Eine zeitgenössische Fabel – aus aktuellem Anlass…

„Rheingold in Kuscheltal“ – eine Fabel

Märchenland Kuscheltal will seine Parlamente neu bestellen. Darum denken in den Provinzen Rheingold, Märchenwald, Hasenberg und Teichgrün ganz viele Tiere darüber nach, wen sie in die Legislative Kuscheltals entsenden könnten.
Da wollen ja ganz, ganz viele hin.
Und fast alle, die dort Einsitz nehmen möchten, überlegen sich, wie man mit guten Ideen das Zusammenleben und –wirken in Kuscheltal verbessern könnte.
Diese Überlegungen möchten die Sippen in den Provinzen Kuschteltals den wählenden KuscheltalerInnen zur Kenntnis bringen, um den Diskurs zu befruchten.

Die Berufsgruppe der Viertgewaltigen hat die Aufgabe, täglich über Ereignisse und politische Auseinandersetzungen, die in Kuscheltal stattfinden, zu berichten. Sie ermöglichen damit die demokratische Auseinandersetzung in der Kuscheltaler Gesellschaft.
Manche Viertgewaltigen tun dies neutral, distanziert und so der Ethik ihrer Zunft verpflichtet.

Viele Viertgewaltigen sind aber gewungen, die ihrem Berufsstand sehr wichtige professionelle und kritische Distanz aufzugeben. Ihre arbeitgebenden Nachrichtenherausgabe-Besitzer teilen die Ethik ihrer mitarbeitenden Viertengewaltigen kaum. Darunter leidet die sachliche Distanziertheit der Viertgewaltigen aus naheliegenden und verständlichen Gründen.

Die Newsindustrie-Besitzer wollen auch etwas.
Informieren ist manchmal zweitrangig.
Die Chefs der Viertgewaltigen sind auch keinem Berufsethos verpflichtet.
Zu oft sind sie einfach mächtige News-Unternehmer und/oder reiche Interessenvertreter, die die Macht der Viertgewaltigen für sich zu nutzen wissen. Manchmal ist der Deal mit sexy News in undifferenzierter Kurzform auch Business-Plan.
Und oft wird Ethos auch durch inserentenbestimmte Kommunikationskunst ersetzt. Aus wirtschaftlichen Gründen. Das ist in anderen Wirtschafsbereichen auch nicht anders.

Doch zurück zum Kern der Fabel:
Die roten Ratten der Provinz Rheingold in Kuscheltal haben sich sehr, sehr viele Gedanken über viele verschiedene Themen gemacht. Sie haben Ideen und Erkenntnisse, die das künftige Zusammenleben in Kuscheltal, dessen Ökonomie und Energieversorgung, die Chancengleichheit und Lebensqualität der KuscheltalerInnen und die Bedingungen, zu denen alle ihren Lebensunterhalt erarbeiten können, gemacht. Ganz seriös.
Erst dann luden sie die Viertgewaltigen zu einem Kaffeeklatsch ein.

Leider hatten diese keine Zeit.

Die gelben Füchse, die blauen Hamster, die hellblauen Luchse und das besonders fruchtbare Wolfsrudel waren der Meinung, dass die roten Ratten keine Aufmerksamkeit erhalten sollten.Solcher Notstand verbindet.

Füchse, Hamster, Luchse und Wölfe bildeten eine temporäre Zweckgemeinschaft und luden die Viertgewaltigen in vierfacher Ausführung zum „Kaffee avec“ – natürlich zum exakt gleichen Zeitpunkt – ein.
Die Viertgewaltigen liessen sich nicht zweimal bitten.
Eine vierfache Einladung ist schliesslich viermal so viel wert wie eine einfache Einladung. Logisch. Vielleicht sind Canapées auch delikater als Gipfeli.

Dass im Endeffekt nur der wortführende Wolf für die Viertgewaltigen von Interesse war und auf allen erdenklichen Kanälen als einziger zu Wort kam, dürfte die Füchse, Hamster und Luchse vielleicht schon ein bisschen genervt haben…

Das merkte man, als sich ein Fuchs und ein Luchs im Nachhinein von der gemeinsam postulierten, uralten und längst ausgeleierten Allround-Weisheit „Unternehmenssteuersenkungen sind geil wie Geiz und rettet uns aus einer möglichen Wirtschaftsdepression“ wieder distanzierten…

Damit haben sich Füchse, Hamster und Luchse zwar erfolgreich dafür eingesetzt, dass die roten Ratten keine Medienöffentlichkeit fanden – aber sie haben sich damit auch selber zu stimm- und ideenlosen Wasserträgern der Wölfe degradiert…

Wie klug das war, werden die wählenden Rheingolderinnen wohl abschliessend beurteilen. Am 23. Oktober 2011 in Kuscheltal.

Hoffen wir, dass solche Kuscheltaler Übungen manche von den 52% prognotizierten NichtwählerInnen davon abhalten, weiterhin lieber Ball als Spieler zu sein!

Nur aktiv genutzte Wahlcouverts halten unsere Demokratie am Leben!


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