Brecht und die Kälber

Bert Brecht ist schon lange tot.
Sein Bonmot „nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber“ seit dem Abstimmungssonntag vom 26. September 2010 in der Schweiz ebenfalls. Der Spruch muss zeitgenössisch überarbeitet werden!

Die neoliberal konditionierten Schweizer Kälber
schonen den Metzger und schlachten sich selber!

Die Mehrheit des Stimmvolkes hat heute zugestimmt, dass junge Berufsleute und vor allem auch Arbeitnehmende über 55 Jahren für ihre Arbeitslosigkeit mit Leistungsabbau bestraft werden!

Sie hat zugestimmt, dass Hochlohnbezüger auf ihr Einkommen, das 315’000 Franken übersteigt, weiterhin keine Beiträge an die Arbeitslosenversicherung entrichten müssen!

Sie hat zugestimmt, dass kinderlose (als ersten Zwischenschritt hin zum Geburtenzwang?) den ersten Monat ihrer Arbeitslosigkeit kein Geld mehr erhalten!

Sie hat zugestimmt, dass Tausende von Arbeitslosen in die Sozialhilfe abgedrängt werden – die notabene erst unterstützt, wenn alle Ersparnisse bis auf einen kleinen Restbetrag aufgebraucht worden sind!

Sie hat zugestimmt, dass Kantone und Gemeinden die Mehrkosten, die durch die Einschränkung von Versicherungsleistungen entstehen, mit Steuermitteln zu aufzufangen haben.
Die Folgen der tragen gedemütigte Arbeitslose und die Steuerzahlenden.

Erstaunlicherweise scheint den Romand(e)s, den TessinerInnen und den BaslerInnen eher bewusst zu sein, dass jeder und jede irgendwann von Arbeitslosigkeit betroffen sein kann. Sie haben die Vorlage abgelehnt.

Die Mehrheit der (Deutsch)SchweizerInnen sind vermutlich der Überzeugung, dass sie aufgrund ihrer Folgsamkeit und Tüchtigkeit nie in eine solche Situation geraten werden.
Es trifft ja immer nur die anderen und die werden wohl selber schuld sein.

Lohnabhängige über 55 Jahren, die ihre Stelle verlieren, ertrinken bekanntlich nicht in Jobangeboten!
Nach der nun erfolgten Kürzung der Taggelder folgt Aussteuerung und Abgleiten in die Sozialhilfe umso schneller. Dies ist vorallem auch rentenwirksam! Die Verarmung auf Lebenszeit wird Programm!

Aus der nicht vorhandenen Fülle an Erwerbsmöglichkeiten für Ältere können sich die Betroffenen auch nicht in eine vorzeitige, rentenreduzierte Pensionierung retten.

Die Volksinitiative über ein flexibles Rentenalter wurde am 30. November 2008 vom Souverän abgelehnt…

Kluge Entscheide?


2 Kommentare

  1. ja ja. Genau dieser Spruch ging mir in Bezug auf die heutigen Wahlen nicht
    aus dem Sinn. Obs Brecht oder Tucholsky war? Habe drum gegoogelt und bin
    auf Deinen Blog gestossen.
    Na, verbitterte Alte, mir gehts gleich, nur asketisch bin ich nicht.
    Und todernst scho grad gar nöd immer… hej! Ironical schmironical.
    Cari saluti, Arlette

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