Mysterium Handtasche

Eine Neugier teile ich mit vielen Männern: und deren Inhalt.
Weil ich freie Hände brauche, verstehe ich gar nichts von Handtaschen.
Ich glaube es gibt vier Sorten davon:

1. Kurze Henkel: Typ Acapickels.

2. Mittlere Henkel, um die Tasche an eine Schulter zu hängen, die dann etwas hochgezogen werden muss, damit die Riemen nicht abrutschen. Folge: Haltungsschäden.

3. Noch längere Henkel: tragen ältere Frauen diagonal über den Bauch, um sich am Rollator festhalten zu können.

4. Sind aus den Häuten geschützter Tiere (waren es nun Eidechsen oder Alligatoren?) gefertigt und werden leider nur dann zum Thema, wenn narzisstische Milliardärinnen internationale Meidenaufmerksamkeit suchen, weil sie nicht ertragen können, dass sie in Zürich von einer Verkäuferin nicht erkannt wurden. Halt so wie (who t.f. is) in Zürich.

Die Rassismusdebatte wird nun über den befremdlichen Umweg einer Fr. 35’000.– teuren Handtasche aus vermutlich tierquälerisch gewonnenen Häuten von Reptilien geführt. Nicht die Dekadenz und unethische Herkunft solcher Luxusware ist das Thema. Auch nicht das angestrebte Badiverbot von Asylbewerbenden in Bremgarten und/oder anderswo. Erst recht nicht die Benachteiligung von Jobsuchenden mit dunkler Haut oder „unschweizerischen „Namen.

Zurück zum Handtasche.

Selbstverständlich stelle ich mir auch hin und wieder die Frage, was in diesen oft riesigen Taschen spazieren getragen wird und hatte tatsächlich schon Gelegenheit, einen kleinen Einblick zu erhalten!
Das habe ich vielleicht den männlichen Handtaschen-Unkundigen voraus!
Und nun will ich mit meinen Entdeckungen auch richtig angeben!

Das war so: Ich ging mit einer taschentragenden Freundin ein Glas Wein trinken.
Als ich in der Beiz meinen Mantel auszog, fiel ein Knopf ab und weil das Rauchen in dem Etablissement nicht erlaubt war, spielte ich am Tisch mit dem Knopf herum.
Das weckte die Hilfsbereitschaft meiner Begleiterin, die während unseres angeregten Gesprächs in ihrer kolossalen Tasche zu wühlen begann.
Um auf den Grund des Behälters zu gelangen, legte sie laufend darin enthaltene Gegenstände auf den Tisch:

Papiertaschentücher, Elektronische Agenda, Feuerzeug (sie raucht nicht!), ein Stapel Fotos von ihren Kindern und solchen von anderen Leuten, Papiertaschentücher, Streichhölzer (das Feuerzeug könnte ja kaputt gehen!), eine Familienkurpackung Pfläschterli (es kann ja immer etwas passieren!), Papiertaschentücher, einen Taschenroman (zur Verkürzung der Wartezeiten an der Bushaltestelle), eine kleine Flasche Mineralwasser (wir sassen in einem Restaurant!), die Uhr ihres Sohnes, an der sie einmal die Batterien wechseln lassen wollte, Papiertaschentücher, einen Skipass des Titlisgebietes aus dem Jahre 2006, eine zusammengefaltete Einkaufstasche (die das Fassungsvolumen des mitgeführten Behältnisses verdoppeln konnte), Papiertaschentücher, eine selbstgebastelte Geburtstagskarte ihrer Mutter, Lippenstift (obwohl sie gar keinen aufgetragen hatte!), drei Gutscheine für die Autowaschanlage (man weiss ja nie…), eine Ausgabe von news.ch von vorgestern, einen Behälter für Kontaktlinsen (sie trug ihre Brille!), Notizbuch mit Passwörtern und Zugangscodes von ihrem Arbeitsplatz, Protokoll einer Bürositzung vom vorletzten Monat, Papiertaschentücher, die Schlüssel zur Wohnung einer Nachbarin, deren Blumen sie giesst, Papiertaschentücher, eine Pinzette, das Handy, eine Nagelfeile, eine aus der Zeitung ausgerissene Kritik über ein Buch, das sie sich besorgen wollte, Kamm, der Garantieschein für ihre externe Festplatte, Papiertaschentücher (kann man nie genug haben!), eine zusammenklappbare Schere (!), jede Menge zerknitterter Notizzettel (vermutlich auch Einkaufslisten aus dem Jahr 1853!), ein Abholschein ihres Schuhmachers.

Dann hörte sie auf, weil sie sich mittlerweile zur Erreichbarkeit des Taschenbodens durchgearbeitet hatte. Leider. Der immer noch grosse, in der Handtasche verbliebene Rest blieb ihr Geheimnis.

Entzückt das laufende Gespräch unterbrechend hielt sie mir doch tatsächlich triumphierend Nadel und Faden entgegen!
Der Knopf fiel mir vor Verblüffung aus den Händen!

Die Tasche dieser Frau ist ein echtes Survival Kit für alle Notfälle! Ob sich auch eine kleine Machete darin befindet, um sich bei spontan entstandenen Dschungeln den Nachhauseweg frei schlagen zu können, entzieht sich meiner Kenntnis. Leider habe ich ja nicht ganz alles gesehen.

Übrigens: der Skandal der unbedarften Luxusartikel-Verkäuferin, die die milliardenschwere Dame nicht kannte und nun büssen muss hat bereits einen Namen:
„Täschligate“


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