Sotschi 2014 – 1936 lässt grüssen

Über 50’000 Mann an Sicherheitskräften allein in der «Hauptstadt» des Ereignisses. Amerikanische Flugzeugträger im Schwarzen Meer. Tausende Menschen zwangsumgesiedelt für einen Anlass von fragwürdiger Nachhaltigkeit. Fragwürdige Amnestierungen «im Interesse der Sache». Olympia 2014 wird definitiv zu einem Propagandaereignis, das an längst vergessene Zeiten erinnert…

Millionen von Menschen freuen sich darauf, die Wettbewerbe der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi zu erleben. Entweder reisen sie selber dahin, oder sie werden unzählige Stunden am Fernseher verbringen, um sich an der Veranstaltung zu ergötzen.

Und wohl der kleinste Teil davon wird sich bewusst sein, welch abnormer Aufwand insbesondere für die Sicherheit aufgewendet worden ist; notabene einer trügerischen Sicherheit. Und einer Sicherheit, der auch einige Sportler nicht wirklich über den Weg trauen.

Schon die Jüngere Geschichte der Region lässt aufhorchen. 1864 starben durch russische Truppen hunderttausende Tscherkessen.

Und auch jetzt findet ein versteckter Krieg statt. Dazu das folgende Zitat: «Kürzlich hat man zehn bis elf Aktivisten der No-Sotschi-Bewegung, die gegen die olympischen Spiele sind, in Kabardino-Tscherkessien und in Adygeja festgehalten. Diese jungen Leute setzen sich dafür ein, dass der Genozid an den Tscherkessen durch die Russen endlich anerkannt wird. Sie sind auch dagegen, dass die Spiele ausgerechnet in Sotschi und Krasnaja Poljana stattfinden, also dort, wo der Genozid an unserem Volk verübt wurde».

Den inhaftierten Aktivisten wird vorgeworfen, «mit radikalen moslemischen Gruppen in Verbindung zu stehen». Ein vollkommen abstruser Vorwurf. Aber er wirkt. Waren es früher «Nazis» oder «Linksradikale» die als Bauernopfer heran gezogen wurden, so sind es heute die «radikalen Moslems», die als Sündenböcke hingestellt werden. Nicht dass derartige Gruppierungen tatsächlich ihre möglicherweise grässlichen Ziele in Sotschi verfolgen werden. Nur: im gesamten Umfeld der Vorbereitungen der Olympischen Winterspiele 2014 wird fast alles, was nach Opposition riecht, der Einfachheit halber in diese Schublade gesteckt. «9/11» lässt grüssen.

Die Spiele sind keine Spiele. Sie erinnern an einen Propagandafeldzug der grossen Art. Wladimir Putin will sich auf Biegen und Brechen sein Denkmal schaffen; sich unsterblich machen in einem Staat der sich über kurz oder lang durch sein politisches, wirtschaftliches und gesellschaftliches Verhalten über längere Sicht wieder in eine Diktatur verwandelt. Das Kennen wir doch schon von 1936.


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