Spätgebärender und Linksträgerin

Sprache prägt das Bewusstsein. Vermutlich funktioniert das auch umgekehrt. Grund genug auf die Sprache zu achten. Unbestritten.

Aber ich will Klunkerparty zu dieser für Eingeborene ziemlich unangenehmen Baselworld sagen dürfen.

Eingeborene darf man natürlich auch nicht sagen. Da könnte sich ein Kleinbasler in seiner lokalen Zugehörigkeit herabgewürdigt fühlen. Das hat er möglicherweise von anderen Indigenen der Welt übernommen, die sich ihre Menschenwürde zum Teil seit Jahrhunderten hart und ausdauernd zurück erkämpfen müssen.

Klunkerparty darf ich auch nicht sagen, weil dies die Arbeit, die an diesem angeblich weltweit beachteten Luxus Flohmarkt geleistet würde, herabsetze. So wurde ich belehrt.

Was wohl damit gemeint ist?

Die Arbeit der Steineschleifer mit Staublunge in China oder die Arbeit der Handwerker aus der halben Welt, die über Wochen Tag und Nacht zu Dumpinglöhnen diese Glitzerauftritte bauen?

Die Würde der steuerzahlenden lokalen Handwerksbetriebe und Berufsleute, die den Raum zur Verfügung stellenden MCH AG aufgrund der lokal-ökonomischen Bedeutung über ihre Steuern mitsubventionieren mussten, kann es kaum sein. Sie bekommen dort kaum etwas zu tun.

Oder entwürdige ich etwa die Models, die in lächerlichen Uniförmchen und auf 20 cm hohen Stelzen-Schuhen sehr gender mainstream-mässig… unterwürfig und überfreundlich die Messebesuchenden mit eingefrorenem Lächeln begrüssend, herab? Ob die wohl am Ende des Tages eine Fuss- Rücken- und Gendermassage als fringe benefit zu ihrem Stundenlöhnchen erhalten?

Oder könnte „Klunkerparty“ etwa die community der internationalen Klunkerdealer verletzen? Ist ihnen dies nicht einfach – völlig political incorrect – scheissegal?

Verzogener Saugoof ist politisch auch völlig unkorrekt! So darf man verhaltensoriginelle Kinder mit speziellen Bedürfnissen sicher nicht nennen!

Sätze, die Begriffe wie Linksträgerin, Spätgebärender und Tischbein enthalten, gehen auch nicht. Die ersten beiden Begriffe schaffen ein Gender Problem und das Tischbein hat sich als drittes Geschlecht noch nicht etablieren können. Darunter haben vor allem auch Menschenkinder zu leiden, deren Geschlecht bei ihrer Geburt nicht der für sie vorgesehenen Einteilung in ♀ und ♂ entgegen kommt.

Ja, ich bin primitiv!

Will weiterhin Klunkerparty, Spätgebärender und Linksträgerin sagen dürfen! Werde weiterhin Firmen, die hohe fünfstellige Mieten in der Freie Strasse zahlen und ihre Laden-Mitarbeitenden mit Löhnen unter dem Existenzminimum abspeisen als Sozialschmarotzer bezeichnen! Weil sie ihre Mitarbeitenden ausbeuten und sich vom Sozialamt, das zum Lebenserhalt dieser Lohnabhängigen einspringen muss, indirekt subventionieren lassen!

Ich bin so primitiv und werde auch weiterhin Spass haben an Birgit Steineggers Figuren: Frau Pfund, Frau Schruppatelli und Frau Mgubi – auch wenn sich viele politisch Korrekte über Steineggers Blackface-Spiel schrecklich empören! Erst recht, wenn sie eine steinreiche Wichtigtuerin aus einer für uns völlig irrelevanten amerikanischen Fernsehsendung karikiert, die beleidigt – vermutlich weil sie in Switzer-, Swazi- oder Swedenland nicht sofort erkannt und hofiert wurde – einen Krokoleder-Handtäschli-Rassismus-Skandal in den Schweizer Medien provozierte.

Der einzige Skandal bleibt wohl, dass solche Produkte bei uns immer noch im Handel sein dürfen!

Ich bleibe primitiv und amüsiere mich weiterhin über Victor Giacobbos Fredy Hinz (lächerlich machen sozial Randständiger) und Mike Müllers Muzzafer (Verunglimpfung des Bildungsniveaus albanischer Einwanderer) und finde die uralten Witze des Berner Stapis bei seinem Comedy-Versuch vor allem alt, verstaubt und langweilig.

Ich bleibe primitiv und schwärme weiterhin für Massimo Rocchi, auch wenn er sich einen Scherz über jüdischen Humor erlaubte, nenne meine mit mir feixende Arbeitskollegin weiterhin „teutonische Oma“, begrüsse eine Freundin, die sich in zweiter Generation nicht einbürgern lassen will, mit „Wahlausländerin“ und lasse mich gerne von Menschen, die ich mag als alt, fett und senil veräppeln.

Auch wenn ich nichts von Fussballkultur verstehe, muss ich akzeptieren, dass „GEEEEEE CEEEEE, DIE SCHEISSE VOM SEEE-EEE“ offensichtlich eine akzeptierte Ausdrucksform von Begeisterung in dieser Szene ist.

Witze und Sprüche unter Menschen, die sich mögen sind sozialer Kitt!

Witze über Autofahrerinnen, Schwarze, Blondinen, Rollstuhlfahrer, Weisse, Österreicherinnen – vorallem blonde, sogar über Banker!, Schwule, AppenzellerInnen, Coiffeure, Zürcher, Türkinnen oder wen auch immer, sind vorallem eines:

Bestätigung der Zugehörigkeit zu unserer grossen, bunten sozialen Gemeinschaft!

Was diese überkorrekten MoralistInnen, die sich über jeden verunglückten Scherz empören und das Antirassimusmusgesetz mit ihren vertrockneten Anstrengungen bemühen und dadurch empörenderweise abwerten, ist folgende Tatsache:

Die allermeisten Menschen spüren und verstehen sehr wohl, ob ein Scherz ein Scherz unter verschiedenen Gleichen ist oder ob sich ausgrenzendes oder rassistisches Gedankengut darin zu verbirgt!

Ausgrenzend ist auch, mit und über vermeintlich „Andere/n“ keine Spässe zu machen.

Um mich nicht erneut dem Vorwurf auszusetzen, Akademikerinnen verallgemeinernd und per se zu verunglimpfen, verzichte ich auch auf einen Schlusssatz, in dem die Bezeichnung weltfremd moralisierende ElfenbeintürmlerInnen vorkommt ;-))).


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