sie stricken den öffentlichen Raum zurück…

Schals tragende Bäume. Kandelaber in Strümpfen. In anderen Städten wurden sogar Telefonkabinen bewollmützt. Und Sitzbänke bepullovert! Die Recherche ermöglicht einen flüchtigen Blick in die neue subversive Szene: ! Das Ding hat einen Namen!

Des Nachts überziehen Stricknadel-Bewaffnete unerkannt das Stadtmobiliar mit Gestricktem. Unorganisiert und anarchistisch. Der unbewilligten Verbuntung durch Wollreste sollte Einhalt geboten werden! Auf Leitern und in schwindelerregender Höhe riskieren Stadtreiniger seither ihr Leben, um auch Brückenbeleuchtungen von der illegalen Winterbekleidung zu befreien.
Bisher gab es in Basel trotz Einrichtung eines Graffiti-Notfalltelefons noch keine Forderung nach einem Strickwaren-Meldetelefon. Sogar der Ruf nach einer blieb bisher aus. Dabei könnte die doch die Verkehrstafeln an den „Hot Spots“ bewachen, damit diese nicht widerrechtlich umstrickt werden.
Die „Urban Knitters“ unterscheidet von den Graffiti-Sprayern bloss, dass ihre „Tags“ textiler Art sind.
Die Botschaft der militanten Kampfstrickerinnen liegt etwas im Verborgenen. Sie wollen den öffentlichen Raum zurück stricken… sagen sie.

Sind sie der gewaltbereite Arm der friedlichen Occupy-Bewegung? Steht das Stricken eines Schals für einen Stadtbaum symbolisch für das Erwürgen der Weltbank-Bosse? Sind die Stricknadeln die Schwerter, die aus Pflugscharen geschmiedet werden? Fragen zum Phänomen harren der Antwort.
Doch vor dem Coming-out lässt sich die Strickguerilla schon kommerzialisieren. Pro Senectute und Coop starteten eine Aktion, bei der von Strickenden Käppchen für Fruchtsaft-Fläschchen eingefordert wurde. Pro bei Coop verkauftem Fruchtsaft mit Wollmütze gehen einige Rappen an Pro Senectute. Bestimmt steckt Interpol oder so dahinter! 80’000 Käppchen wurden von Frau Schweizer freiwillig und gratis hergestellt!
Nun gilt es nur noch herauszufinden, wer von diesen Heimwerkerinnen auch der illegalen Strickguerilla angehört. Der Verdächtigen-Kreis wird eingeengt. Das ist sehr clever von Wem-auch-immer!

Und nun die Wahrheit, weshalb ich über diesen Lismi-Untergrund berichte:
Meine Arbeitskollegin I.C. (ihr Wirken in der wollknäuligen Parallel-Gesellschaft erfordert Anonymität!) mobbt mich seit einiger Zeit mit selbstgestrickten Wollkappen in der Grösse eines Daumenwärmers. Solche hat sie für die Pro Senectute-Fruchtsaft-Fläschchen und vermutlich auch für die Strick-Guerilla in Massen hergestellt! Sie hört erst auf, mich mit Puppen-Mützchen zu korrumpieren, wenn ich „der Welt“ von der Guerilla Knitting-Bewegung erzähle…
In meinem Garderobenschrank befinden sich schon einige dieser corpora delicti. Ich könnte mich nicht unwohler fühlen mit einem illegalen Sturmgewehr oder einem Kilo Koks im Spind an meinem Arbeitsplatz!

Geld haben sie bis jetzt keines gefordert. Sie wollen Öffentlichkeit. Und Al Jazeera hatte kein Interesse…


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