Brief an Herrn Mörgeli

Sehr geehrter Herr Mörgeli,

Ihre Stellungnahme zum «bedingungslosen Grundeinkommen» (BGE) entbehrt nicht einer eklatanten Engstirnigkeit.

Allein schon in Ihrer Einleitung erheben Sie den Status quo in die Sphäre der Unberührbarkeit. Und – wohl Ihrem Parteibuch geschuldet – darf natürlich das Argument der «hemmungslosen Zuwanderung» nicht fehlen!

Ihre «Wertschätzung» jenen Menschen gegenüber, die tagtäglich jedes Fünferli zweimal umdrehen müssen, ehe sie es vielleicht ausgeben können (oder müssen), spricht Bände! Denn Sie kolportieren, dass «die Hände in den Schoss legt», wer sein Einkommen «vom Staat geschenkt» bekommt. Somit bezeichnen Sie solche Menschen – etwas verklausuliert – als gemeine ohne jeglichen Willen, ihre (nach Ihrem Dafürhalten eh nicht vorhandene) oekonomische Leistungsfähigkeit in irgend einer Form in die Gesellschaft einbringen zu wollen.

Aber Ihre Behauptung, dass das BGE «geschenkt» sein soll, entbehrt jeder Grundlage. Denn dieses ergibt sich aus Abgaben, die von allen Beteiligten solidarisch getragen werden. Hinzu kommt eine höhere Mehrwertsteuer.

Was von Ihnen, sehr geehrter Herr Mörgeli, überhaupt nicht zur Kenntnis genommen wird, ist das enorme Sparpotential, das sich mit der Einführung des BGE auf tut.

Die Sozialämter der Kantone könnten sich wieder auf ihr «Kerngeschäft», die effiziente Nothilfe in Notsituationen konzentrieren, statt die ihnen von allen andern so genannten «Sozialversicherungen» hinüber geschobenen «Problemfälle» zu verwalten. Denn dieser Teil der «Sozialverwaltung» ist schlicht als haarsträubend, herab würdigend und demotivierend zu bezeichnen. Und diese Form der «Verwaltung» generiert nicht den Hauch eines Gegen- oder gar Mehrwertes.

In diesem Zusammenhang könnte man auch einmal die Frage in den Raum stellen, weshalb wir hier in der angeblich so glücklichen Schweiz die höchste Selbstmordrate weit und breit haben. Der Umgang mit Menschen im letzten Netz der Lebensabsicherung ist entwürdigend, demotivierend und herablassend.

Dem steht die unbestrittene Tatsache gegenüber, dass Menschen, die sich entsprechend ihren Fähigkeiten entfalten können, psychisch und physisch gesund sind und es auch bleiben. Da wären wir wieder bei den Sozialkosten. In Anbetracht exorbitant steigender Krankenkosten kann es doch nicht in Ihrem und Ihrer Entourage Interesse sein, Menschen in Notsituationen zu drängen. Wenn sie den Menschen schon als «homo oeconomicus» sehen wollen, dann denken Sie den Gedanken zu Ende. Oekonomisch gesehen müssten Sie konsequenterweise den «unwerten» Teil der Menschheit in irgend einer Form los werden, um den Typus «homo oeconomicus» konsequent durchsetzen zu können. Solches aber kann ja nicht einmal Ihnen, sehr geehrter Herr Mörgeli, in den Sinn kommen.

Das BGE ist die ultimativ richtige Form, die Herausforderungen der Zukunft anzugehen. Es animiert die Menschen, sich ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen entsprechend zu entfalten und so der Gesellschaft in der ihnen eigenen Art von Nutzen zu sein!

Max Linkmeyer 


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