Der Papst dankt ab – Aufbruch oder Rückwärtsgang?

Benedikt XVI. hat die Welt überrumpelt. Er schmeisst den Bettel hin. Vordergründig ist es die Last, die er angesichts seines fortgeschrittenen Alters nicht mehr zu tragen in der Lage sei. Doch auch andere, wesentlich unschönere Dinge dürften den Bayern zu diesem spektakulären Schritt bewogen haben. Hochsaison herrscht bei den Wettbüros!

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug die Meldung über den des Papstes am Montag, dem 11. Februar in der Welt ein. Konsternation machte sich breit – aber auch Erleichterung. Die offiziellen Verlautbarungen aus der ganzen Welt reichen vom grossen Bedauern über diesen Schritt über Verständnis bis hin zu Freude. Und der Blitz schlug ein – im wahrsten Sinne des Wortes. Nebenstehendes Bild machte wohl beinahe ebenso oft die Runde um die Welt wie das Konterfei des Akteurs selbst.

So einmalig und in der Historie sehr weit zurückliegend ein solcher Entschluss auch sein mag, so sollen doch schon seit Monaten ganz wenige enge Vertraute des Pontifex von der Absicht gewusst zu haben.

Der Wind hatte dem alternden Kirchenhirten öfters hart ins Gesicht geblasen. Intrigen prägten seine Amtszeit. Skandale um persönliche Mitarbeitende, um die -Bank belasteten den in seinem Handeln und denken doch eher philosophisch ausgerichteten «Stellvertreter Christi». Das muss dem an Führungsqualität doch eher schwach begabten Autor vieler katholischer Schriften enorm zugesetzt haben. Kommt hinzu, dass es der Mann schon bei seiner Wahl eher als Last den als Lust empfand, in die Fussstapfen Petri treten zu müssen.

Und sein Pontifikat war geprägt von der starken Tendenz, sich in der Ausrichtung der wieder rückwärts zu wenden. So führte er die Messfeier in Latein wieder ein – nicht flächendeckend, aber er schuf doch die Möglichkeit dazu, dass rückwärts gewandte Exponenten diese traditionalistische Form der Eucharistiefeier aus der Mottenkiste holen konnten.

Viel zu reden gab sein Entschluss, die abgespaltenen rechtskonservativen Traditionalisten wieder «heim zu holen». Ebenso wurde unter Benedikts Führung die «Nulltoleranz» zum Thema Homosexualität untermauert. Ebenso kompromisslos verfestigte der «oberste Hirte» die Empfängnisverhütung; Kondome sind «des Teufels». Der Schwangerschaftsabbruch ist nach wie vor tabu und «Mord am ungeborenen Leben», egal unter welchen Umständen dieses gezeugt worden ist.

Keine Gnade fand unter seiner Herrschaft der Wunsch vieler aufgeschlossener , auch Frauen als zum Dienst am Herrn zuzulassen. katholische Geistliche dürfen nach wie vor nicht heiraten und eine Familie gründen. Wer das in der Vergangenheit trotzdem tat und es nach aussen hin bekannte, bekam die volle Härte des Klerus zu spüren. Die Beispiele eines versuchten Kampfes gegen derartige Dogmen endeten bis jetzt immer in menschlichen Tragödien; die «Revoluzzer» wurden aus Amt und Würden verbannt. Oder aber sie schworen ihrem «Bruch» ab und überliessen Partnerin und gegebenenfalls auch Kinder ihrem Schicksal, um «reumütig in den Schoss der Kirche» zurück zu kehren.

Aber auch rein äusserlich manifestierte Papst Benedikt XVI. sein Bedürfnis nach alten Werten der Kirche. Die vor Jahrzehnten aus der «Tenuevorschrift» verbannte hermelinverbrämter Mozetta wurde wieder aus der Mottenkiste geholt. Grund der Verbannung war seinerseits das Bedürfnis, den materiellen Reichtum der katholischen Kirche nicht auch noch ostentantiv zur Schau zu stellen. Benedikt sah das offensichtlich anders.

Nun wird auf die Nachfolge des noch amtierenden «Chefs» von Millionen Katholiken bereits tüchtig gewettet. Rund um die Welt werden Einsätze geboten, wer denn nun als nächster den vakanten Stuhl für sich einnehmen darf.

Ganz gross gehandelt werden Würdenträger aus Afrika und Südamerika. Ebenso gross sollen auch die Chancen stehen, dass jetzt wieder ein Italiener zum Handkuss kommt. Ein paar ganz Verwegene bringen sogar den ehemaligen Basler Bischof und jetzigen Kardinal Kurt Koch ins Spiel – eine wohl doch eher unrealistische Hoffnung.

Meines Erachtens ist es nicht die Person an sich, die jetzt im Nachfolgekarussell wirklich eine Rolle spielen sollte. Wichtig wäre vielmehr die Grundausrichtung, die der künftige Papst mitbringt. Und da gibt es enorme Baustellen. Die wichtigste ist wohl die Öffnung der Kirche für die Realität, in der die Welt wirklich lebt. Das sture Festhalten an irrationalen Dogmen und lebensfeindlichen Vorschriften kann es nicht sein!

Die Katholiken brauchen im Petersdom eine Persönlichkeit, die bereit ist für neue Wege. Nicht die Grundfesten der katholischen Kirche sind es, die nach Veränderung rufen. Nein, es sind die Gegebenheiten der heutigen Zivilisation und Ethik, die einer Neujustierung harren.


Ein Kommentar

  1. Na ja. Die Frage darf gestellt werden, in wie weit diese vergoldeten und nur bezüglich neoliberal konditionierter „Finanzindustrie“ äusserst zeitgemäss und aktiv agierender Relikte aus dem menschlich-kulturellen Pleistozän irgend eine Bedeutung für das öffentliche Interesse haben. Ob Davidianer, Salafisten, Katholen, Jehovas Zeugen, orthodoxe Juden, allerei Kreationisten oder andere renitente und extremistische „göttliche“ Eliten…what’s the difference?
    Alle diese Spinner glauben, zu wissen, wie andere Menschen zu leben haben. So grosszügig sie sich in der Verurteilung des realen Lebens wie in Bezug auf Sex, Homosexualität, Scheidung etc. geben – so knauserig zeigen sie sich in Meinungen zu Ausbeutung von Menschen, Tieren, Lebensgrundlagen.
    Ob dieser oder eine anderer weltfremder Greis sich anmasst, „Gottes Willen“ kundzutun…ist doch einfach gaga und völlig irrelevant.

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