Volkssport «Arbeitnehmende verarschen»

Geht man davon aus, dass stimmt, was die UNIA und andere Gewerkschaften schon lange anmahnen, dann herrscht in Sachen Einhaltung des Arbeitsrechtes auf der Grossbaustelle der «» in ein arbeitsrechtliches «Sodom und Gomorrha». Immer wieder wurden bei Kontrollen auf dieser Riesenbaustelle Verstösse festgestellt. Jetzt sieht sich die grösste Gewerkschaft der Schweiz dazu genötigt, die Sache im ganz grossen Stil anzugehen.

Das Ende ist erreicht. Vorbei der Ruf der Schweiz, sie pflege ein gutes Einvernehmen zwischen Arbeitnehmenden und Arbeitgebenden. Die Globalisierung ist auch in unserem Land angekommen. Geht man davon aus, dass stimmt, was die Gewerkschaft UNIA in ihrem Communiquée vom 5. November 2012 verlauten lässt, dann ist die Grossbaustelle «muba» in Basel geradezu ein Paradebeispiel für Lohndumping!

Und dieser Verdacht ist nicht von der Hand zu weisen. Denn schon verschiedentlich wurden im Rahmen «normaler» Kontrollen Verstösse gegen das hiesige Arbeitsrecht festgestellt. Nun hat die Gewerkschaft die Nase voll. Zu Recht! Denn «Kleinvieh macht auch Mist». Die vielen Kleinkontrollen – im Rahmen der vorhandenen Ressourcen nicht anders möglich – haben deren Wirkungslosigkeit offenkundig gemacht.

Also werden jetzt Kontrollen eingefordert, die es in sich haben: Eine Grossrazzia soll her. Kontrolleure im grossen Stil unter Polizeischutz sollen in den nächsten Stunden oder Tagen jeden einzelnen Arbeitnehmenden, jede einzelne Arbeitnehmende minutiös unter die Lupe nehmen können. Damit, so wohl die Hoffnung, soll gegenüber der Generalunternehmerin HRS, aber auch gegenüber der Messe Schweiz (MCH) als Bauunternehmerin deutlich gemacht werden, dass Lohndumping nicht akzeptiert wird.

Hinzu kommt, dass vom Kanton geprüft werden soll, ob auch hier wie im Kanton St. Gallen, die sogenannte Auftraggeberhaftung eingeführt werden soll. Wie die UNIA in der entsprechenden Medienmitteilung schreibt, duldet der Kanton St. Gallen zumindest auf von ihm in Auftrag gegebenen Baustellen keine Subunternehmerketten mehr.

Was auf dieser Grossbaustelle in Sachen Ausnutzen von Arbeitskräften abgeht, sucht seinesgleichen. Die «MCH» steht unter Zeitdruck. Bis im Februar 2013 muss der umstrittene Riesenkomplex fertig und bezugsbereit sein. Dann nämlich beginnt der Aufbau für Basels wichtigste Messe des Jahres: die «BaselWorld». Diese wiederum wird ihre Tore im April zum ersten Mal in der neuen, von Herzog de Meuron entworfenen Halle öffnen.

Entsprechend aufwändig sind die Bauarbeiten, welche nur binnen eines Jahres abgewickelt werden mussten und noch müssen. Zeitweise tausende Arbeitnehmende stehen im Zwei-Schicht-Betrieb im Einsatz. Und die Arbeitenden werden aus aller Herren Länder hierher gekarrt. Die (wenigen) bereits aufgedeckten Verstösse liegen klar im Bereich der Lohnstrukturen. Seitens der UNIA wurden diesbezüglich Stundenansätze von lediglich acht (!) Franken genannt. Hinzu kommt, dass es Betroffene gab – oder noch gibt – die lange Zeit überhaupt auf Auszahlungen warteten.

Die «MCH» will von derlei Praktiken nichts gewusst haben! Ob dem so ist bleibt wohl vorderhand noch deren Geheimnis.


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