Wieso wir keine Luftwaffe brauchen

Eine in einem anderen Beitrag entbrannte Diskussion ist Anlass zu diesem Post

F/A 18 Hornet
F/A 18 Hornet

Dabei möchte ich eigentlich nicht viel mehr, als den bereits bei diesem Beitrag von Kollege kim88 genannte Kommentar – leicht erweitert – hier noch einmal als eigenständigen Artikel veröffentlichen. Dabei geht es darum, das der 2lounge-Leser Serge Bosshard die Wichtigkeit der betont, wenn der Schweiz ein Angriff eines Terroristen in einem Kleinflugzeug à la 9/11 in New York droht. Schliesslich ist dies eines der meistgenannten Szenarien der Befürworter für den Kauf neuer Kampfjets in der Schweiz.

Ich kann fast nicht anders und muss mit diesem „Schwachsinn“ der hier von diversen politischen Fronten verbreitet wird aufräumen.

Folgendes Szenario verdeutlicht, wie sinnlos es ist, zu glauben das wir auch nur den Hauch einer Chance hätten: dringt zum Beispiel eine Cessna Skycatcher, sagen wir über Jestetten in den Schweizer Luftraum ein und steuert Zürich an um in den Prime Tower zu fliegen. Wie lange dauert es, bis die Cessna als Feind identifiziert ist, wenn diese sich korrekt beim der Klotener Flugüberwachung anmeldet? Das Fluggeschwader 11, welches die Luftpolizeilichen Aufgaben wahrnimmt, befindet sich in Payerne. Ich habe mal ein wenig den Rechenschieber beigezogen:

1. die Skycatcher fliegt über Rafz ein, umfliegt den Flughafen Kloten gemäss Anweisungen der Skyguide und erreicht den Primetower nach nur 35 km. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 219 km/h der Skycatcher, dürfte der Primetower nach nur 10 Minuten erreicht sein.

2. Die beiden F/A 18 Hornet dürften natürlich direkt und auf schnellstem Weg nach Zürich fliegen und benötigen für die Reine Flugstrecke von 142 km rund 5 Minuten. Hinzu kommt aber rund eine Viertel Stunde bis die beiden Kisten überhaupt den Boden von Payerne verlassen haben.

3. Ein anderes Gewichtiges Argument ist folgendes: gemäss Bundesamt für Statistik waren im Jahr 2008 1’615 Flugzeuge unter 5,7 Tonnen in der Schweiz immatrikuliert. Diese kleine Menge Flugzeuge hat im Jahr 2008 sagenhafte 696’816 Flugbewegungen verursacht. Davon alleine 22’450 ab dem Flughafen Kloten. Und ich spreche hier nur von der privaten Hobbyfliegerei! Was wäre, wenn eine dieser 696’816 Flugbewegungen eine “bösartige ist”?

Schon wenn man alleine Punkt 1 und 2 betrachtet, sieht man sofort, dass es nicht möglich wäre die Cessna rechtzeitig zu identifizieren, abzufangen, geschweige denn abzuschiessen.

Hinzu kommen vor allem aber die mühsam zusammengetragenen Zahlen von Punkt 3, die einigen Lesern ein wenig die Augen öffnen und die Idiotie derer ein wenig umreissen soll, die uns glaubhaft machen wollen das wir mit zwei überschallschnellen Jets die Schweiz vor einem Terroristen in einem Kleinflugzeug retten können. Egal ob dieser aus dem Ausland einfliegt oder ab einem Schweizer Flugplatz startet.

Daher: wir brauchen keine neuen Kampfjets, geschweige denn überhaupt eine Luftwaffe!

Und für alle die Zweifel an meinen Zahlen haben, hier noch die Quelle:
Schweizerische Luftfahrt, Jahresstatisik vom BfS


3 Kommentare

  1. Betrachtet man das von dir besprochene Szenario, macht eine Luftwaffe tatsächlich keinen Sinn. Sieht man jedoch weiter, so gibt es meiner Meinung nach doch die eine oder andere Überlegung, warum die Luftwaffe nicht nur sinnlos ist.

    Vorweg: Unter dem Begriff „Luftwaffe“ ist wohl mehr vereint als einzig die Kampfjet-Fliegerei. Man müsste gerade hier einmal genau aufführen, welche Aufgaben die Luftwaffe insgesamt wahrnimmt (inkl. Luftraumüberwachung, Infrastruktur, Katastrophen-Einsätze, Lufttransport usw.).

    Zum zweiten ist das von dir beschwörte Szenario sicher nicht das einzige und sicher nicht das massgebende für den Unterhalt einer Luftwaffe. Immer wieder wird angeführt, die Schweiz hätte „eh keine Chance“ gegen andere usw. aber dieses Argument ist keines, denn…

    a) … würden in einem Kriegsfall feindliche Flugzeuge früh genug von Frühwarnsystemen erfasst, um die Abwehr ergreifen zu können. Im Friedensfall gelten immerhin andere Abkommen zwischen den Staaten als im Kriegsfall. Zudem wäre im Kriegsfall stets eine bestimmte Anzahl Flugzeuge in der Luft respektive einsatzbereit.

    b) … es gibt nicht nur Europa und darin nicht nur DE, I, F und AU: Im Falle internationaler Konflikte – sagen wir symbolischerweise „Auseinandersetzungen zwischen westlichen und östlichen Staatenbünden“) könnte die Schweiz ebenso zur Luftraumsicherung und Landesverteidigung (=Schutz von Leben) beitragen wie dies ihre umliegenden Nachbarn tun, denn im Falle solcher Konflikte ist die geographische Ausbreitung grösser als der heutige Horizont der meisten Schweizerinnen und Schweizer.

    Die Luftwaffe abzuschaffen ist also nicht nur eine innenpolitische Frage, sondern hat auch Folgen für internationale Geschehnisse und Prozesse.

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