2lounge erklärt Fremdwörter: Kommunikation

(lateinisch communicare „mitteilen“) ist der Austausch oder die Weitergabe von Informationen.“ gehört zu den Wörtern, die im 21. Jahrhundert bis zur Unerträglichkeit verstümmelt, missbraucht und umgedeutet wurden.Unerträglich in seiner Omnipräsenz und Penetranz.  Stark verwandt mit „Fürblödverkaufen“ und „Lüge“.

„Kommunikation“ braucht es dann, wenn „informieren“ und „miteinander sprechen“ nicht möglich oder von einer Seite unerwünscht ist.

Die Kommunikationsindustrie ist eine aufgeblähte Branche, die gegen Bezahlung das Lügen für andere mit bunten Bildern, Filmen und Falschaussagen übernimmt.

Zu den Opfern der Kommunikationsindustriellen gehören nicht nur Mitarbeitende grösserer und kleinerer Firmen, sondern auch SeniorInnen, die an Kaffeefahrten überteuerte Rheumadecken kaufen und Journalisten, die sich an Medienveranstaltungen von Grosskonzernen mit Informationen, Cüplis und Canapés abfüttern lassen.

Der Unterschied der Opfer wird im Nachgang deutlich: Während sich abgezockte Rentner und Rentnerinnen dafür schämen, dass sie sich  haben betrügen lassen, setzt sich die zweite Gruppe – verkatert oder in der Phase noch vor dem Kater – an den PC und tippt die Outputs der public relations-Verantwortlichen der grosszügigen Gastgeber 1:1 in die News-Industrie.

Natürlich im Zweifelsfalle im Sinne ihres Arbeitgebers. Schliesslich sind sie auch auf ihren Lohn angewiesen. Glücklich der Journalist/die Journalistin, die mangels Gesamtarbeitsvertrag ihren mageren oder gar freiberuflichen Obolus erhält. Er und sie verdienen im besten Falle noch etwas mehr als die Frau oder der Mann, der/die ihrem Verleger das Büro putzt.

Ausser sie sind als PraktikantInnen zu einem Monatslohn unter Fr. 1000.— beschäftigt. Deren „unabhängige“ Beiträge bereichern unsere printouts der ehemaligen „Vierten Gewalt im Staat“ ebenfalls.

Dafür muss man auch Verständnis aufbringen. Schliesslich sind nicht alle der gut vernetzten gebenden Zeitungsverleger solche Freigeister, dass sie die journalistische Freiheit nicht selber – als risikotragende Unternehmer schliesslich! –selber definieren möchten. Potentielle Inserenten vergraulen und den Unwillen der Mehrheitsaktionäre heraufbeschwören geht ja schon mal gar nicht!

Die freie Marktwirtschaft ist selbstverständlich nicht mehr an altertümliche demokratische Spielregeln gebunden. Wer es sich leisten kann, kauft sich die Dienstleistung einer Kommunikationsfirma oder stellt Kommunikations-Spezialisten ein, die gegen Honorar oder Lohnzahlung die ewig gestrigen Stänkerer im eigenen Betrieb  und Zeitungslesende ruhig stellen.

Lohnabhängige Mitarbeitende, die für’s schönfärberische Schwandronieren ihres Brotgebers zuständig sind, heissen Customer Relations Manager, Communications Manager Corporate Communication, Patient Relations & Communication Manager Associate Director Corporate Communications oder so ähnlich. Der Chef heisst Head of Communication oder auch anders.

Früher haben die Pfaffen lateinisch parliert, damit sie niemand versteht. Das ist nicht mehr so.  Die Anglizismen ergeben oft in der Ursprungssprache wenig Sinn. Das war auch bei den lateinenden Pfaffen so. Da konnten sich die Hirten glücklicherweise noch auf die fehlende sprachliche Bildung der Schafe verlassen.

Die neue Metareligion ist der Neoliberalismus. Der fordert die Wirtschaftsdiktatur ein. Ihre gut bezahlten Apostel sind die Kommunikationsverantwortlichen. Sie sind die neuzeitlichen Geistlichen der Religionen, Sekten, Betkreise und den mannigfaltigen Hütern der einzigen Wahrheiten aus den letzten sechs Jahrtausenden und des Wirtschaftsfreisinns.  Sie sind für jedermann käuflich und sprechen nicht mehr lateinisch, Sanskrit, Pali, althebräisch oder altarabisch. Sie parlieren neosprech und Euphenismen im wirtschaftsglobalisierten Sinne.

Die Kommunikationsindustrie ist die kommerzielle Waffe gegen den demokratischen Diskussionsbedarf.

Der Opus Dei, die Davidianer und Salafisten des Neoliberalismus und ihre Kommunikationsindustrie haben sich erfolgreich im Leben der Menschen des 21. Jahrhunderts eingenistet. Sie färben ihre Sprache, unterwandern ihre Vereine, ihre Parteien und ihre Gewerkschaften, steuern ihr Konsumverhalten und ihr Alltagsleben.

Letzteres ist abhängig von einem geregelten Einkommen. Deswegen bleibt den meisten Menschen gar nichts anderen übrig, als die einzige Wahrheit, die die PR-Hohepriester ihrer Auftrag- oder  Arbeitgeber „intern und extern kommunizieren“, anzuerkennen.

Weil es in der Wirtschaftsdiktatur keine andere Meinungen gibt, sondern nur Ungläubige, die die Wahrheit noch nicht verstanden haben. Glaube oder bleib draussen und verarme. Wobei der Glaube und die Unterwerfung ab mittlerem Erwerbsalter auch nicht mehr wirklich weiter helfen.

Exkommunition und Vogelfreiheit des Mittelalters wurden abgelöst durch drohende Arbeitslosigkeit und Unvermittelbarkeit. Im Mittelalter wurden nur wenige Menschen älter als 45. Heute sollten sie bis ins ins immer höhere Alter erwerbsabhängig bleiben. Im Alter, in dem man vor 1000 Jahren tot war, ist man heute Nahtod-Erfahrener, zumindest wenn man eine Arbeitsstelle suchen muss. Leibeigene gibt es ja gottseidank nicht mehr! Oder?

 


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