Treibgut

Zur eines 15-jährigen

«Das Wunder von » ist dieses mal offensichtlich ausgeblieben. Der 15-jährige Artur sitzt jetzt wahrscheinlich in der Zweizimmerwohnung seiner Grossmutter irgendwo an der Peripherie Moskaus. Entwurzelt, seinem sozialen Umfeld entrissen, weil seine Mutter irgendwelche geschmuggelt hat. Aus Angst vor dem offenbar gewalttätigen Ehemann, der seinerseits zur Zeit im Knast sitzt. Doch dass die Frau aus Angst gehandelt haben könnte — um so das Kind und sich selbst vor Übergriffen zu schützen, interessiert nicht. Sie hätte ihn anzeigen müssen, heisst es lapidar. Anzeigen? Um hernach von ihm misshandelt zu werden? Um den jungen Mann Szenen häuslicher Gewalt erleben zu lassen? Wer hätte sie dann geschützt?

Man hat sie beide geschnappt; er sitzt seine Strafe ab um hernach ebenfalls ausgeschafft zu werden. Sie wird man elegant los. Und mit ihr gleich noch einen «fremder Herkunft». Der ist so etwas wie ein Stück Schwemmholz, Treibgut, das im Strudel mitgerissen wird. Das holt man da nicht raus. Lohnt sich nicht.

Und wenn der Junge dereinst im fernen Russland schief heraus kommt weil er des Wichtigsten beraubt wurde, was ein heranwachsender Mensch braucht, nämlich Geborgenheit, Nestwärme, ein funktionierendes soziales Umfeld, so wäscht man die eigenen Hände in Unschuld! Man hat sich ja nur an die geltenden Gesetze gehalten…! Was kümmert es da, dass man mutmasslich einen Menschen einfach seiner Wurzeln beraubt, ihm das Fundament entrissen hat…? Treibgut eben…


Ein Kommentar

  1. Das sind Geschichten, die dringendst an die Öffentlichkeit der Schweiz gehören, JEDE EINZELNE. Wir leben zunehmend in einer Scheinwelt und manche Schweizer scheinen (!) tatsächlich noch den Glauben zu haben, dass bei uns alles seine Richtigkeit hat und nach Gesetz läuft. Unmenschlichkeit herrscht in erschreckender Weise! M.Mansour, (Schweizerin mit offenen Augen)

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