«Ich bin überzeugte Ausländerhasserin»

Vor einigen Tagen in einem Caritas-Laden irgendwo in der Schweiz: «Weisst du, mit denen rede ich schon gar nicht mehr. Wegen denen habe ich meine Arbeit verloren. Jetzt bin ich überzeugte Ausländerhasserin.», sagte eine alte Kollegin zu mir, die ich hier im Laden für Armutsbetroffene zum ersten Mal einkaufen sah. Grund der Bemerkung: Ein junger Mann ausländischer Herkunft drängte an mir vorbei an die Kasse mit einigen Paketen Mehl auf dem Arm. Den Rest seines Einkaufs hatte er bereits vor mir aufs Förderband an der Kasse gelegt. Besagte Kollegin stand unmittelbar hinter mir und bekam mit, dass ich den jungen Mann daraufhin wies, dass man eigentlich zunächst alles zusammen trägt, bevor man zur Kasse geht.

«Jetzt bin ich überzeugte Ausländerhasserin!». Eine Aussage, die man immer öfter zu hören bekommt. Eine Aussage aber auch, die irritiert. Und doch entspricht sie einer Strömung, welche durch rechtsbürgerliche Kreise bewusst gepflegt und geschürt wird. Wenn der Arbeitsmarkt in der Schweiz den Bach runter geht, dann «sind die Ausländer schuld». So einfach ist das. Und so einfach funktioniert auch die Stimmungsmache insbesondere der Schweizerischen Volkspartei (). Diese bedient mit System das Klischee der «bösen Zuwanderer», welche uns zunächst die Arbeit und dann auch den Wohnraum streitig machen.

Und weil die so verkürzte Sicht aus diesen Kreisen so einfach ist, verfängt sie bei einem grossen Teil von Frau und Herrn Schweizer. Und treibt dieser Partei immer mehr Wählerinnen und Wähler aus der Arbeiterschaft in die Arme.

In die Taktik passt auch, dass in dieser Ecke die Themen «» und «Asylwesen» bewusst vermischt werden.

Der Begriff «Migration» bezeichnet «die dauerhaften und grenzüberschreitenden Verlagerungen menschlicher Wohnorte» (Wikipedia). Somit wird von jedweder Art von Wanderung geredet. Seien dies nun Wanderungsbewegungen aus Fluchtgründen, zum Wohnortswechsel oder aus Arbeits-/Erwerbsgründen. Migration ist – einfach gesagt – der moderne Begriff für «Völkerwanderung», wie wir sie kennen, seit es Menschen gibt auf diesem Erdball.

«» steht für «einen Zufluchtsort, eine Unterkunft, ein Obdach» (Wikipedia). Schon das Wort «Zufluchtsort» enthält das Teilwort «», impliziert also deutlich, dass Asyl eine erzwungene «Wanderung» aus erzwungenen Gründen voraussetzt. Bis jetzt sind uns Kriegs-, Unruhe- oder Hungergebiete geläufig. Die Folgen des Klimawandels und der damit verbundenen Veränderungen auf dem gesamten Erdball werden zunehmend weiter Gründe liefern, welche zu Asyl-Wanderungen führen müssen.

Wer also zum Verlassen der Heimat gezwungen ist, ist zwar MigrantIn, hat aber nichts mit jenen «» zu tun, deren Absicht ihrer Zuwanderung rein monetärer Natur sind. Bekannt sind hier etwa die «Schönen und Reichen», welche sich freiwillig gerne in unseren Zentren – etwa St. Moritz, Davos, Gstaad – einnisten, um hier unter ihresgleichen zu sein, und zusätzlich von den völlig ungerechten Vorzügen etwa der Pauschalbesteuerung schamlos profitieren. Ich nenne sie «-».

Wer demgegenüber dutzendweise in der «Nussschale» mit Aussenbordmotor von verbrecherischen Schlepperbanden mit der Lüge auf «Aussicht auf eine bessere Zukunft» vorab in Europa auf eine Reise ins Ungewisse und Überlebenschancen wie beim Russischen Roulette in die Fluten des Mittelmeeres geschickt wird, hat schon seine Heimat nicht freiwillig verlassen. Und die Beweggründe für den Wunsch, in unserem Lande unter zukommen, sind elementar: Sie suchen Zuflucht, sind also auf der Flucht, wollen überleben – einfach nur überleben. Und wurden, um diese Flucht überhaupt antreten zu können, skrupellos ausgenommen. Wir kennen sie, die .

