Baumgartners Husarenritt

Bis jetzt war der Name etwa so gewöhnlich wie Müller, Meier (wahlweise mit „ay“, „ai“, „ey“ oder eben einem ganz gewöhnlichen „ei“) oder Schmidt. Doch nun ist dieser Name im wahrsten Sinne des Wortes mit Überschallgeschwindigkeit auf dem ganzen Erdball ins Bewusstsein einer staunenden Öffentlichkeit gedonnert. Die Bewunderung ist ihm sicher; die Kritik leider nicht — oder nur hinter vorgehaltener Hand.

Wer genau wissen will, was dieser soeben «geleistet» hat, dem stehen spätestens seit heute Millionen von Informationsquellen offen; Google sei Dank. Es ist also müssig, mich hier über die Beweggründe meines Eintrags auszulassen. (Was ich allerdings nicht recherchiert habe, sind die Kosten dieses «heldenhaften Unterfangens»). Ist mir offen gestanden auch wurscht. Gratis jedenfalls kann’s nicht gewesen sein. Denn welcher Milliardär gibt sich schon mit Dingen ab, die so profan sind, dass man nicht mit seiner finanziellen Potenz prahlen kann…

Ich setze hier jetzt dieser «Heldentat» einige Dinge entgegen, die sich nicht ganz so spektakulär ausnehmen, wie dieser Flug. Aber in Anbetracht ihrer Brisanz wird das Hasardeuren-Unternehmen vielleicht doch zu dem, was es eigentlich verdient: eine Randnotiz!

  • Weltweit hungern rund 870 Millionen Menschen. Tendenz steigend, wenn auch etwas abgeschwächt.
  • In Europa und in den USA steigt die Zahl von Menschen stark an, die von betroffen sind. Jene der Superreichen steigt zwar auch, aber dazwischen wird es sehr, sehr leer.
  • Die Zahl der Arbeitslosen in den Staaten Europas steigt.
  • Die Zahl der Arbeitslosen in der Schweiz nimmt ab. Das allerdings ist eine dicke Mogelpackung. Denn demgegenüber steigt die Zahl der Ausgesteuerten. Durch die verschiedenen Sparmassnahmen bei der Arbeitslosenkasse (ALK) werden Arbeitslose früher aus der Arbeitslosenunterstützung entlassen und der zugeschanzt. Das Problem ist also nicht gelöst, sondern nur an die Öffentliche Hand ausgelagert.

Die Liste liesse sich beliebig weiter führen. Doch das würde diesen Rahmen sprengen. Fest steht, dass Baumgartner für sich wohl einen Lebenstraum erfüllt hat. Vielen anderen hat er damit wohl geholfen, einen -Moment lang ihren ureigenen Problemen entfliehen zu können — um dann um so härter wieder dort zu landen.

Die Frage, die sich bei solchen Unternehmungen halt immer wieder stellt: Was wäre mit dem dafür aufgewendeten Geld alternativ möglich gewesen?

Oder: Stünde das in derart nutzlose Geschichten gesteckte Geld auch nur in Bruchteilen jenen öffentlichen und privaten Einrichtungen zur Verfügung, die sich mit der grundsätzlichen Bekämpfung der Ursachen der Armut befassen, wie viel unnötiges, durch das egoistische Verhalten des Grosskapitals mit verursachtes Leid liesse sich dadurch lindern?

Auch der Fragen gäbe es noch viele. Aber die Hoffnung, dass sie beantwortet werden, ist sehr klein… 


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