Sichselbst-Vertreter in Amt und Würden

Blendet man die die düsteren und wüsten Aspekte seiner Eventual-Wahl, die bedauerliche Verwirrung seiner Person  und die bevorstehende Dauer-Behinderung der parlamentarischen Arbeit aus, verfügt die Geschichte vom Kleinen Braunen im Basler Grossen Rat über gewaltiges kabarettistisches Potential.

Niemand war überrascht, dass der „“ (onlinereports) nicht – wie von ihm per Medienmitteilung auch der Tageswoche angekündigt – auf sein Amt verzichtete. Ebenso wenig überraschte, dass auch der Rücktritt vom Rücktritt ausfiel.

Das Angebot eines Rücktritts, falls die Basler Staatsanwaltschaft von sämtlichen Ermittlungen gegen ihn absehen würde, ist nur ein kleines Schmunzeln wert. Da liegt doch viel mehr Vergnügliches drin!

Der selbsternannte Retter der Armen ist tüchtig. Sehr tüchtig!

Bereits vor Amtsantritt hat er eine Motion, zwei Interpellationen, sieben Schriftliche Anfragen und einen Anzug deponiert. Diese elf Texte ermöglichen uns einen ersten Überblick über Eric Webers politische Ziele.

Nix da von Wiedereinführung der Todesstrafe, von Ausschaffungsoffensiven und Skandierung von Ausländer raus!-Parolen!

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass er ein ganz anderes Ziel verfolgt: Sich selbst!

Der Anfang seines wirtschaftlichen,  gesellschaftlichen und kulturellen Aufstiegs stellt er sich folgendermassen vor:

Ein Gratis-Tramabo oder die Angabe der Stelle, wo er seine Tramfahrten in Rechnung stellen kann.

10 Gratis-Eintrittkarten ins Theater .

Eine Einladung der Kantonsregierung, den Morgestraich mit anderen geladenen Gästen aus dem Fenster des Rathauses geniessen zu können, sowie die Weitergabe von Einladungen, die die Regierung erhält und nicht wahrnehmen kann – zum Beispiel an ihn.

Keine Änderung des Wahlgesetzes zu seinen, Eric Webers, Lebzeiten!

Da Regierungsrat Eymann schon Personenschutz für sich beanspruchen durfte, möchte er nun ebenfalls solchen Spezial-Service für Berufs-Politiker (Weber über Weber) in Anspruch nehmen.

Er fühlt sich bedroht durch einen seiner hochbetagten und an einer Krücke gehenden Listenkollegen. Möglicherweise handelt es sich um seinen „Partei“kollegen, der bei der Staatskanzlei eine Beschwerde deponierte, weil er Zweifel an der wirklichen Wohnsitznahme Webers in Basel hegt.

Als „einziger Wahlgewinner“ wollte er anstelle oder gemeinsam mit der jüngsten Grossrätin und dem ältesten Grossrat die erste Sitzung der neuen Legislatur eröffnen.

Zu erwähnen bleibt noch, dass es Herr Weber einen „Skandal“ findet, dass er für ein Kleinkind         schon mal Fr. –.80  für die Rheinüberquerung per Fähre zu entrichten hatte. Dahinter vermutet er Selbstbereicherungsabsichten der Basler Fährimänner und unterstellt ihnen als Supplement auch gleich Abrechnungsbetrug.

Unvergesslich bleibt wohl seine Interpellation betreffend Foltermethoden im Basler Gefängnis und deren Beantwortung durch den neugewählten Regierungsrat des Justiz- und Sicherheitsdepartementes Baschi Dürr. Die Kurzform:

Foltermethoden                                                   Antwort des Regierungsrates BD

Man darf sich nicht rasieren                                  Einwegrasierer werden zur Verfügung gestellt.

Ich durfte die Kleider nicht wechseln                     Es kann mit „Trainern“ ausgeholfen werden.

Nur ein Brötli zum Frühstück                                 Nachschlag ok, Food waste unerwünscht.

Kaltes Essen                                                          die Wege sind weit, Essen kann u.U. abkühlen.

Raucher/Nichtraucher in einer Zelle                       Hohe Belegungsdichte. Kann passieren.

Briefe wurden mit B-Post verschickt                       ist Standard. Ausser Briefe mit Kennz. „A“.

In U-Haft darf geraucht werden                              Ja, in U-Haft darf geraucht werden.

 

Anmerkung:

Ich freue mich sehr darüber, dass der neugewählte Grossrat freundlich und offen im Gremium aufgenommen wurde.

Empfohlen sei hier das nachdenklich stimmende Portrait von Martin Gschwind in der Basellandschaftlichen Zeitung vom 4.12.12: Der Mann aus Kleinhüningen.

Grossrat Gschwind sollte es nicht zur Hypothek werden, dass er aus einer gewissen Unbedarftheit und im falschen Fahrzeug den Einzug in unser Parlament schaffte.

Es ist nicht nur an uns Wählerinnen und Wählern, uns Gedanken darüber zu machen, weshalb es jemand mit seiner Lebenserfahrung am Rande der Gesellschaft auf der Liste des mehrfach verurteilten Wahlbetrügers schafft, in den Grossen Rat gewählt zu werden – nachdem die Kandidaturen der Liste 13 – gegen Armut und Ausgrenzung seit so vielen Jahren erfolglos blieben.

Herr Gschwind zeigt schon lange deutliche Anzeichen, sich von Weber emanzipieren zu wollen. Er braucht neue Allianzen und Unterstützung!

Aus Martin Gschwind kann ein Pionier im baselstädtischen Parlament werden. Er vertritt als gewählter Grossrat eine Bevölkerungsgruppe, die viel zu lange keinen Zugang zur politischen Mitgestaltung unseres Kantons hatte!

Ich verlasse mich in der Sache „Integration Gschwind“ auf die sozialen und weitsichtigen Kräfte in unserem Parlament!

martin-gschwind-der-mann-aus-kleinhueningen-125528964Foto: bz, Martin Töngi

 

 


2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.