Ein Leben in Freiheit suchen sie. Doch die Schweiz zieht bei den Flüchtlingen die Schlinge immer enger zu. Die nächste, nicht mehr abzuwendende Stufe hier ist die Errichtung von eigentlichen Flüchtlingslagern; grossen Zentren, wo hunderte von Asylsuchenden eingepfercht werden sollen. Angeblicher Zweck dieser Zentren soll die Möglichkeit der effizienten und raschen Abwicklung der Verfahren sein. Dass damit der bisher gültige Verteilschlüssel von AsylantInnen auf die Kommunen aufgebrochen werden soll, liegt auf der Hand. Denn immer öfter stösst die Unterbringung von AsylbewerberInnen in den Kommunen auf erbitterten Widerstand.

Bei den «Luxus-MigrantInnen» schreit kein Hahn danach, wenn sie sich hier ansiedeln und durch die Pauschalbesteuerung erst noch nicht jenen Beitrag an die Allgemeinheit leisten, den sie Kraft ihrer Einkommens- und Vermögensverhältnisse eigentlich leisten könnten. Ebenso wenig spielt eine Rolle, dass diese Zugewanderten durch ihre Bautätigkeit der Zersiedelung unserer Landschaft – trotz vom Volk gutgeheissener Zweitwohnungsinitiative – wacker Vorschub leisten.

Doch zurück zum Einstieg.

Es sind die Ausländer, die uns Jobs und Wohnung wegnehmen. So denken viele Mitbürgerinnen und Mitbürger. Demnach kommen die «bösen Ausländer» also hierher, um sich hier in der Arbeitswelt breit zu machen und unsere Wohnungen zu belegen. Aber kommen diese einfach her? Werden sie durch die Wirtschaft nicht bewusst zur Zuwanderung animiert? Sie werden! Und das hat handfeste Gründe, die wir aber zu einem Gutteil selber zu verantworten haben.

An allen Ecken und Enden werden knallharte Sparprogramme durchgeboxt. In der Bildung vor allem. Die Schweiz hat zuwenig Fachkräfte, um ihre wirtschaftliche Potenz zu halten. Also hat sie zuwenig eigenen Nachwuchs ausgebildet – und die Wirtschaft somit gezwungen, Fachkräfte ins Land zu holen. Soviel zur erwerbsbedingten Zuwanderung.

Bei der «Luxus-Zuwanderung» ist es der ruinöse Steuerwettbewerb gewisser Kantone, der dieses Segment von MigrantInnen aktiv umwirbt und mit grenzwertigen Abmachungen ins Land zieht. Dass einige der «Spitzenreiter» unter den Steuer-Dumping-Kantonen nun in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten kommen, ist logisch. Und dieser Umstand hat vereinzelt auch bereits dazu geführt, dass wieder zurück gekrebst wird.

Während also an der «Luxus-Migrationsfront» ein hässlicher Kampf um «Superreiche» geführt wird, wird am anderen Ende des Migrationswesens auf dem Buckel traumatisierter Menschen eingespart, bis auch der Kauf eines Hosenknopfs zur finanziellen Herausforderung wird.

Wenn also Ausländerhass wieder salonfähig wird, dann liegt das mitnichten an den Zuwandernden. Es liegt am unerschütterlichen Glauben an die vermeintlichen Vorzüge der . Und es liegt an der Diktatur der Wirtschaft über die Politik! Hier liegt der Hund begraben.

Ebenso ist es die herrschende Geldpolitik. Wenn, wie aktuell in , zuallererst der «kleine Bürger/die kleine Bürgerin» per Dekret ungefragt zur Finanzierung der Bankenrettung heran gezogen wird, wenn ihm/ihr ungefragt und über Nacht eine so genannte Steuer vom Konto abgebucht wird, dann ist das nichts weiter als Diebstahl.

Diese offenen Angriffe auf die Kleinen zugunsten einer hemmungslosen Finanzindustrie wird bald auch Grund sein für neue, völlig anders gelagerte «Wanderbewegungen».

