Vogel Gryff liest „Mein Kampf“ und zeigt unteres Rückgrat

Er stellt PolitikerInnen, politisch Interessierte und vor allem die Journalistinnen und Journalisten vor ganz neue ethische und praktische Fragen.

Wie ist umzugehen mit einem – wenigstens teilweise – demokratisch gewählten, einschlägig vorbestraften Parlamentarier, gegen den weiterhin und zum wiederholten Male wegen Verdachts auf Wahlfälschung ermittelt wird?

Wie berichtet man korrekt über die Aktivitäten einer Person des öffentlichen Interesses, von der von vielen vermutet wird, dass sie von mehr als einer Persönlichkeitsstörung gequält wird und die die Öffentlichkeit doch so sehr sucht?

Wie interessant sind die politischen Aktivitäten eines Parlamentsmitglieds, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Parlamentsbetrieb zu stören und Politik und Verwaltung mit Vorstössen und Anfragen (die sich in den meisten Fällen um seine eigene Person drehen) lahm zu legen?

Wenn der Mann so krank ist, wie es sich vermuten lässt – ist sein nationalsozialistisch gefärbtes Weltbild Ausdruck seiner Krankheit oder Gefahr für unser demokratisches Wertesystem?

Darf, soll oder muss man einen gewählten Politiker in Ausnahmefällen vor sich selber schützen?

Die lokalen Medien und ihre Journalisten haben verschiedene Umgangsformen gefunden:

Onlinereports stellte und beantwortete diese Frage für sich schon am 15. März 2013 und entschied sich zur Zurückhaltung. 

Die BaZ führte das nacktarschige Interview, filmte es und stellte es ins Netz unter dem Titel „Staatsanwaltschaft, leckt mich am A****“. Ein beachtlicher Teil ihrer online aktiven Leserschaft äusserte sich dazu im Sinne, dass E.W. ja eigentlich Recht hätte. Ihnen missfällt nur der Auftritt…oder auch nicht… Das macht mehr Angst als die politische Brennnessel .

Die Tageswoche entschied sich, leicht ironisch über seine wiederholt geäusserten Auswanderungsabsichten nach Abu Dhabi zu berichten. Manche politisch korrekten und sozial bewussten Mittuende der online community sind dennoch sehr kritisch und fragen, wer den W. vor sich selber schütze. Oder stören sich an der Vorführung eines Kranken. 

Nun ist W. zwar ein Langzeitarbeitsloser, der wohl auch aufgrund seiner speziellen Persönlichkeit keinen Berufseinstieg fand. Nur: Er ist kein Rentner aus gesundheitlichen Gründen. Er bezeichnet sich selber als „Journalisten“.

Was ist nun sinnvoll im Umgang mit diesem Mitmenschen und gewählten Politiker? Gewählte Ignoranz, Mitleid, Empörung, Verachtung oder ?

Humor ist zutiefst menschlich, macht Unerträgliches erträglich. Schwarzer Humor hilft immer auch dort weiter, wo es sehr düster und schwierig wird.


2 Kommentare

  1. Humor wäre eigentlich ein guter Ansatz. Als sehr humoristisch veranlagter Mensch frage ich mich aber: Was ist eigentlich mit Humor gemeint?
    Erste Assoziation: Lachen tut gut.
    Tja, wenn das so einfach wäre!
    Ich lache sehr gerne, behalte mir aber auch das Recht vor, nicht überall unreflektiert mitzulachen.

    Für mich ist Humor ein sehr feinsinniger Gemütszustand und bei weitem nicht alles, was ins Lächerliche ausufert, bringt mich zum lachen.

    Das Video der BAZ hatte für mich eher den gegenteiligen Effekt: Hier wird ein Mensch auf gemeinste Art und Weise ins Lächerliche gezogen. Und dies von Journalisten, die genau darum wussten, wie man einen Menschen lächerlich machen kann.

    Pfui Teufel, kann ich nur sagen!

    So sehr ich mich mit Eric Weber nicht identifiziere, dieses Video ist für mich Billigware sondergleichen!
    Es erinnert mich ein wenig an eine populistisch gefärbte Abgrenzung zwischen sogenannt Kranken und sogenannt gesunden Menschen.
    Und der Effekt blieb ja auch nicht aus:
    Etliche FB Nutzer teilten dieses Video und garnierten es mit unreflektierten Spott- Sprüchen über geisteskranke Menschen.
    Eine FB Freundin von mir schlug sogar einen fürsorglichen Freiheitsenzug vor.

    Sorry, aber hier regiert für mich der Mobb!
    Das hat für mich absolut nichts mehr mir Humor zu tun!

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