Wie die Arbeitgeber die Arbeitnehmer ausnehmen!

Thomas Gsponer – Viscom

Eigentlich wollte ich ja in Ruhe meine Ferien geniessen und einfach nichts zu tun. Leider funktioniert das nicht, wenn man 10vor10 schaut, ich muss einfach darüber schreiben!

In dem TV-Beitrag geht es um den Lohnherbst. Aber auch um die Branche der grafischen Industrie in der ich Arbeite. Der Branchenpräsident des Arbeitgeberverbands Thomas Gsponer kommt dort zu Wort und verkündet dort in einer Ruhe, das er bei den kommenden GAV Verhandlungen (die beginnen Ende September) eine Wochenarbeitszeitverlängerung von 40 auf 42 Stunden fordert.

Warum ist diese Forderung absolut dämlich? Weil es keine Probleme löst. Sowohl auf Arbeitnehmer- und auch Arbeitgeberseite herrscht wohl der Konsens, das die Grafische Industrie zurzeit viele Probleme hat. Die sich während den letzten 1-2 Jahrzehnten aufgebaut haben:

  • Es wird immer weniger in Druckereien gedruckt, seit moderne Bürodrucker immer besser werden.
  • Die Konkurrenz aus dem Ausland ist dank Franken / Euro Problematik sehr stark!
  • Und die Druckunternehmer haben sich in den letzten 20 Jahren gegenseitigt vernichtet!

Der letzte Punkt bedarf wahrscheinlich einer Erklärung, die ich gerne liefere. Arbeitgeber in der grafischen Industrie kennen nur ein Denken: „Ich muss meine Konkurrenz vernichten, egal was es kostet!“ Selbst wenn der sich dabei selber vernichtet.

Preiskampf in der Druckindustrie

Als Beispiel, in der Druckindustrie gibt es innerhalb der Schweiz seit Jahren einen Preiskampf der jenseits von gut und böse ist. Es gibt Druckunternehmer die extra neuere und schnellere Maschinen kaufen nur um günstiger offerieren zu können. Dadurch zerstören sie die Preise auf dem Markt, weil die anderen Druckereien um Konkurrenzfähig zu bleiben mit den Preisen nachziehen müssen.

Gleichzeitig sitzen die Unternehmer auf High-End Druckmaschinen, die zuwenig Aufträge haben, und zu lange Zeiten still stehen. Dies gibt eben diese Überkapazitäten.

Und nun kommt die spitze des Eisberges. Der Unternehmerverband fordert im neuen GAV eine Wochenarbeitszeitverlängerung um 2 Stunden auf neu 42 Stunden in der Woche. Das hört sich extrem zynisch an, wenn man bedenkt, das die Maschinen jetzt schon zu oft still stehen.

Der Unternehmerverband versucht damit seinen Mitgliedern den Arbeitgebern noch einen stärkeren Preiskampf auszuliefern. Da ein Unternehmen rein auf dem Papier tiefere Preise kalkulieren kann wenn die Beschäftigten 42 statt 40 Stunden arbeiten. Mehr Geld verdient dabei aber niemand.

Ich behaupte hier! Der Branchenverband Viscom fördert mit der 42 Stunden Woche den schnelleren Untergang der Druckereien in der Schweiz. Wann? Wenn nicht jetzt ist es endlich Zeit umzudenken. Die müssten endlich Wege und Lösungen finden um Branche langfristig zu retten. Die Arbeitgeber müssen wieder mehr zusammenarbeiten um die Preise zu stabilisieren!

Jegliche Lohnkürzungen, Wochenarbeitszeiterhöhungen und jeder andere Massnahme auf Kosten der Arbeitnehmer darf nicht toleriert werden. Die Arbeitnehmer die seit Jahren in dieser Branche arbeiten und ihr bestes geben, haben nichts dafür das die Egos ihrer Vorgesetzten zu gross sind um nach gemeinsamen sinnvollen Lösungen zu suchen.


2 Kommentare

  1. Das ist wirklich ein Skandal, dass im Elektronikzeitalter immer weniger gedruckt wird!! Außer den Bäumen ist da wirklich niemand froh drum. Es ist daher dringend nötig, mehr zu drucken damit die Druckmaschinen wieder ausgelastet sind. Wo kämen wir sonst hin? Als Sofortmassnahme könnte sich 2lounge überlegen, jeden Blogbeitrag künftig als offset-gedrucktes Kampfblatt in einer Auflage von wenigstens 100’000 unter die Arbeiterschaft des grafischen Gewerbes zu bringen. Zeit zum Lesen hat man dort offensichtlich genügend…^^

    1. Guten Abend Herr Kobler

      Sie sollten darauf achten was ich geschrieben habe. Natürlich wird in einer zunehmende technologiesierten Welt immer weniger gedruckt. Das habe ich aber gar nicht angeprangert.

      Ich prangere hier die Unternehmer an, die anstatt zusammenzuarbeiten um zu versuchen ihre Branche, ihren Beruf und ihr Unternehmen zu retten. Sich in einen absolut killenden Preis- und Konkurrenzkampf geben. Die Kosten für diesen Kampf dürfen dann die ArbeitnehmerInnen austragen – das kritisiere ich!

      Also um es bildlich zu sagen, alle Unternehmer sitzen zusammen in einem sinkenden Boot, anstatt das alle zusammen rudern um auf eine Insel zu kommen, werfen sich sich gegenseitig über Board – völlig krank! 

      @Bäume. In der Schweiz wird weit über 90% des bedruckten Papiers wieder recyclet, wir sind damit Weltmeister!

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