Demokratie und Kommunikationsindustrie

Bundesrats-Volkswahl?

Das -Romney-Finale soll sechs bis neun Milliarden Dollar kosten. Jede Bürgerin und jeder Bürger hat das RECHT! bis maximal 5000 $ an das hollywoodeske Spektakel zu spenden. Damit soll der demokratische Verlauf der Wahl-Show geschützt werden. Schliessen sich mehrere Interessierte wie steuersparsame Milliardäre, Firmen, Branchen oder Fromme zu einem politischen Aktionskomitee zusammen, gilt diese Obergrenze nicht mehr. Ein Demokratieverständnis, dem wir als AltweltlerInnen nur schwer folgen können.

Auch hierzulande gibt es milliardenschwere Schafhirten, die ganz laut „mehr Demokratie“ vorblöken und den per Volkswahl bestimmen lassen möchten. Lassen wir uns also vom Fundraising des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs inspirieren und versuchen uns – analog real existierender  Vorgehensweisen – vorzustellen, wie eine Bundesrats-Volkswahl aussehen könnte:

Bereits zwei Jahre nach Einsetzung entzieht sich der Bundesrat – eine nach dem anderen – der Realpolitik und tritt in den Ausstand, resp. in den Vorwahlkampf.

An Aktionärsversammlungen von Versicherungsgesellschaften, Banken, Pharmakonzernen oder anderen Playern wird als Stargast jeweils ein Bundesrat oder eine Bundesrätin zur Unterhaltung und Aufwertung des Anlasses vorgeführt. Derweil deren Trabanten die Verantwortlichen davon zu überzeugen suchen, dass ihre Partikularinteressen am besten bewirtschaftet würden, wenn sie sich schon jetzt zu einer Teilnahme an einem Unterstützungskomitee und standesgemässer Mitfinanzierung des bevorstehenden Wahlkampfes entscheiden würden.

Im dritten Amtsjahr wird die bevorstehende Wahl oder Wiederwahl langsam ins Bewusstsein der dumben WählerInnen getröpfelt. BundesrätInnen verabschieden sich endgültig aus dem Amt und verlagern ihren Output auf Themen, die ihnen viele hochgeschätzte Mitarbeitende der noch höher bezahlten Kommunikationsberatungs-Branche als „volksnahe Themenfelder“ empfehlen.

Einige werden ihre Botschaften am Philatelisten-Kongress  oder bei der Generalversammlung des Kleintierzüchterverbandes platzieren. Unsere Landesmütter und –väter lassen sich beim Eidgenössischen Turnfest, beim Schwinget auf dem Brünig, am Lady Gaga-Konzert im Hallenstadion Züri oder an der Seifenkisten-Weltmeisterschaft in Oberägeri blicken. Kleinvieh macht ja auch Mist.

20min und blickamabend empören sich über die skandalöse Verunreinigung eines beliebten Spazierweges von Fulensee nach Spiez durch gelitterte Hundekacke.

Die „Arena“ führt eine Diskussionsrunde zum national bewegenden Thema durch unter dem Titel „verschissene Naherholungszonen – Folge der Immigration?“. Bundesrat Maurer gibt sich zurückhaltend und schlägt nicht vor, jungen Türkinnen die Hundehaltung zu verbieten und auszuschaffen. Er offeriert, die Berner Oberländer Polizisten mit WK-Soldaten zu unterstützen, die fehlbaren ausländischen Hundehalterinnen Robidog-Säckli unter Androhung militärpolizeilichen Gewahrsams bei Nichtverwendung androhen. Die Präsentation der Ausschaffungs-Lösung wurde von seiner Partei in die „zweite Reihe“ delegiert. An einen jungen Aufstrebenden, der seit seines Auftritts in einer deutschen Satire-Sendung grenzübergreifendes Renommée geniesst.

Bundesrat Burkhalter weist darauf hin, dass das Littering-Problem nicht ohne bilaterale Abkommen mit den europäischen Partnern  wirtschaftlich nachhaltig gelöst werden könne. Er persönlich habe soeben eine Task Force ins Leben gerufen, die die Problematik auch mit potentiellen Wirtschaftspartnern in Papua-Neuguinea erläutern werde.

Johann Schneider Ammann  gibt in der hochkarätigen Arena ein staatsmännisches Statement ab: „Nnnnein. Der Bundesrat ist ähhhm sich der Hunde… ähhh Hinterlassenschaften-Blase bewusst. Er wird ähhh das Wirtschaftsrisiko des ähm potentiell verschmutzten Naherholungsgebietes am ähhh Murtensee ähm am oberen Thunersee verhindern. Er wird………dieser Begegnung Mensch Mensch ähh dieser Begegnung Mensch Hund, respektive der ähm Begegnung Menschenschuhe nach Hund nicht durch das Internet begegnen wollen. „

Die verbliebenen vier Regierungsmitglieder, die nicht in die Arena eingeladen wurden, sind düpiert, bleiben aber nicht untätig.

Alain Berset orientierte sich an Barack Obamas online shop und bietet nun ebenfalls Katzenhalsbänder mit der Aufschrift „Ich miaue für Alain“ und Fressnäpfe mit seinem Konterfei an, um den bürger-bezahlpflichtigen Wahlkampf auch weniger gut Verdienenden zugänglich zu machen.

Getreue von Doris Leuthart trommeln bereits die Verantwortlichen vom Energieforum Schweiz, dem Opus Dei, von economiesuisse, BEKB und dem Kraftwek Gösgen zusammen, um eine Benefiz-Gala zu organisieren, deren Eintrittsbillette für Fr. 20’000.— an begüterte und wohlgesonnene Sympis vertickt werden.

Im Endspurt liefern sich Christoph Widmer-Schlumpf und Lukas Hartmann Sommaruga eine Material- und Faktenschlacht bei Röbi Koller’s „Happy Day“.

Christoph Widmer im türkisfarbigen Dior-Sakko umarmt eine trauernde Wittwe, deren Mann dank des Teams von Röbi Koller wiederauferstanden ist.

Lukas Hartmann Sommaruga im türkisfarbenen Glitterhemd mit dem Aufdruck Dolce-Gabbana verschenkt mit liebevollem Gesichtsausdruck Glacé an kriegsversehrte Heimkinder.

Das könnte das Schicksal von Lukas Hartmann und Christoph Widmer sein…

20min, blickamabend, Vanity Fair, MensHealth, redbull.servus.schweiz.tv und jesus.tv  werden am Folgetag der Weltöffentlichkeit eine modische und religiöse Analyse der Auftritte präsentieren.


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