Der Adler zieht ab – es folge der Löw…

Es ist angenehm warm heute. Viele Menschen tummeln sich auf der grossen Wiese. Dezente Musik aus einem Lautsprecher wabert über den Rasen und erregt die Aufmerksamkeit der Passanten. Ja, man hat wieder Zeit, etwas anderes zu sehen, als nur das runde «Leder» aus Highttechmaterial. Ihre Blicke werden auf eine grössere Ansammlung von Leuten gelenkt, welche zur eingespielten Musik rhytmisch tanzen, einen Ball zwischen den Händen. Um was es geht? Wer weiss das schon? Wer will es denn wirklich wissen? Fitnesswahn oder was?

Sei’s drum. Der Schützenmattpark an sich ist eine wunderbare Anlage. Zentral die Matte als grosser runder Kreis. Gesäumt von Bäumen. Im Gras fläzen die Menschen, geniessen die angenehme Temperatur; schauen wehmütig auf die Bäume am Ostrand, wo der Schatten langsam wächst. Von irgend einem Kirchturm schlägt die Glocke die achte Stunde dieses Abends, eine zweite stimmt ein. Die Stimmung friedlich – irgendwie mediterran.

Langsam löst sich die Trainingsgruppe auf. Das Programm ist durch. Die Leute verziehen sich, zufrieden mit sich und mit dem, was sie ihrem Körper wieder Gutes getan haben.

Dutzende Jungs spielen Ball mit ihren Vätern. Nachdem die Fussballweltmeisterschaft vorüber ist, die Weltmeister wieder zurück im eigenen Land, hat man wieder Zeit für Eigenes. Und doch ist sie noch nicht ganz vergessen, diese WM 2014, durchgeführt im fernen Brasilien. Denn der eine oder andere Ball hier auf der Anlage ist der WM-Ball. Wie hiess er denn nochmals? Eben. Sie ist halt doch vorbei, diese WM. Der Name des Balls – Schall und Rauch… Der Park ist wieder angesagt. Da noch eine kurze Diskussion zur WM. Aber nur kurz. Wer hat denn nun jenes einzige Tor erzielt, das in Deutschland einen kollektiven Freudentaumel und am drauf folgenden Montag dann wohl nicht wenige schwere Köpfe nach sich zog? Götze hiess er, ja. Der jüngste Held in Schwarz-Rot-Gold.

Götze? Komisch. Nun haben sie also wieder einen Götze(n), die katholischen Deutschen. Wo es doch in der Bibel heisst: «Du sollst keine fremden Götter – oder Götzen? – neben mir haben».

Und gemäss einer Karikatur soll Frau Angela Merkel dem Reichsadler die Stelle gekündigt haben, von der dieser glaubte, er hätte sie mindestens tausend Leben lang. Aber nein! Nix da. Frau Merkel möchte jetzt einen Löw(en) ins Staatswappen hieven.

Armer Adler. Eine so lange Geschichte mit doch so vielen Höhen und Tiefen und jetzt verdrängt von einem «Jogi» namens Löw. Dabei heisst der Adler doch zeit Lebens Adler. Der «Löw» aber eben nur Löw und noch nicht mal Löwe. Aber das sind ja eh permanente Zeitzeichen. Alles wird verkürzt, so auch der Löwe…

Und wenn das mit der penetranten Anglifizierung in Europa so weiter geht, wird der Löw dann auch bald zum «Layon» ohne «King». Denn schliesslich ist’s ja nur ein Löw und kein Löwe.


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