Steife Biese an der Gerbergasse

Die «TageWoche» startete etwa wie seinerzeit Barack Obama: mit hohen Ansprüchen und noch höheren Erwartungen. Und sie hatte innerhalb der Medienkonstellation einen hohen Vertrauensbonus. Doch der droht nun – offenbar zu einem guten Teil selbst verschuldet – weg zu brechen; wie eben auch die «Obama-Mania» weggebrochen ist.

Ein neues Medium, eine moderne Ausrichtung: die Ansprüche der «» waren hoch, als sie sich mit viel Brimborium ins heiss umkämpfte -Haifischbecken stürzte. Befeuert wurde das ehrgeizige Vorhaben unter anderem auch durch die seltsamen Vorkommnisse im Hause «BaZ». Denn zu jenem Zeitpunkt war die Glaubwürdigkeit des Unternehmens rund um die Exponenten Tito Tettamanti, Christoph Blocher und Martin Wagner nach deren grobfahrlässigen Mauscheleien vollkommen an die Wand gefahren. Und dass sich ein in den letzten Jahren wenig erfolgreicher Luftfahrtunternehmer Moritz Sutter in das ihm fast völlig fremde Business der Medienbranche verirrte, leistete der Sache einen Bärendienst, nachdem bekannt wurde, dass Sutter ganz perfid als «Strohmann» im Schützengraben zum Abschuss frei gegeben wurde.

Der Platzhirsch wurde fällig In Anbetracht dieser Turbulenzen setzten sich viele Bürgerinitiativen für eine Alternative zur «blocherisierten» Basler Zeitung ein. Das Ergebnis war die Lancierung des Projektes «Tageswoche». Der Bonus seitens der interessierten Öffentlichkeit war hoch. Man verlangte einen Gegenpol zum Monopolunternehmen – gewissermassen einen jungen Bock, der dem Platzhirsch seine Herrschaft im doch schon sehr ausgelichteten Medienrevier Basel ernsthaft streitig machen kann.

Und nun trat die «Tageswoche» auf den Plan. Um beim Bild zu bleiben: Mit einer erlauchten Schar von versierten Journalisten zeigte der «junge Bock» an, dass er bereit ist, dem Platzhirsch das Revier streitig zu machen. Gewissermassen als Geweih präsentierte er sein Vorhaben, die Behäbigkeit des «Hausherrn» mit einer Offensive in jenen modernen Technologien zu pushen, wo sich der alte Hirsch noch immer behäbig und lendenlahm gibt: bei Socialmedia und einem hochprofessionellen Internetauftritt.

In die Zukunft – wenn… Das ging auch einige Zeit gut. Und es geht auch in der nächsten Zukunft gut. Wenn! Ja, wenn Fakten als das verbreitet werden, was sie sind: Als belegbare Tatsachen! Es darf nicht sein, was derzeit gerade ist: Ein Versteckspiel ohne Ende, das überall Angriffsflanken öffnet und die eigene Verteidigung schwächt.

Doch genau das macht die «TaWo» zur Zeit. Nachdem es die WEMF-Richtlinienen mindestens bis an ihre Grenzen ausgereizt hat; nachdem es in «voraus eilendem Gehorsam» mit der Veröffentlichung der Antworten auf Fragen von TeleBasel vor der Ausstrahlung der Sendung «Report» reagierte, hat sich die «Tageswoche» in eine unsägliche Situation manövriert. Da wieder einigermassen unbeschadet raus zu kommen, dürfte sich schwierig gestalten. Denn von Seiten all jener, welche sich das «unbequeme Medium TageWoche» mindestens zum Kuckuck wünschen, dürften die Angriffswellen in den kommenden Tagen und Wochen noch intensiviert werden.

Die ersten Ratten verlassen… Rückenschüsse kommen jedenfalls bereits aus der Werbebranche. So hat etwa das EDEKA-Anhängsel «Hieber» mit mehreren Filialen in Süddeutschland und einem extrem hohen Anteil an helvetischer Kundschaft lautstark verlauten lassen, seinen Werbevertrag mit der «TaWo» aufzulösen. Dass Hieber auf der Schiene «Saubermann» in Sachen Ökologie fährt, passt da ins Konzept. Angeblich ist die «TaWo» nun «nicht mehr sauber», also verlässt man den «verschmutzten Tanker».

Ob die Sendung «Report» von «TeleBasel» den Fakten entspricht, ist auch noch nicht in Stein gemeisselt. Zumindest entstand beim kritischen Zuschauer der nicht unerhebliche Eindruck, dass die darin zu Wort gekommenen «Experten» nur zu jenen «Fakten» Auskunft geben konnten, die ihnen auch tatsächlich vorgelegt wurden; und wer kann schon sagen, dass diese auch tatsächlich vollständig waren? Oder anders gefragt: Wer bestätigt denn glaubwürdig, dass die von «TeleBasel» befragten Fachleute auch tatsächlich ein wertfreies Urteil bilden konnten?

Aber bei aller Freundschaft… Dem allem muss allerdings schon entgegen gehalten werden, dass das Vorgehen der «TaWo» gegen derart gravierende Vorwürfe halt doch sehr unprofessionell ist. Ein Interview zu kontern, bevor es gesendet ist, erweckt schon den Eindruck, dass hier ein Kind im Wasser strampelt, das noch nicht schwimmen kann. Und jetzt die «Info-Mauern» hochzuziehen mit dem berühmten «No Comment» verschlimmert den ganzen Schlamassel noch. Die «TaWo» täte gut daran, jetzt und im Angesicht der Tragweite ihres Verhaltens voll in die Offensive zu gehen. Will heissen: alles vollkommen transparent machen – auch in Anbetracht des Risikos eines kurzfristigen Reputationsschadens. Passiert das nicht, wird eben dieser Schaden sehr viel nachhaltiger sein…


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