Fazit:

«Jetzt bin ich überzeugte Ausländerhasserin». Das ist zwar beim gebetsmühlenartig konstruierten «Bedrohungsbild» aus der rechtsbürgerlichen Ecke verständlich. Aber der völlig falsche Ansatz. Und es ist die Aufgabe der Linken – allen voran der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, mit Vehemenz an der Korrektur dieser völlig verdrehten Weltanschauung zu arbeiten und die Verhältnisse wieder gerade zu rücken. 


6 Kommentare

  1. Ich möchte Ihnen, Herr Linkmeyer, für die Beschreibung der notwendigen Unterscheidung zwischen Asyl und Migration danken. Es erstaunt mich jedoch, dass Sie in der Folge so undifferenziert schubladisieren. Sie benennen zwar die besondere Gruppe der „Luxus-MigrantInnen“, sprechen aber im Abschnitt über die Migration auch nur von jener Gruppe. Ist es denn so unwahrscheinlich oder gar unvorstellbar, dass MigrantInnen aus Gründen, die nicht übermässig schmarotzerhaft motiviert sind, in die Schweiz kommen möchten? Wie wäre es mit folgenden Gründen: Liebe, Bildungsmöglichkeiten (auch für die eigenen Kinder), Sicherheit (auch ohne Höchstgefahr)…oder schlicht: Man mag die Schweiz gerne? Ihre Sichtweise scheint mir arg unilateral: Manche ShweizerInnen wandern schliesslich auch „nur“ aus, weil ihnen das andere Land halt irgendwie gefällt. Das kann doch bei der Schweiz auch passieren. Dass man sich in die Natur, die Kultur, die Menschen oder die Sauberkeit verliebt. Halten Sie denn so wenig von der Schweiz? Und woher wissen Sie denn, dass all die MigrantInnen, die nicht Asylsuchende sind, bewusst Ihre Vorteile ausspielen? Ist das nicht Sache unserer Schweizer Politik, das – wenn es denn unerwünscht ist – zu unterbinden? Sie sagen an der Kasse im Supermarkt ja auch nicht: „Dieses Produkt ist zwar um 50% reduziert, aber mir wäre es lieber, wenn ich den regulären Preis bezahlen dürfte. Denn ich möchte ungern von dem Angebot, das Sie mir ohne mein Zutun ermöglicht haben, profitieren.“. Mein ganz persönliches Fazit: Sie wettern ebenso vehement und ungerechtfertigt über die „Luxus-MigrantInnen“, die sich bei uns (O-Ton) „einnisten“ wie über AusländerInnen gewettert wird aus der anderen politischen Ecke. Ungerechtfertigt daher, dass es sich bei diesem Bild von Schmarotzern um eine ebenso gefährliche Schublade ohne vertretbare Beweislage handelt. Und das finde ich höchst beängstigend.

    1. Frau Abdulkadir, zunächst vielen Dank für Ihren Kommentar. Ich muss Ihnen insofern vollkommen recht geben, dass ich in meinem Aufsatz sehr «schwarz-weiss» gezeichnet habe.
      Die meisten der aus freien Stücken Zuwandernden suchen keine vermeintlichen Vorteile. Jene, welche zwecks Arbeit – oder eben der Liebe wegen, wegen der Bildungsmöglichkeiten, wegen der Schönheit des Landes – hierher kommen, sind eben jene, die es schaffen, dieses Land in seiner Vielfalt zu bereichern.
      Aber es gibt einige wenige, die noch nicht einmal verhehlen, wegen zugesprochener Vorteile (Pauschalbesteuerung) hier Fuss fassen zu wollen.
      Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie mich daraufhin gewiesen haben, nicht zu verallgemeinern. Diskussion erweitert den Horizont. Sie haben mich einen Schritt weiter gebracht!

  2. Etwas undifferenziertes Blabla und ein paar richtige Analysen, aber auch ideologisch angereichert. Trägt nicht allzu sehr dazu bei, die Situation zu versachlichen.(Bsp: „Wenn der Arbeitsmarkt wieder mal den Bach runter geht…“. So ein Schmarren. Wir haben de facto Vollbeschäftigung.

