Unwort „ArbeiterIn“?

Der mittlerweile zum Unwort verunglimpfte Begriff „/“ ist eine Terminologie, die manche vielleicht an die frühindustriellen Zeiten erinnert, als um die vorletzte Jahrhundertwende Bauern vom Land gelockt und in Fabriken gesteckt wurden, um 60-70 Stunden in der Woche zu arbeiten.
Das ist gar nicht so lange her, wie man glaubt!
Die Freizeit bestand damals aus der Zeit, die für den Kirchgang am Sonntag aufgewendet werden musste!

Den Nachkommen dieser in Batteriehaltung und erbärmlichen Lebensverhältnissen lebenden ersten Arbeitern verdanken wir gesellschaftliche Veränderungen ungeheuren Ausmasses, die heute als selbstverständlich angesehen werden.
Weil sie aufgestanden und sich gewehrt, für ihre Menschenrechte gekämpft haben!

Mehrere Generationen nach der Gründung der ersten Gewerkschaft durch die Drucker, deren Beruf heute schon gar nicht mehr existiert, und etwa 90 Jahre nach dem Generalstreik, dem wir – wenn auch mit Verzögerung – Frauenstimmrecht, AHV, Arbeitslosenversicherung, Krankenkassen (damals als soziale Vorsorge und nicht als Businessmodell geschaffen!) und vieles mehr verdanken, müssen wir heute diese Errungenschaften bereits wieder pausenlos verteidigen.

Irgendwie schade, dass das Wort „Arbeiter“ aus unserem Sprachgebrauch entfernt wurde.
Sind es heute auch nicht mehr Industriearbeiter im herkömmlichen Sinne, sind doch immer noch die Angestellten der handwerklichen und dienstleistungsanbietenden Betriebe die grosse Mehrheit der Bevölkerung!
Sie sind und bleiben die „ArbeiterInnen“ unserer Zeit!
Auf die Bezeichnung „ArbeiterIn“ müssten wir alle – historisch betrachtet – unheimlich sein!

Und nein! Die amerikanische Tellerwäscher-zum-Millionär-Karriere-Legende kann nicht bei jedem Menschen Realität werden!
Auch wenn das zunehmend viele zu glauben bereit sind.
Es braucht in der Regel finanziellen Background und eine tüchtige Dosis Bereitschaft, seine biologische Festplatte von Markt-Ökonomisch-Wettbewerbs- ideoligischen „Wahrheiten“ überspielen zu lassen.
Und auch genug Rücksichtslosigkeit, diesen Werten unreflektiert nachleben zu können.

Im schweizerischen Wahljahr 2011 wünsche ich mich mehr Einmischung – von den ArbeiterInnen des 21. Jahrhunderts!
Mehr Engagement, die hart erkämpfte Volksdemokratie und die noch härter erkämpften sozialen Errungenschaften zu verteidigen!

Das Wahljahr 2011 sollte den ArbeiterInnen gehören, denen bewusst ist, was sie zu verlieren haben!
Berufstätige, denen das Wohl der gesamten Bevölkerung wichtig bleibt.
Die die Chancengleichheit über ein teures privatisiertes Elitären-Ausbildungssystem stellen, die weiterhin wollen, dass alle Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung guter Qualität finden, die die Krankenkassenprämien bezahlen können wollen und auch, dass Menschen nicht gesetzlich sanktioniert aufgrund ihres Alters aus dem Erwerbsleben gedrängt werden.

Dass wir alle – als staatliche Gemeinschaft – auch weiterhin bereit sein werden, uns gegenseitig in Notsituationen zu unterstützen – über unsere von unseren Vorfahren hart erkämpften Sozialwerke!
Der mitdenkende Mensch und seine machen für mich ein guter aus!
Der besteht aus Individuen und ihrem Bewusstsein – auch bei den kommenden !


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