Freiheit!!

Meine Erfahrung mit der Aushebung / Rekrutierung in der Schweizer .

Auf meinem alten Blog „kim88.ch“ gab es einige sehr beliebte Artikel. Ich werde diese in einer Serie nach und nach hier einbinden. Mit dem ersten Artikel „Freiheit“ fange ich an. Ich habe diesen kurz nach meiner Rekrutierung / Aushebung geschrieben. Der Artikel ist später auch in der Zeitschrift (in einer gekürzten Fassung) „Zivilcourage“ erschienen. Inzwischen habe ich auch privat mehrere Anfragen von Personen erhalten die sich vor dem Militärdienst entziehen wollten.

Originalbeitrag vom: 07. Oktober 2008
In den letzten zwei Tagen war ich an der militärischen Rekrutierung. Ich wurde per Marschbefehl nach beordert. In diesem Beitrag möchte ich euch kurz den Ablauf der zweitägigen Rekrutierung schildern.

Das habe ich mit dem öffentlichen Verkehr super erreicht. Ab Brugg gibt es einen Bus der beinahe vor das Zentrum hinfährt. Für alle die kein GA haben, können den Marschbefehl als Ticket verwenden. Als wir und unser Gepäck ausgestiegen sind, kamen uns bereits die ersten (WK-) Soldaten entgegen. Die haben uns gesagt in welche Richtung wir laufen müssen. Vor dem angekommen, waren weitere Soldaten die uns sagten, dass wir unser Dienstbüchlein und falls, vorhanden, Autofahrausweis, Röntgenbilder und Arztzeugnisse bereit machen müssen. Wir mussten nun beim „Check-In“ anstehen unser Dienstbüchlein, etc abgeben und bekamen ein „Halsband“ mit Laufnummer, Jeton (für den persönlichen, abschliessbaren Schrank im Zimmer) und einen Kugelschreiber (für alle die gehen müssen, bringt unbedingt diesen Kugelschreiben am zweiten Tag wieder zurück, sonst werden 2 Franken vom Sold abgezogen).

Nach dieser Prozedur durften wir uns mit Kaffee und Croissant bedienen. Hier hatten wir bereits unsere erste Wartezeit bis auch die allerletzten eingecheckt sind. Die erste Zahl der 3-stelligen Laufnummer bildet auch gleich die Gruppennummer. Ich war Nummer „407“ und somit in der Gruppe 4.
Nach dem Frühstück, mussten wir in den Plenumsaal zum „Appell“. Dort wird nochmal erklärt was an dieser Rekrutierung genau passiert, und mit welchen Personen man es zu tun hat. Auch wird uns der Gruppenführer (WK-Soldat) vorgestellt.
Die Aufgabe des Gruppenführer ist es, alle Dokumente die unsere Gruppe betrifft am richtigen Ort abzugeben und dafür zu sorgen, dass die richtige Person der Gruppe zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. Auch stand er uns für Fragen oder bei Problemen zur Verfügung. Alle Gruppenführer die ich kennen gelernt habe sind wirklich tolle Menschen!

Gruppe 4 hatte als erstes die sportlichen Prüfungen, somit konnten wir uns direkt umziehen und in die Turnhalle gehen. Nach einem 15 – minütigen aufwärmen (ich war tot!), wurde unsere Gruppe nochmal gruppiert. Es gab verschiedene Tests zu meistern, der „Standweitsprung“, „Medizinballstossen“, „Einbeinstand“, „Globaler Rumpfkrafttest“ und der „Progressive Ausdauertest“. Wenn man mit dem Ziel „“ anreist, empfiehlt es sich so wenig Punkte wie möglich zu machen. Die Sportbetreuer vor Ort, sagen nichts wenn du dir keine Mühe gibst.
Nach meinem absichtlich katastrophalen Sporttest konnten wir duschen, uns umziehen und das Mittagessen einnehmen.

Nach dem Mittagessen hatten wir den ersten psychologischen Testblock. Alle die untauglich werden wollen müssen da gut vorbereitet sein. Achtet euch darauf, dass ihr nie die schlechteste Antwort, sondern lieber die zweit schlechteste gebt. Weiter ist zu beachten, dass viele Fragen doppelt oder dreifach vorkommen, nur anders formuliert ihr dürft eure Aussagen bloss nie ändern! Bei Leuten, die psychologisch „durchgefallen“ (oder besser: untauglich wirken) haben später ein Gespräch mit einem Psychologen oder Psychiater. Bei diesem Gespräch ist es besonders wichtig sich an eure Antworten zu halten, keine widersprüchlichen Sachen zu sagen und auf keinen Fall übertreiben.

