Das Gleichnis von Thomas und den Wa(h)ljägern

Vor langer Zeit irrte der jüngere Thomas orientierungslos durch die Wälder, als er eines Tages von der CholzVällerPruderschaft gefunden und in ihre Gilde aufgenommen wurde.
Bei den Holzfällern fand er seinen Platz, erlernte ihr Handwerk und ihre Regeln.
Als ausgewachsener Holzfäller verdiente er mit seinen Kollegen den Lebensunterhalt für sich und die Sippe, bei denen es üblich war, einen Teil des erarbeiteten Geldes in eine gemeinsame Kasse zu legen.
An diese Regel hielten sich alle aktiven Holzfäller.
Kaum war Thomas in die Kriegerkaste der CholzVällerPruderschaft aufgestiegen, wurde er zunehmend unzufrieden mit seiner Berufs- und Sippenwahl.

Die benachbarten SchVeinswahljäger-Proleten imponierten ihm mit ihrem martialischen Gehabe und dem alten, reichen und lauten Anführer viel mehr!
Sie rasselten mit den Harpunenketten und erhoben sich lautstark und wertefrei über alle anderen Kasten und Menschengruppen.
Das gefiel dem Thomas zunehmend besser.

Da beschloss er, seinen Obolus nicht mehr an die CholzVällerPruderschaft zu entrichten und seine Freizeit bei den SchVeinswahljägerProleten zu verbringen.
Er verrichtete weiterhin als CholzVällerPruder sein Tagewerk und fällte Bäume mit den Seinen, kam aber seinen sippenüblichen Abgabe-Pflichten nicht mehr nach, weil er Bäume fällen mittlerweile ziemlich doof fand und seine Sippe erst recht!

Eines Tages erklang der Lockruf der SchVeinswahljäger-Proleten.
Seine Schulden bei der CholzVällerPruderschaft und seinem Wohnort, die ihn zu dem gemacht haben, was er war, belief sich mittlerweile auf Fr. 37’000.–.
Aber – so fand er – das sei alles seins!
Weil er doch all die Jahre gar nicht mehr einverstanden gewesen sei mit dem Bäume fällen und ohnehin die Schweinswaljagd für viel die interessantere Beschäftigung hielt.
Er wolle doch für die CholzVällerPruderschaft, die ihm das Bäume fällen beibrachte und von deren Arbeit er lebte, nicht auch noch etwas zahlen, wenn er doch ohnehin viel lieber Schweinswale jagen würde…

Bibellesende fänden für Thomas irgend ein Gleichnis von einem Hirten und dessen verirrtem Schaf.
Unter alten Soldaten würde man Thomas als Kameradenschwein bezeichnen.
In der Arbeitswelt gälte Thomas schlicht als egoistisch und unkollegial.
Als Familienmitglied wäre er eine Strafe für alle anderen.
In der Zivilgesellschaft nimmt man Menschen wie Thomas als eigennützige Geizhälse war und schämt sich etwas für sie.

Nun Müllert der Thomas also begeistert für die SchVweinswahljäger-Proleten und fühlt sich hoffentlich zufriedener dabei.

Ein sauberer Abschluss des Parteiwechsels hätte ihn wohl etwas weniger als Charakterschwein im Bewusstsein seiner Wählerschaft in St. Gallen verewigt.


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