Kein Rentenzwang – oder doch?

Quelle: de.toonpool.com
Quelle: de.toonpool.com

schafft das Rentenalter ab, so die Schlagzeile in der NZZ von gestern Freitag, dem 14.1.2011.

Konkret geht es darum, dass Arbeitnehmer mit 65 bzw. 60 Jahren nicht mehr in den Ruhestand gezwungen werden können, sondern weiterarbeiten dürfen, sofern sie denn wollen. Dass Frühpensionerungen trotzdem noch einem aufwändigen Prozedere unterliegen, sei hier mal nur am Rande erwähnt. Ebenso ist es wohl auch unschwer zu erraten, dass die Arbeitgeber darüber ganz und gar nicht erfreut sind. Oder wie in der NZZ geschrieben steht:

Viele Unternehmen befürchten,  dass sie ältere Mitarbeiter künftig nicht mehr einfach loswerden können. Sie warnen vor Klagen wegen Altersdiskriminierung oder unfairer Leistungsbeurteilungen (S. 1).

Erstaunlich, dass die Unternehmen dies so offen zugeben – „Mitarbeiter […] nicht mehr einfach loswerden können“. Da frage ich mich dann, wo hier die Menschlichkeit geblieben ist. Was spricht denn gegen ältere Mitarbeiter? In punkto Erfahrung können die Jüngeren nicht annähernd mithalten, im Gegensatz dazu verfügen Ältere häufig nicht mehr über das aktuellste Know-How. Meine Theorie ist ja, dass ein Team aus Alt und Jung eine unschlagbare Arbeitsgruppe ergäbe. Aber wer möchte sich sowas schon sagen lassen? Jüngere Mitarbeiter können bei Lohnverhandlungen einfach viel leichter übers Ohr gehauen werden. Keiner von uns jungen Hüpfern kennt wohl am Anfang seiner Karriere seinen wahren Wert.

Wer gut aufgepasst hat, hat bemerkt, dass ich gnadenlos abgeschweift bin. Darum zurück zum Thema: Was spricht gegen ein solches Modell des Rentenalters auch bei uns? Ich möchte nun nicht auch noch die Regelung ansprechen, dass in Grossbritannien neu für beide Geschlechter ein Rentenalter von 66 Jahren gilt (obwohl ich das bezüglich der Gleichberechtigung nur absolut fair finde, wo Frauen heutzutage sowieso schon meist länger leben). Aber nichtsdestotrotz sollte einem Arbeitnehmer gestattet sein, so lange arbeiten zu dürfen, wie er möchte. Und zwar mit keinerlei Nachteilen!


4 Kommentare

  1. Wenn ich denn mit Mitte Fünfzig arbeitslos werde und mich keiner mehr einstellen will aufgrund meines fortgeschrittenen Alters, nach 2 Jahren ALK und mehreren Wiedereingliederungsmassnahmen auf dem Sozialamt lande, werde ich mich auch nicht mehr darauf verlassen können, mit 65 endlich eine mickrige AHV-Rente zu erhalten.
    Weil irgend ein Jung-oder AltSVPler, der seine politische Karriere mit weiteren Angriffen auf unsere Sozialwerke gekrönt hat, mir sagen wird, dass ich ja länger hätte arbeiten können! Und als 90jährige Langzeitarbeitslose, die irgendwo in einer Suppenküche Schlange steht, werde ich mir dann wohl darüber Gedanken machen, was denn bloss schiefgelaufen sei :-)!
    Willkommen im Team, Namtam! :-) :-) :-)

  2. Das ist natürlich die eine Seite, Regina. Viele sind aber in dem Alter in einem Job, in dem ihre Arbeit durchaus noch Wertschätzung geniesst. Sie sind gesundheitlich noch auf der Höhe und voller Energie. Nichts anderes als eine Strafe ist es für jene, wenn sie mit 65 die Arbeit verlassen müssen und sich stattdessen mit Däumchendrehen zuhause die Zeit vertreiben dürfen.
    Eine Massnahme von vielen, die nötig wären, um die AHV zu retten, aber zumindest eine, die keinerlei Nachteile bringt :)
    Danke für die nette Begrüssung :)

  3. So ganz persönlich habe ich den Eindruck, dass die Welt voll von Arbeit sei, die zu wenig Menschen verrichten wollen, weil sie nicht bezahlt werden kann….
    Es ist die Erwerbsarbeit, die immer knapper wird.
    Deswegen kann ich mir nicht vorstellen, dass mir langweilig werden würde, nach meiner Pension…falls ich die denn erlebe.
    Wer sich natürlich als Mensch nur ernstgenommen fühlen kann, wenn er/sie für sein Engagement bezahlt wird….möchte wohl gerne bis 100 arbeiten und jungen Menschen die Arbeitsplätze wegnehmen!
    Von dieser Wertung ausgeschlossen sind Menschen, die dank der neoliberalen Umerziehungserfolge gar keinen Anspruch mehr auf überlebenssichernde Renten geltend machen :-)

  4. Nunja, ich frage mich, ob es damit zusammenhängt, dass die Arbeit nicht bezahlt werden kann, oder ob wir Menschen keinen Finger rühren, wenn sie nicht bezahlt wird..

    Nichtsdestotrotz: wer beispielsweise mit Leib und Seele gerne lehrt und dies auch gut macht, da er begeistert von seinem Metier und Fach ist, darf trotzdem ab 65 nicht mehr lehren. Darf nicht, von Gesetzes wegen. Wieso soll er aber nicht weiter dürfen, insbesondere, wenn er sehr kompetent ist und der Lehrermangel sowieso stets ein Thema ist? Es ist einfach zu sagen, dass diese Menschen sich nur ernstgenommen fühlen können, wenn sie für ein Engagement bezahlt werden. Vereinsarbeit oder Freiwilligenarbeit ist ehrenamtlich, ja. Aber für viele ganz und gar keine Berufung. Wer aber seiner Berufung folgt und sein grösstes Hobby oder seine grösste Leidenschaft zum Beruf macht, steht mit 65 Jahren meist mit leeren Händen da. Das sind dann die Ausgangssituationen für Altersdepression und Beziehungskrisen, da die Partnerin häufig auch nicht unbedingt mit der Arbeitslosigkeit des Partners zurechtkommt.

    Und nicht zuletzt: die Privatwirtschaft sorgt schon dafür, dass die älteren Menschen ihre Arbeit verlieren und stets Junge nachrücken, da mach dir mal keine Sorgen…

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.