Nach diesen Psychotests, konnten wir wieder mal Pause machen und warten. Danach kam die „ch-x“ Umfrage. Diese hat nichts mit dem Militär zu tun. Sondern ist eine allgemeine Schweizweite Jugendumfrage die es seit Jahren gibt und jeder Jugendliche in der Schweiz ausfüllt. Unser Thema war „Multikulturelle Schweiz“.
Als wir „ch-x“ beendet hatten, konnten wir wieder Pause machen und warten. Bis wir in einen Computerraum mussten um uns dort über die verschiedenen Gruppengattungen vom Militär und Zivilschutz anzuschauen. In dieser Zeit hatten immer wieder ein paar Personen ein persönliches Gespräch mit einem Psychologen oder Psychiater.
Auch ich hatte ein solches. Ich möchte hier nicht weiter darauf eingehen und nur sagen, dass ich von ihm ohne grosse Schwirigkeiten eine UT Vorschlag bekommen habe.

Nach der ganzen Fragerei und vieler Wartezeit wurden wir zur medizinischen Untersuchung aufgeboten. Da gibt es den persönlichen Untersuch beim Arzt. Sowie verschiedene kleine Untersuchungen wie „Lungenfunktionstest“ (ich bin beinahe erstickt, weil ich nicht gut durch den Mund atmen kann.), „Sehtest“, „EKG und Blutdruckmessen“, „Hörtest“. Beim Arzt wird man auch nochmal über die freiwillige Impfungen und Blutuntersuchungen aufgeklärt, man muss dazu ein Formular unterschreiben (das Militär liebt Formulare).

Nach den ärztlichen Strapazen gab es Abendessen und eine weitere Warezeit. Nach unserem sehr guten Essen mussten alle Gruppen wieder ins Plenum wo wir etwa eine Stunde über die verschiedenen Funktionen in der Armee aufgeklärt wurden.
Der restliche Abend war weitgehend frei. Man durfte nur das Areal nicht verlassen, aber man durfte trinken, schwatzen, TV schauen, PlayStation spielen, usw. Achtung! Ihr werdet dabei aber beobachtet. Jemand der sich schnell und gut in eine Gruppe integrieren kann oder sogar Streitigkeiten schlichten kann, hat schneller eine Kaderempfehlung als ihm lieb ist. Alle die auf Scheinuntauglich machen wollen, können nicht dem Psychiater und den Test Antworten, dass sie Probleme haben, sich in ein soziales Umfeld zu integrieren und am Abend mit wildfremden jungen Menschen Bier trinken und Party feiern. Solche Sachen werden auch beobachtet.

Um 22:30 war offizielles Lichter löschen. Die Zimmer sind relativ gross. Wir hatten ein Zimmer mit 4 Betten, einer Dusche und einem WC, jede Person hatte zudem einen persönlichen Schrank. Die Betten waren bequem, allerdings etwas schmal aber die Nacht haben wir gut verbracht.
Um 06:15 am nächsten Morgen wird man vom Gruppenführer geweckt, ausser man ist wie wir bereits früher wach. Nach der morgendlichen Dusche und dem Frühstück mussten wir gleich wieder in die Medizin. Nun wurde es ernst. Der Militärarzt entscheidet über deine Militärdiensttauglichkeit (mit oder ohne Waffe), Schutzdiensttauglichkeit oder generelle Untauglichkeit. Er berücksichtige dabei, den Vorschlag von den Psychologen und Psychiatern, sowie das Ergebnis der medizinischen Untersuchungen. Ich wurde für Militärdienst-untauglich eingestuft. War allerdings, wie ich es wollte, Schutzdiensttauglich und kann somit in den Zivilschutz. Nach diesem Ergebnis, muss man noch die Impfungen und Blutabnahme über sich ergehen lassen (sofern man am Vortag sein einverständnis gegeben hat). Nach dieser Prozedur wurden die Fussfrösse gemessen (für die Stiefeln). Zivilschutz- und Militärangehörige haben die selben Stiefel. Ein Bodyscanner, scannte danach noch meinen Körper um die richtige Uniformgrösse für mich zu ermitteln.
Als letzter Posten hatten alle ein kurzes Gespräch mit der Psychologin über die Testresultate.

