Grosse und kleine Katastrophen

Wer schon mal an einem Strand in ein Ölklümpchen getreten ist, weiss wie mühsam es ist, das Zeug wieder von den Füssen zu schaffen.

Was 700 Tonnen auslaufendes Öl pro Tag anrichten ist schlicht und ergreifend unvorstellbar. Millionen Meereslebewesen ersticken täglich qualvoll in der klebrigen Masse. Man kann es gar nicht mehr verkraften hinzusehen. Die Bilder sind infernalisch und nicht einmal mehr in kleinen Dosen zu ertragen. Eine Katastrophe unvorstellbaren Ausmasses, die in einer Aufzählung mit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 genannt werden muss. Waren in Tschernobyl Selbstüber- schätzung und Schlamperei für das Desaster verantwortlich, sind es im von Mexiko Geldgier und Korruption.  Es sprudelt immer noch.

Die im steuergünstigen Zug domizilierte Firma Transocean ltd. verfügt über 136 Bohrplattformen und Bohrschiffe, die weltweit auf der Suche nach Erdöl- oder Erdgasvorkommen im Einsatz sind. Diese können bis in 3’600 Meter Wassertiefe bohren. Damit wirbt die Firma.Toller Laden. Als Rekordhalterin im Tiefenbohren ist offensichtlich viel Eindruck zu schaffen. Mehr als mit den dafür notwendigen Sicherheitsvorkehrungen, die nur nutzlose Kosten verursacht hätten. Geld, das bei der Verteilung der Gewinne an Aktionäre und Manager gefehlt hätte. Schmiergelder sind billiger. Es wird schon gut gehen. Das Leck, das nun schon seit vielen Wochen sprudelt befindet sich „nur“ in 1500 Meter Tiefe. Ein Klacks für die Superfirma! Oder?

Gottseidank können wir uns ablenkend mit anderen Ärgernissen herumschlagen.-Tröten zum Beispiel oder Bubenkämpfli unter Tschüttelern. Herr Sarkozy hat die verbalen und sonstigen Exzesse vereinzelter Protagonisten der „Les Bleus“ zu Präsidentensache erkoren. Er hat wohl während des medialen Sommerlochs kaum etwas zu tun, mit dem er die Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte. Und nur in seinem Dutzend protzigen Präsidenten-Palästen rumzuhängen kann ganz schön langweilig werden. Es ging um den nicht ganz jugendfreien Satz, der überall abgedruckt aber von niemandem zitiert wurde.  Und noch mehr Skandale erzürnen uns! Super-Schiri Busacca wurde nach Hause geschickt und der Kamel-Schiri („Blick“) darf bleiben. Welches Desaster!

Sepp Blunder (Quelle: „Sun“, GB) hat das mitzuverantworten, weil er keine Chips in Bällen zulassen will, um Goals niet- und nagelfest beweisen zu können.Mit der Ausbeutung von Gastarbeitern beim rekordschnellen Bau der supertollen Stadien in Südafrika hat er natürlich nichts zu tun.Der Einbau von Kontroll-Chips in südafrikanische Bauunternehmer wurde nie erwogen. Aber der Sepp, das allseits beliebte Feindbild von Fussballfans, möchte nun eventuell doch noch einmal über den Chipball nachdenken.

Diese Technologie könnte ja möglicherweise dazu benutzt werden, Chips auch in die Köpfe von Rendite erwartenden Investoren und Aktionären, von korrupten Aufsichtsbehörden- und geldgeilen Firmenverantwortlichen zu implantieren. Auf dass es weltweit und vuvuzela-laut tröten möge, wenn die Torlinie der ethischen und ökologischen Minimalanforderungen überrollt wird!Nachtrag: In Tschernobyl wird alle paar Jahre eine neue Ladung Beton über die AKW-Leiche geworfen, weil der Beton als Folge der Strahlung zerbröselt.

Es bleibt zu hoffen, dass auch in 100’000 Jahren noch jemand da sein wird, der Beton darüber giesst. Weil dann die Strahlung immer noch tödlich sein wird.Möglicherweise wird der Betonberg bis dann den Mount Everest überragen.Welche Herausforderung für die Messmers der Zukunft!


6 Kommentare

  1. Liebe Regina

    ich freue mich saumässig, dass du deinen ersten Beitrag bei uns veröffentlicht hast! Ich möchte dich an dieser Stelle auch von ganzem Herzen bei 2lounge.ch begrüssen! Dein Debut-Artikel ist einfach Spitzenklasse und macht echt Lust auf mehr Lesestoff von dir!

    Liebe Grüsse, tom

  2. «Die Welt ist eine Tankstelle, an der das Rauchen nicht verboten ist.»
    War am letzten Montag das Thema meines Maturaufsatz, ging in eine sehr ähnliche Richtung!

    Dein erster Beitrag auf 2lounge gefällt mir sehr, freue mich auf weiteren Lesestoff!

  3. Herzlichen Dank, Männer, für Euer liebenswürdiges Welcome. Als Profi-Frustrierte kann ich damit natürlich überhaupt nicht umgehen ;-)! @Pi: Der Titel ist schon gnadenlos gut. Den würde ich Dir am liebsten klauen! Der Aufsatz hat Deine Klettertour zum Master bestimmt um eine Ecke abgekürzt!!! Glauben wir also ganz fest an morphische Felder und ziehen den Schluss daraus, dass nur gute Ideen mehrfach gleichzeitig entstehen können ;-))).

  4. Du darfst ihn klauen, denn die Aussage stammt nicht von mir, sondern von Friedrich Dürrenmatt aus dem Film «Porträt eines Planeten».
    Dieser Titel wurde vorgegeben, als fanatischer Mathematiker schwebe ich zwar gerne in fraktalgeometrischen Konstrukten, kann aber die entsprechenden Realteile nicht in Worte transferieren ;)

  5. Doch kannst Du! Und wie! :-D *Fraktalgeometrische Grüsse!
    (* keine Ahnung was das ist, aber tönt guuut! Fast noch besser als Dürrenmatt *-D)

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.