Die wahren Piraten

Ein 73jähriger ehemaliger Polizist, der sich einst in einer monothematischen Partei engagierte, die ein besonders liebevolles Verhältnis zu Autos pflegte, eine 80jährige Sexarbeiterin und eine 85jährige, die sich im Komitee „gegen eine neue Puffmeile in Basel“ engagiert, teilen dieselben politischen Ambitionen.

Das hätte die Pointe sein können.

Verstärkt wird die illustre Runde durch Mitwirkende des Initiativ-Komitees Todesstrafe für Drogendealer, des Initiativ-Komitees   geschlossene Internierungslager für Asylanten, der Organisation Basel den Baslern, der Vereinigung die Schweiz den Schweizern, des Anwohnerkomitees gegen Asylwohnheime im Kleinbasel, der Gruppe Ausländerstopp Kleinbasel und der Gruppe gegen das Asylschiff im Kleinbasel.

In einer offenen und demokratischen Gesellschaft muss man damit leben können, dass solche Gruppen existieren und ihrem menschenverachtenden Weltbild Ausdruck verleihen.

Möglicherweise sind es individuelle Leidensgeschichten, die diese Einzelpersonen auf irgendeine Weise verbindet. Ihren Kampf gegen die Anderen mag ihnen das Gefühl geben, sich vom Rande der Gesellschaft in deren Mitte zurück zu bewegen. Auch mag sie ein Hauch von Martyriums-Sehnsucht antreiben. Sie haben als einzige verstanden, was oder wer unsere Gesellschaft bedroht und wollen uns Unverständige erretten.

Extremistische Ausrichtungen in Religion und Politik unterliegen denselben Mechanismen. Der Glaube daran, als auserwählte Einbeinige und Einäugige im Alleinbesitz der einzigen Wahrheit zu sein vermittelt Geborgenheit, Sicherheit und ein Elitärgefühl.

Dass sich diese Menschen um einen Mann gruppieren, dessen Lebenssituation aussergewöhnlich schwierig ist, der in seinem Leben vermutlich noch nie ein Auskommen fand, der wie sie seine Frustrationen und seinen Hass nicht nur gegen „Ausländer“, sondern auf gegen „den Staat“ richtet, kann nur auf den ersten Blick erstaunen.

Basels berühmtester Nazi leidet offensichtlich unter gewaltigen psychischen Drücken und lebt in einer Phantasiewelt.

Dies wurde auch während der verschiedenen Prozesse, in denen er wegen Wahlfälschung, Stimmenfang, Drohung und anderem verurteilt wurde, deutlich.

Dazu sei dieser Artikel von OnlineReports vom 19. März 2008 empfohlen.

Dass wir und unser Stadtbasler Parlament nun mit der Einsitznahme dieses gezeichneten und verwirrten Mannes und eines seiner Jünger leben müssen, ist ein Schock der erst verarbeitet werden muss.

Dass er – wie angekündigt – den Parlamentsbetrieb lahmlegen will, muss man ihm schon glauben.

Da er als deutsch-schweizerischer Doppelbürger schon seit vielen Jahren in der oberfränkischen Stadt Hof – einer NPD-Hochburg – lebt und dort eine Familie mit zwei Kindern hat, bleibt die Hoffnung, dass er nicht für jede Sitzung des Grossen Rates nach Basel anreisen wird. Die Reisezeit per Bahn beträgt über sieben Stunden!

Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

 

 

 

 


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