Nach einer längeren Wartepause mussten wir den zweiten Testblock ausfüllen. Dieser Testblock diente nicht mehr dazu meine Tauglichkeit festzustellen sondern die beste Position für mich in der Armee oder im Zivilschutz zu vermitteln. Achtung! Hier nicht angeben, sonst hat man den Kadervorschlag.
Nach diesem Testblock und einer Wartezeit konnten wir wieder in einen anderen Computerraum um uns nochmal über die einzelnen Funktionen in der Armee oder im Zivilschutz aufzuklären.
Mittagspause. Wieder haben wir supergutes Essen bekommen, und konnten Pause machen (also Warten). Bis sich alle verschiedenen Gruppen im Plenum eingefunden haben.

Ab jetzt wurden die Gruppen neu eingeteilt. Zwei Gruppen hatten Fahrprüfungen (A oder B Prüfung). Alle tauglichen Personen wurden in weitere Gruppen eingeteilt und konnten viel warten, ihre Militärschuhe abholen und mit dem Einteilungsoffizier ein persönliches Gespräch führen, um darum zu kämpfen in seine Lieblingstruppengattung zu kommen. Es gab für das Militär zwei Einteilungsoffiziere und etwa 150 Personen die eingeteilt werden mussten. Man kann sich die Wartezeit vorstellen.

Die restlichen im Plenum waren wie ich alles schutzdiensttaugliche. Uns wurde in einem kurzen Referat die Aufgabe des Zivilschutzes und die verschiedenen Funktionen darin erklärt. Nach dieser Erklärung mussten wir mit den Militärdiensttauglichen auf unsere Schuhe warten. Der Zivilschutzeinteilungsoffizier war natürlich schneller fertig als der Militärdiensteinteilungsoffizier. Mein persönliches Gespräch mit ihm war super, ich kam in meine Wunschtruppengattung. Und konnte gegen 15:30 das Gebäude mit meinem Gepäck Richtung Freiheit verlassen.

Achtung! Alle Personen, die bald zur Rekrutierung müssen und wissen, dass sie nicht ins Militär gehen wollen. Aus welchen Gründen auch immer. Sollen unbedingt die Webseite: besuchen. Per Telefon kann man sich über die verschiedenen Möglichkeiten beraten lassen, es gibt auch die Möglichkeit einen Beratungstermin festzustellen. Auch geben sie noch genauer Auskunft wie man die Fragebögen ausfüllen und sich an diesen zwei Tagen verhalten muss. Mir hat diese Beratungsstelle sehr geholfen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei ihnen bedanken.


23 Kommentare

  1. Naja heute ist es ja um einiges einfacher. Wenn ich heute zur Rekrutierung möchte würde ich alles daran geben tauglich zu sein, danach ein Formular unterschreiben und Zivildienst leisten.

  2. Darf man die Begründung für deine Dienstuntauglichkeit erfahren? Möchte eben auch untauglich werden und es würde mich interessieren, was dann schlussendlich die Gründe sind.

  3. Gibt es keine Gefahr bei einer Untauglichkeit für spätere Zukunftsaussichten? Wird irgendwo vermerkt, wieso man Untauglich ist?

  4. Also in die Berufsarmee einsteigen wirst du danach nicht können, ich denke das ist klar. Aber grundsätzlich sind das interne armeeinfos dort ist das sicherlich vermerkt.

    Aber im „zivilen / normalen“ Leben habe ich die Erfahrung gemacht das es besser ist. Ein Arbeitgeber der jemanden hat der in der Armee ist, muss jedes Jahr 3 Wochen auf die Person verzichten. Zivilschutz, sind es im Jahr eine Woche oder so – darum sehe ich hier eher Vorteile.

    Ausser man hat noch (meistens) ältere Chefs, die der Ansicht sind ein Kerl der nie in der Armee war ist kein Mann und braucht bei mir nicht arbeiten – habe ich selber allerdings noch nie erlebt

    1. Vielen Dank für die Antwort,
      Ich schau mal wie ich das machen werde.

      Der Sporttest dürfte ein Problem werden, hast du eine Idee wie man sich vor dem Psychiater/Arzt für eine schlechte sportliche Leistung verantworten kann, wenn man eigentlich physisch sehr fit aussieht?

  5. Hallo zusammen, ich musste am 2.Juli mit 23.Jahren in die RS… Nach 2wochen war ich wieder daheim! Und ja ich bin nun im Zivilschutz nicht im Zivildienst!!!
    :-)) wer aus der Armee will kommt da raus! Ich helfe euch gerne weiter!!!