    1. Ich frag mich wo sie diese Vollbeschäftigung sehen, Arbeitslosenquote, Sozialhilfequoten, viele leute die weder bei RAV noch Sozialhilfe angemeldet sind, und dennoch keine Arbeit haben…. ich bitte …

  3. Das, lieber Samuel, habe ich mich auch gefragt — und mich deshalb einer Antwort auf Herrn «Karl» enthalten…

  4. Ich gebe Herrn Linkmeyer durchaus Recht, wenn er sagt, dass undifferenzierte Verurteilung von „Ausländern“ keine Lösung für ein politisches Problem bietet, sondern lediglich der politischen Wähler-Akvierierung von Parteien dient. Dennoch ist die Pauschal-Glorifizierung von sog. „Flüchtlingen“ ebensowenig das Wort zu reden. Sie, Herr Linkmeyer, beschimpfen „Luxus-Migranten“, jubeln aber über jene, die in ein Boot gepfercht über das Mittelmeer oder gar den Atlantik nach Europa gelangen. Die Verfehlungen von Luxus-Migranten zeichnen Sie recht farbenfroh, diejenigen jener Not-Flüchtlinge jedoch lassen Sie ganz weg.

    Ich bin der Ansicht, dass nicht der Ausländer ein Problem ist. Wer kann etwas gegen Menschen haben, die in einem anderen Land ein neues Leben beginnen wollen, ob nun aus monetären oder anderen Gründen (siehe Frau Abdulkadir)? Wer sich allerdings ein anderes Land begibt, um dort Verbrechen zu begehen, weil sowohl Strafen als auch Strafvollzug in der Schweiz angenehmer sind als in der Heimat; wer in ein fremdes Land (hier die Schweiz) zieht, weil dort das Sozialsystem besser ausgenutzt werden kann; wer einfach darauf baut, dass die Bevölkerung in dem Land, in das man zieht, zu eingeschüchtert ist von den eigenen Gesetzen, als dass sie sich gegen Raub, Vergewaltigung oder gar Mord überhaupt wehren; Diese „MigrantInnen“ sind aller Schande und Verurteilung wert. Ich glaube nicht, dass der Ausländer das Problem ist, sondern vielmehr der Kriminelle, ungeachtet von Hautfarbe, religiöser Gesinnung, Sprache oder Herkunftsland. Meine Erfahrungen mit meinen Landsleuten, den Schweizern, ist, dass sie durchaus nicht rassistisch gesinnt sind. Der Rassismus ist eine Reaktion auf die hohe Kriminalität: Wie soll man dem zehnten Afrikaner begegnen, wenn man zuvor von neun seiner Landsleute bedroht oder angepöbelt wurde? Wie soll man reagieren, wenn die Polizei einen nicht selbst schützt? Gibt es nicht in unserem Strafrecht Formulierungen wie:

    „… Wer eine mit Strafe bedrohte Tat begeht, um sich oder eine andere
    Person aus einer unmittelbaren, nicht anders abwendbaren Gefahr für
    Leib, Leben, Freiheit, Ehre, Vermögen oder andere hochwertige Güter
    zu retten, wird milder bestraft, wenn ihm zuzumuten war, das gefährdete
    Gut preiszugeben.“ (Art. 18, Abs. 1 StGB)

    Wo bitte schön soll es „zumutbar“ sein, einem Kriminellen Raum zu überlassen, rechtlicher oder geographischer? Mit solcher Gesetzgebung schränkt der Staat die Rechte ehrbarer Bürger, das Recht auf Selbstverteidigung nämlich, zugunsten von Kriminellen ein. Und hier liegt, wie Sie, Herr Linkmeyer, so schön schrieben, der Hund begraben. Das ist die Quelle des Rassismus, die Vorsicht nämlich, die man möglichen Kriminellen gegenüber walten lassen muss, da man mit Strafe bedroht wird, wenn man sich nur selbst verteidigt. Lustigerweise erhalten Kriminelle, woher auch immer sie stammen, stets genügend Unterstützung, um sich aus der Affäre zu ziehen, während ihre Opfer geschmäht und allzu oft selbst zu Tätern stilisiert werden.

    Unsere Jobs seien gefährdet durch Ausländer? Doch nur wenn die Wirtschaft Lohn-Dumping betreibt, meiner Ansicht nach, eine moderne Form der Sklaverei, die nie ausgestorben ist, und eine Schande für die Ehre unseres Landes. Schuld daran sind nicht die Sklaven, sondern die Sklavenhalter. Da gebe ich Herrn Linkmeyer wiederum vollkommen Recht. Es ist unsere Pflicht als Volk, diesen Leuten einen Riegel vorzuschieben, und zwar mit parlamentarischen Mitteln, solange wir das noch können.

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