredaktion niemanden. Einzig am Ende des Beitrages schob die Moderatorin noch den Preis des iPhones (ohne Mobilvertrag) nach.

Mein Fazit: der Kassensturz hat total versagt, sich grottenschlecht auf das Thema vorbereitet und sich vor allem bei den Fachleuten lächerlich gemacht.

Den ganzen Beitrag gibt es hier anzuschauen

Bildquelle Kassensturzlogo: www.kassensturz.sf.tv


7 Kommentare

  1. Habe mir den Beitrag soeben im Videoportal des SF angeschaut. Mag je nach Ansichtsweise möglich sein, dass der Beitrag, wie du schreibst grottenschlecht war.
    Doch eine wichtige Ausasage zum iPhone – besitze übrigens selbst eines und bin kein Student :-)- sagt der deutsche Professor Werner Baumhakl. Alle andere Anbieter haben sich bisher nur am iPhone orientiert. Typisch halt, Apple hat schon (fast)immer als erstes Produkte auf den Markt gebracht, an welchem den es viele Nachahmerprodukte gibt. Eben iPhone, iPod etc.
    Es ist halt so. Man liebt den Apfel oder dann eben nicht

    1. Tschau Dani. Halt, du verstehst mich falsch. Ich sage nicht, Apple sei kein Vorreiter. Da bin ich mit dir einer Meinung. Hatte selbst über ein Jahr lang mehrere iPhones. Aber man muss neidlos zugeben, das es dann halt einfach immer wieder Firmen gibt, welche es besser machen als Apple. Und mal abgesehen vom (umstrittenen) Touchscreen (welcher ist besser?) macht es Google mit Android um einiges besser als Apple.

      Grüsse und danke für deinen Kommentar!

  2. ich finde ja auch dass apple ein vorreiter ist und bin dankbar für deren erfindungen aber ich denke auch dass die eine ziemlich starke firmenpolitik haben und gleich vor gericht ziehen sobald sie irgendwelche dinge glauben erkrennen zu können, die man ihnen abgeguckt hat. deshalb muss man ja auch sagen dass jede firma für sich auch viel entwickelt und erfunden haben muss. ich find echt dass apple immer schon direkt vorteile hat, des namens willen deshalb alle anderen immer direkt viel skeptischer begutachtet werden- schade

  3. ich brauche mein handy v.a., um darauf anständig schreiben zu können und hierzu ist das iphone unbrauchbar – ich ziehe eines mit echter tastatur und einer langen batteriezeit vor, ausserdem ist das os wegen der apps von entscheidender bedeutung. meine favoriten sind das nokia 900 oder das milestone. es kommt immer darauf an, was man machen möchte.

  4. Ich glaube das in der Schweiz allgemein ein Hype um das IPhone herrscht. Dieser beruht meistens auf der Desinformation potentiellen Käufer und Nutzer dieses Gerätes. Anscheinend sind die Zielgruppe für das Gerät nicht gut informierte Techniker sondern primär Kaufleute die möglichst einfach genau die genannten Grundfunktionen nutzen möchten und dabei auch nicht auf den Preis achten. Ein Techniker hingegen hat eine ganz andere Sichtweise. Für ihn sind Dinge wie Erweiterbarkeit, Funktionen, Laufzeiten wichtig. Den Standardkaufmann möchte einfach nur „in“ sein. Da mit dem Test auch die besagte Zielgruppe angesprochen wurde ist mir der Test somit auch verständlich. Ein Techniker hingegen wird sich sicherlich auch ein eigenes Bild von den Geräten machen und anhand der Möglichkeiten und Datenblätter sein künftiges Gerät auswählen. Ich denke nicht, dass dieser sich aufgrund eines Kassensturz-Testes beinflussen lässt. Bei mir zumindest war dies nicht der Fall, weshalb ich auch beim HTC Desire gelandet bin.

    1. Einverstanden. Nur müsste eine öffentlich rechtliche Anstalt wie das Schweizer Fernsehen SF einen objektiven, auf alle Käuferschichten angepassten Beitrag produzieren. Dies ist hier nicht geschehen. Wäre man etwas verschwörerischer, würde man vermuten das SF – oder der Chefredaktor vom Kassensturz – sei von Apple geschmiert worden für den Beitrag.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.