Auto-Partei.ch – Eine Partei fürs Auto.

Heute habe ich eine spannende Entdeckung gemacht. Die Auto-Partei.ch.

Auto-Partei.ch Webseite
Auto-Partei.ch Webseite

Auto-Partei.ch. Schon der Name klingt nach einem gescheiterten (oder zum scheitern verurteilten Versuch) einer Partei frischen Wind zu verleihen – das punkt-ch soll wohl den Hauch von Modernität rüberbringen. Und tatsächlich. Als ich einen Kollegen der in der FDP politisiert auf die Autopartei angesprochen habe, meinte dieser mit einem verwunderten Blick: <<gibt’s die noch???>>. Nun, dies habe ich mir zum Anlass genommen, diese Partei einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Und was ich gefunden habe, hat mich schockiert. Ist die Autopartei gar ein tollkühner Haufen Rassisten? Der Leser möge sich sein eigenes Bild machen und rege die Kommentarfunktion ganz unten unter diesem Beitrag benutzen.

Nationalrat Lumengo in der Fotomontage der Autopartei
Nationalrat Lumengo in der Fotomontage der Autopartei

Der Claim auf der Webseite lässt dann auch den Parteizweck gleich etwas verdeutlicht erscheinen: <<Guten Tag und willkommen bei der Freiheits-Partei FPS / Die Auto-Partei, ihr Partner für Strasse und Verkehr>>. Liest man aber dann auf etwa gleicher Höhe die Meldungen aus dem Weblog, staunt man schonmal nicht schlecht. Da steht wortwörtlich: <<Angola-Nationalrat Lumengo: Go home in your Country>>. Nun, rumgehackt wird auf Nationalrat Lumengo aufgrund der bekannten Zusammenstösse mit dem Gesetz. Richtig ist, dass die Vorwürfe des Stimmenfangs bei Wahlen auch wie vorgesehen verfolgt werden sollen – das unterstütze ich, das hat aber nichts mit der Hautfarbe zu tun sondern muss bei einem weissen gleichermassen verfolgt werden. Was aber die Autopartei da so schreibt, haut dem Fass den Boden raus. Neben einer Fotomontage von Nationalrat und Schweizer Bürger Lumengo werden Texte wie die folgenden veröffentlicht: <<Dabei hat der Angolaner angeblich in Fribourg Jura studiert. Er nennt sich auch „Jurist“. Mit welchem Abschluss? Ich möchte gerne

Lumengo. Anwalt oder nicht?
Lumengo. Anwalt oder nicht?

sein Diplom sehen. Wie dem auch sei. Als so genannter Jurist müsste der Angolaner wissen, welche Rechtsbrüche er in unserem Rechtsstaat begeht.>> Also erstens ist Lumengo grundsätzlich wohl Schweizer Bürger der aus Angola stammt. Und zweitens könnte er sich wohl kaum als Jurist ausgeben und als solcher gewählt werden, wäre dem nicht so das er eben Jurist ist.

Wenn man dann ein wenig weiter im Internet gräbt und einmal ein paar Details zum Autor dieses Textes findet, wird schnell klar was für Menschen hinter der Autopartei stecken. Da findet man besagten Autor, Jürg Scherrer, Alt-Nationalrat, Alt-Sicherheitsdirektor Biel, ehemaliger Präsident der Partei und jetzt deren Ehrenpräsident. Aber wer ist dieser Jürg Scherrer aus Biel? Scherrer, Vater von zwei Kindern wurde bereits mehrmals wegen übler Nachrede und Verstössen gegen das Antirassismusgesetz angeklagt und vom Obergericht des Kantons Bern auch in (mir bekannt) einem Fall als schuldig verurteilt. Unter anderem bekam man von Scherrer auch

Jürg Scherrer (Bild: youtube.com)
Jürg Scherrer (Bild: youtube.com)

Aussagen wie <<die Gaskammern [von Nazideutschland, anm. 2lounge] sind ein Detail der Geschicht  gewesen>> zu hören. Der damalige Präsident der Freiheitspartei (damals hiess die Autopartei Freiheitspartei), wurde auch für den BigBrother Award 2002 nominiert. Er setzte sich während seiner Amtszeit im Bieler Stadtparlament dafür ein, das in Biel immer mehr Überwachungskameras an öffentlichen Standorten aufgestellt werden. Und dies ausgerechnet vom Präsidenten der Freiheitspartei. Macht Sinn, nicht? Kameras = mehr Freiheit. Logo.

Jürg Scherrer's Wahldetails
Jürg Scherrer's Wahldetails

Übrigens. Wer Scherrer jetzt mal eine SMS schreiben möchte, der findet interessante Infos auf der ehemaligen Webseite der Freiheitspartei ;-). Bitte haltet euch dabei aber an die geltenden Gesetze und macht euch nicht noch selber strafbar!

Die Autopartei hat aber immerhin Themen, welche wirklich von politischer Bedeutung sind. So hat der Autor des entsprechenden Beitrages auf der Webseite der Autopartei, Willi den Bieler Stadtpräsidenten

Frommenwiler Willi (Bild: frommenwiler.wif-softline.ch)
Frommenwiler Willi (Bild: frommenwiler.wif-softline.ch)

angezeigt, weil dieser in einem Video in aller Deutlichkeit auf dem Fahrrad mit dem Handy telefonierend aufgenommen wurde. Richtig ist das Telefonieren auf dem Fahrrad sicher nicht, aber gleich eine Anzeige deswegen? Dabei ist doch Willi Frommenwiler ein ganz geselliger und trotz seines Alters auch Web 2.0 tauglich. So findet man auf seinem Flickr Fotostream witzige Fotos von ihm, zusammen mit seiner Familie beim Grillen, beim Baden in den Ferien, oder den Frommenwilers Sohn beim einrücken in die Armee. Und auf Twitter twittert Frommenwiler munter über seinen Oldtimer und was er sonst noch so treibt. Natürlich wurde ich sofort sein Follower, damit ich immer über die aktuellsten Informationen aus dem Hause Frommenwiler informiert bin.

Nun, was findet man noch so, auf der Webseite der Autopartei? Ah ja, sie machen sich zudem gegen Tempo 30 stark. Macht ja auch Sinn, weil wenn man mit 50 km/h durch eine 30iger Zone braust, sind die Bussen kaum mehr finanzierbar. Und natürlich muss sich die Autopartei (der Name verpflichtet schliesslich) auch gegen die Raserinitiative wehren. Schliesslich ist Rasen ein Kavaliersdelikt und die Initiative gefährdet den potenten Schweizer in seinen Grundrechten.

Und zum Schluss: die Webseite der Autopartei ist dillettantisch programmiert. Bei fast jedem Klick öffnet sich ein neues Browserfenster, bzw. Tab. Ein kleiner Tip an den Webmaster: man muss nicht bei jedem zweiten Link ‚target=“_blank“‚ anhängen. Das nervt nur die Besucher und bringt rein gar nichts.

Ganz am Ende vom Ende und nur weil ich euch den Blödsinn der Autopartei nicht vorenthalten möchte, hier und da, sowie da und da ein paar nicht unbedingt lesenswerte Links.

P.S. Weiss jemand, was an den Gerüchten dran ist, dass die Autopartei analog zu den Kollegen eine Gay-Autopartei gründen will?


3 Kommentare

    1. Hi Pi

      danke für die Blumen. Ja, „Scheibenwischer TV“ ist echt schon der Hit. Wäre vielleicht auch ein Format für Lobster. Wobei – Blocher ist ja bei Lobster ausgestiegen. Von daher wohl nicht mehr interessant ;-)

      Grüsse, tom

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