Was uns wirklich beschäftigt

Der Verwaltungsrat der Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG und Thurgauer Ständerat (CVP) will uns das Portemonnaie füllen! Ein echt netter Kerl!

Er hat im Mai letzten Jahres eine parlamentarische Initiative eingereicht, die bei Annahme bewirken würde, dass wir Velofahrenden pro Jahr die unglaubliche Summe von fünf bis sieben Franken sparen würden!
Ich überlege mir bereits, wo ich das viele Geld investieren könnte.
Herr Stähelin ist der Meinung, dass ohnehin 90% der Velofahrenden eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hätten. Diese Annahme dürfte angesichts der zunehmend vielen Menschen am Existenzminimum etwas optimistisch sein. Genau für diese Personen wäre die Abschaffung der der grösste anzunehmende Unsinn.
Eine entsprechende Versicherung, bei der auch der Fall eines Velounfallschadens an Dritten günstig dazuversichert werden könnte, ist unter Fr. 300.– – 400.– nämlich nicht zu haben. Nur wenige dieser Leute würden den Versicherungen, bei denen Herr Stähelin am Rande ja auch noch tätig ist, dieses Geld wirklich überlassen können.
Fazit: Es ist ein Nullsummenspiel und die Folgekosten bei Verkehrsunfällen, die von nichtversicherten Velofahrenden verursacht würden, schwer abzuschätzen.
Lieber Herr Stähelin, ich zahle diese sieben Franken gerne. Die Velovignettenpflicht ist eine kluge und sogar soziale Sache! Günstiger gibt es nirgendwo eine Deckung für verursachte Personen- und Sachschäden bis zu einer Million Franken! Die Velovignette hat als Versicherungsform sogar noch den Touch des Solidaritätsgedankens. Möglicherweise sind Ihnen solche Überlegungen fremd.
Es entsteht bloss der Eindruck, Sie würden sich in die lange Reihe von Hinterbank-PolitikerInnen eingliedern, die sich vorliebend gerne mit der Lösung nichtexistenter oder bereits gelöster Probleme beschäftigen.

Nicht viel staatstragender kommt ein Anliegen daher, mit dem sich sogar schon unsere Landesregierung beschäftigte: Das -Obligatorium!
Nicht mal Pro Velo Schweiz mag sich zu einer Zustimmung durchringen! Die „Pros“ und vor allem auch die „Contras“ können auf deren Website nachgelesen werden.

Meine unbedarfte Milchmädchenrechnung geht so: Von (von mir) angenommenen zwei Millionen Velofahrenden in der Schweiz tragen 39% (Angabe Pro Velo Schweiz) bereits freiwillig einen Velohelm. Sollten die anderen 61% der Radlerinnen und Radler zum Kauf eines Velohelms (Durchschnittspreis bei Fr. 130.–) verpflichtet werden, würden von Gesetzes wegen sage und schreibe 158,6 Mio. Franken zu den Helmherstellern und in den Detailhandel gespült!
Wahrscheinlich jedoch viel weniger – weil manchen Menschen einfach die Lust am Velofahren vergehen würde! Im Auto gibt es nämlich noch keine Helmpflicht…
Es riecht mehr nach Wirtschaftsförderung als nach Schutz von Verkehrsteilnehmenden.

In Russland brennen die aus kommerziellen Gründen trockengelegten Torffelder, Brände wüten auch in anderen Ländern, in Pakistan wurden gewaltige Landstriche einfach weggespült, Überschwemmungen auch in Osteuropa, die Folgen der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko werden mittlerweile nahezu totgeschwiegen. An all diesen und anderen Orten kämpfen Millionen Menschen und Tiere um ihre Existenz oder ihr nacktes Überleben.
Die Pole schmelzen weiter und die UBS-Brüder stehen immer noch im warmen Geldregen. Gottseidank braucht die Bank bis 2014 keine Steuern zu bezahlen, sonst würden die unbelehrbaren Abzocker in ihren Reihen ja verhungern!

Angesichts all dieser Probleme freue ich mich schon auf die anregenden Diskussionen über eine Gurtentragepflicht im Linienbus und das Knie- und Wadenschoner-Obligatorium beim Führen eines Einkaufswagens im Migros.
Schön, dass sich jemand um unsere Gesundheit kümmert!


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