Ein Grosser seines Fachs ist nicht mehr!

**Christoph Mangold hat uns für immer verlassen! Er ist ein Verlust in einer Journallien-Szene, in der es heute immer öfter um Schnelligkeit geht. In einer Szene, deren Maxime die Maximierung von Geschwindigkeit ist, wo der «kleine Mann», die «kleine Frau» mit ihren täglichen Sorgen kaum noch eine Rolle spielen! Wo Sozialkompetenz nur dann von Belang ist, wenn sie der Effizienz dient. Lebe wohl Christoph! **

Ich gebe es gerne zu: persönlich habe ich Christoph Mangold nur aus meiner eigenen Tätigkeit bei der Basler Zeitung gekannt. Und – Jahre später wieder, als wir uns, die wir beide im Iselin leben (oder eben lebten), zufällig wieder trafen, ich mit Einkaufswagen, er auf dem Velo. Dass er Bücher geschrieben hat blieb mir verborgen.

Unsere «gemeinsame Tätigkeit» in dem Unternehmen beschränkte sich auf seine Arbeit in der Redaktion und meine Aufgabe in der Zeitungsmettage. Das war die Zeit, als das Werk des oder der SchriftsetzerIn noch ein Kunsthandwerk war; als es noch galt, mit handwerklichem Geschick die Wünsche der Kunden zu erfüllen. Das alles ist «Schnee von gestern».

Es war immer eine Freude, wenn Christoph in der «Mettage» auftauchte, also da, wo das in Blei umgesetzt wurde, was er und seine Kollegen zuvor in der Redaktion produziert hatten.

Christoph war eine Frohnatur. So zumindest nahmen wir ihn damals – in den 1980er Jahren, noch am Aeschenplatz – wahr. Wenn er den Raum betrat, dann brachte er immer ein frohes Lächeln auf seinem Gesicht und gute Atmosphäre mit.

Und zu jener Zeit hatte die Basler Zeitung noch breiten Raum für solche wie ihn; für Journalisten, bei denen der «normale» Mensch noch das Zentrum der Gesellschaft wahr. Wer die «BaZ» jener Zeit noch kannte, erinnert sich sicher noch an seine Kolumne «Menschen stossen auf Unverständnis». Hier zeigte der eher hagere Mann mit ovalem Gesicht und sehr eigenwilligem Bartschnitt, wer ihm in der Gesellschaft wichtig war und wo er die Grenzen von Macht – welcher Art auch immer – setzte. Sein Zentrum war der Mensch – auch jener Mensch, der in der Wertung der Gesellschaft am unteren Ende der Leiter steht!

In den bald sieben Jahren, in denen ich jetzt im «Iselin» wohne, freute ich mich immer wieder, wenn ich Christoph auf seinem Velo durchs Quartier radeln sah. Und öfters hielt er an. Dann hatte er Zeit für einen belanglosen Schwatz oder eben auch für ernsthafte Gespräche. Und immer wieder erkundigte er sich nach meinem Befinden. Denn in den vielen Gesprächen hat er meine Situation als Ausgesteuerter und Sozialhilfeempfänger natürlich mitbekommen. Und wenn er mich fragte, wie es mir gerade läuft, dann war das nicht einfach eine Floskel, die man so daherredet. Nein! Wenn er wissen wollte, wie es mir – oder vielen anderen Menschen in prekären Lagen – geht, dann sagte sein klarer Blick: ich will es wirklich wissen!

Lieber Christoph, mit Deinem Weggang aus dieser Dimension in eine uns unbekannte hinterlässt Du eine grosse Lücke. Ich danke Dir dafür, dass ich die Ehre hatte, Dich zu kennen. Mach’s gut.

Christoph Mangold ist tot.


Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.