  6. Hallo zusammen,
    Ich habe im April meine Rekrutierung. Doppel UT wäre mein Ziel da ich keine Zeit für die RS habe ;) Kann mir jemand irgendwelche Tipps geben was der beste Weg ist um das Doppel UT zubekommen. Psychisch oder Körperlichesproblem ? Vielen Dank

    Danu21

    1. Die psychische Nummer funktioniert definitiv besser. Bei körperlichen Problemen benötigst du Arztzeugnisse und zwar solche die verheben.

      Beim Psychotest empfehle ich dir einfach gut aufzupassen, und ein Typ abzugeben der nicht unbedingt Militärgeeignet ist. Also du bist Einzelgänger, selten an Partys, magst keine Führungsrollen, kannst dich schlecht in eine Gruppe einbinden, etc.

      Wichtig ist, dass du dich während den 2 Tagen auch so verhältst. Also freunde dich nicht zu sehr mit der Gruppe an, und geh am Abend schon früh schlafen, nimm ein Buch mit oder sowas. Dann sollte es keine grossen Probleme geben.

      Falls du doch für tauglich befunden werden solltest, unbedingt einen Antrag auf Zivildienst stellen!

  7. Hallo, ich werde auch bald die Rekrutierung haben und möchte deswegen untauglich werden.
    Wie lautet nun aber die Website, welche du in dem Artikel erwähnt hast? Wäre froh um eine rasche Antwort!

    1. Nö, das wirkt etwas durchschaubar. Heute würde ich nicht mehr diesen Weg gehen, den ich hier beschrieben habe. Schau das du tauglich wirst. Danach kannst du „Zivildienst“ beantragen, und dein Weg ist Militärfrei ;) Heute total easy zu meiner Zeit leider noch nicht so einfach ^^

      1. Naja, Zivildienst möchte ich lieber nicht machen, da dies Ja fast 1,5 Jahre am Stück gehen würde. Beim Zivilschutz müsste ich halt noch einwenig draufzahlen, würde jedoch nicht jedes Jahr gleich mehrere Wochen in der Firma fehlen.

        1. Dann empfehle ich dir nimm ein gutes Buch mit. Du wirtst 2 Tage auf grosse Soziale Kontakte verzichten müssen. Beim „Psychotest“ am Computer werden öfter Fragen zu deiner Teamfähigkeit gestellt: „Bist du gerne in grossen Gruppen unterwegs?“, „Gehst du gerne an Partys?“, „etc“ beantworte die alle mit nein.

          Ihr werdet während euren Freistunden beobachtet als, unterlasse das Bier am Abend mit den Kollegen sonst funktioniert das nicht. Lese lieber etwas abseits im Buch oder geh in euer Zimmer.

          Was auch helfen kann, schlechte Sportresultate. Die sind nicht weiter schwierig zu bekommen ;)

  8. Hallo…
    Ich habe per Zufall deinen Blog über die Rekrutierung gelesen und kann Dir das meiste bestätigen,bedanke mich für Dein Kompliment.
    Die meisten Personen die „Dich“ während deinen Pausen / Abendfreizeit sehen – sind WK-Soldaten…
    daher kannst Du das vergessen, dass du „heimlich“ beobachtet wirst, oder gar Notizen genommen werden; viel zu zeit-intensiv! Gruss Gruppenführer 4 :-)

  9. Hallo, zuerst, sehr guter Blog, danke!
    Bin etwas verwirrt. Zivildienst und Zivilschutz? Was ist da der Unterschied?
    Ich möchte weder Zivildienst noch Militärdienst leisten. Ich sehe darin keinen Sinn, hab ein riesiges Problem mit Autoritäten. Vor allem aber möchte ich gleich studieren können. Wie muss ich vorgehen, um von beidem frei zu kommen? Zahle liebend gern diese 3 Prozent.
    Besten Dank für die Hilfe im voraus…

  10. Habe kürzlich meine Lehre beendet und hatte danach Mühe eine Stelle zu finden (trotz super Noten und gutem Arbeitszeugnis) Ein Grund wird wohl sein dass die Firmen keinen einstellen wollen, der bald in die RS muss. Nun habe ich einen Job, aber leider befristet bis 9. März, Wenn ich in die RS muss, werde ich diesen Job verlieren, wenn ich UT bin, wird mein Arbeitsvertrag verlängert. Da mir die Arbeit super gefällt möchte ich auf keinen Fall in die RS. Weiss aber nicht so recht wie ich am besten vorgehen soll……muss im Oktober an die Rekrutierung….

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