Mehr Freiheit – weniger Staat!

Das Städtchen Trijeque in der Provinz Guadalajara in Spanien konnte sich keine Strassenreinigung mehr leisten. Um der Vermüllung entgegen zu wirken veranlassten die Gemeinde-Oberen folgendes Inserat auf der Gemeinde-Homepage: Trijeque sucht Freiwillige, die montags bis freitags von 9:00 bis 13:00h die Stadt reinigen. Wir belohnen mit 5 Lt Öl, 6 Lt Milch, drei Kilo Teigwaren, 1 Kg Zucker, Konservendosen, 2 Pakete Cracker, 1 Packung Kakao, 3 Lt. Saft, 8 Fruchtjoghurt, 2 kg Reis. Arbeitslose mit familiären Pflichten werden bevorzugt.

Dieses „Stellenangebot“ stammt nicht aus der Zeit nach dem Kriegsende 1945.
Es ist datiert mit Januar 2012 und immer noch online!

Reihenweise kleine und mittlere UnternehmerInnen werden in den Ruin getrieben, weil ihre Kundschaft die Ausstände nicht mehr bezahlen kann. Täglich werden mehr Frauen, Männer und Kinder obdachlos, weil sie sich ihre Häuser und Wohnungen nicht mehr leisten können. Die Arbeitslosigkeit bewegt sich um die 25%. Tendenz steigend. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei etwa 50%.

Kaum vorzustellen, was derzeit im Bankrott erklärten Griechenland passiert, wo obdachlose Mittelstandsfamilien in Suppenküchen mit einer warmen Mahlzeit am Tag versorgt werden und medizinische Notversorgung von Hilfswerken geleistet wird. Die vollprivatiserte Gesundheitsversorgung ist in ihrem ursprünglichen Sinne längst kollabiert und für viele Griechinnen und Griechen nicht mehr zugänglich.

Auf Druck der EU, der EZB und der Weltbank, der „Rettungs-Trojka“, muss Griechenland nun neben
seinen Infrastrukturbetrieben, seinem Boden, seinen Immobilien auch u.a. seine Strom- und Wasserversorgungsbetriebe verkaufen.
Käufer sind internationale Konsortien, bei denen die kreditgebenden Banken massgebend bestimmend und – natürlich – gewinnorientiert wirken. So fliessen die Gelder, die gemeinhin als „Rettungspakete“ bezeichnet werden, eigentlich von Banken zu Banken. Zahlen müssen die BürgerInnen Europas. Mit Lohn- und Rentenkürzungen, staatlichem Leistungsabbau und zunehmender Verarmung.
Die neoliberale Freiheit und mantra-mässig gepredigte Eigenverantwortung lässt nicht nur beim Billigausverkauf Griechenlands die Frage offen, wie sich ein Land/eine Gesellschaft jemals wieder erholen soll, wenn ihnen doch gar nichts mehr gehört…

Es bleibt vorallem die Frage, wie lange in diesem entdemokratisierten Europa unter neoliberal-konditioniertem Faustrecht-Kapitalismus als moderner Gesellschaftsform, rest-demokratischer Widerstand möglich bleibt.

Die notwendige Verteidigung von Menschen- und Arbeitnehmerrechten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Utopie der Gerechtigkeit braucht unser aller Engagement.
Wir sind es den Jüngeren schuldig.


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