Unser Kulturtipp: Erleben Sie das Gastspiel „Ausnahmezustand“ authentisch bei den Eingeborenen des Kleinbasels – dem grössten Hochsicherheits-Freilaufknast Europas! Nur für kurze Zeit!

Geschätzte Kulturinteressierte

Herzlich willkommen am 4./5. Dezember in Basel!

Buchen Sie so rasch als möglich eine Zugreise nach Basel und erleben Sie zwischen jetzt und ca. 7. Dezember mit, wie die örtliche Bevölkerung gelassen und humorvoll versuchen wird, ihren Alltag im zunehmend sicherheitsdis-positiven Ausnahmezustand zu bewältigen!

Lernen Sie das bunte und weltoffene Volk der KleinbaslerInnen kennen,

von dem erwartet werden darf, dass es seine temporäre Sicherungsverwahrung hinter Gittern mit frenetischen Applaus feiern und die Folgen der Begrüssung von 57 Aussenministern der OSZE plus Gefolge begeistert aufnehmen wird.

Auch unsere benachbarten Grossbasler und Grossbaslerinnen werden am 4. Dezember von einem Hauch Internationalismus profitieren dürfen: Dann wird die ganze Versammlung mit Bodyguards, Sicherheitskräften und unter Ausschaltung der öffentlichen Verkehrsmittel, sowie hermetischer Absperrung der Innerstadt für die abendliche Abfütterung den Rhein überqueren!

Der Rest der Ehre zur Durchführung der OSZE-Konferenz dürfen wir KleinbaslerInnen ganz privilegiert und unter uns geniessen!

Wir werden uns endlich richtig sicher fühlen mit all den Scharfschützen, die auf den Dächern positioniert werden. Die Drohnen und Militärhelikopter, die Tag und Nacht über unseren Köpfen kreisen werden. Beinahe so lustig zu beobachten wie die steigenden Drachen im Horburgpark. Nur etwas lauter.

Der Aufmarsch von Polizeikräften aus Deutschland, Frankreich und den anderen Schweizer Kantonen wird die Stimmung des kulturellen Highlights Tattoo Basel auffrischen. Wir sind es ja gewohnt, Militärangehörige aus der ganzen Welt im Gleichschritt in unserem Quartier spazieren zu sehen.

Die weiträumige Absperrung von Trottoirs, Strassen und Plätzen mit martialischen Absperrungen in unserem Lebensraum bereichert uns schon jetzt. Jeden Tag mehr.

Die beste Armee der Welt, das Grenzwachkorps und eine multikulturelle Schar von sonnenbebrillten, bewaffneten Bodyguards aus aller Welt wird unser Alltagsleben optisch und kulturell bereichern.

Für die grosse Ehre nehmen wir auch gerne in Kauf, dass der ÖV weiträumig umgeleitet wird und sich unsere Arbeitswegzeiten absurd vervielfachen.

Die Anwohnenden der Sperrzone freuen sich bereits riesig auf das Abenteuer, dass sie bei Verlassen ihrer Wohnung und bei der Heimkehr in die Sicherheitszone erwarten wird. Davon geht zumindest unsere Regierung aus, die deshalb auf weiterführende Informationen an die traditionell tolerante Bevölkerung verzichtete.

Wir lassen uns gerne überraschen! Werden Nacktscanner, Abtasten, Personenkontrollen oder schlicht ad personam Markierungen unsere abendliche Heimkehr aufwerten?

Möglicherweise gibt es auch griesgrämige KleinbaslerInnen und andere Partypooper, die die Begeisterung nicht so richtig teilen können.

Richtig so, dass die Demo-Bewilligung durch das Departement des sympathischen reaktionär-liberalen Regierungsbaschis , der schon künstlerische Pappdeckel-Aktionen mit Festnahmen und Harmloser-Bürger-Striptease beendete, bisher ausblieb.

Feste sollen ungestört gefeiert werden können! Ich nerv‘ mich ja auch, wenn mein Nachbar die Polizei anruft, wenn ihm meine Grillparty zu laut wird.

Eben!


Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.