Ein neuer Verwaltungsrat für die Schweiz AG?

Nun bleibt zu hoffen, dass der Regulierungsgegner Johann Schneider-Amman nicht nur karriereplanend Kreide gefressen, sondern tatsächlich etwas umgedacht hat.
Leicht geläutert präsentierte er sich jedenfalls in jüngerer Vergangenheit.

In Nachgang und Wirren um die 2008 losgelöste Finanzkrise appellierte er als Vizepräsident von economiesuisse erst an die Eigenverantwortung der Casino-Banker und hielt Regulierungen weiterhin für unnötig und wirtschaftsfeindlich.
Bekanntlich verhallten alle Rufe nach Mässigung ungehört in den Kronenhallen des Landes.
Als die Selbstbedienungsmentalität ungebrochen weiter ausgelebt wurde, schloss auch Herr Schneider „massvolle Regulierungen“ nicht mehr aus, obwohl dies seiner Überzeugung zuwiderlaufe, wie er treu-freisinnig betonte.

Das daraus bis zum heutigen Tag nichts geworden ist, hat nicht Herr Schneider alleine, sondern mit ihm die bürgerliche Mehrheit unserer Nationalrätinnen und Nationalräten zu verantworten, die sich nicht durchringen können, die finanzpotenten Gönner ihrer bürgerlichen Parteien zu erzürnen.

Nur etwa vier Prozent der Schweizerinnen und Schweizer sind Parteimitglieder.
Und nur die wenigsten davon sind bereit, für ihr Engagement so tief in die eigene Tasche zu greifen, wie das SP-Mitglieder tun.
Kosten die Mitgliedschaft bei FDP, SVP und CVP symbolische zwanzig bis vierzig Franken jährlich, ist dies bei den Grünen schon einiges mehr.
Die Parteisteuer, die Sozialdemokratinnen einkommensabhängig entrichten, beträgt auch bei kleineren Einkommen bereits das zehn- bis zwanzigfache. Dazu kommen individuell noch Kampagnenbeiträge und Spenden.
Die Arbeit der Partei lebt von ihren Mitgliedern – was zumindest ehrlich ist.

Wenig erstaunlich also, dass die Forderung der SP nach Offenlegung von , wie das auch in unseren Nachbarländern eine Selbstverständlichkeit ist, keine Chance hat, durchgesetzt zu werden.
Die Grossmehrheit der schweizerischen Wählerschaft unterstützt Parteien, von denen sie keine Ahnung hat, wer sie finanziert!
„Beiss nicht die Hand, die dich füttert“ gilt ganz besonders in der Politik! Leider.

Herr Schneider-Ammann hat während seiner langen erfolgreichen Karriere als Unternehmer und Politiker den Kanon vom „schlanken Staat“, den er sich wünscht, so oft gesungen, dass man sich fragen darf, ob er denn die Institution überhaupt für sinnvoll erachtet.

Er wird nun beweisen müssen, dass er Staatsmann und Bundesrat sein kann.
Und dass die Vereinigte Bundesversammlung nicht einen neuen Verwaltungsrat für die bestimmt hat.


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