Wertet ein bedingungsloses Grundeinkommen tatsächlich die Arbeit ab?

Es gibt keine Vollbeschäftigung und es wohl nie mehr Vollbeschäftigung geben. Das macht uns versklavbar.

Nicht nur die rasche Technologisierung weiter Arbeits- und Lebensbereiche trägt dazu bei.

Dazu trägt vor allem bei, dass vielen Berufstätigkeiten im neoliberal-kapitalistischen Zeitalter keine „Wertschöpfung“ zugesprochen wird und der Lohnzerfall in sozialen, pflegerischen, Infrastruktur pflegenden und produktiven Erwerbsarbeiten fortschreitet.

Die Land- und Forstwirtschaft ist einem Preiszerfall ausgeliefert. Poulet aus China, Gemüse aus Nordafrika, Fische und Holz aus Asien und Kräuter aus Südafrika zu importieren ist billiger. Wie weit es sinnvoll ist, die Lebensmittelproduktion aufzugeben und sich von Importen und dem künstlich tiefgehaltenen Kerosinpreis abhängig zu machen, bleibt offen. Dem gegenüber stehen absurde Bundessubventionen zur Unterstützung einheimischer Lebensmittelproduktion und –vermarktung.

Nicht die naheliegendsten Lebensmittel werden angebaut und produziert, sondern diese, die am höchsten subventioniert werden. Der Bund subventioniert den Schweizer Fleisch – Werbeverein proviande jährlich mit 6,1 Mio. Franken! Mit diesem Geld wird Massentierhaltung gerne mit hübschen Bildern geschönt.

Über die Lohn- und Arbeitsbedingungen von Landwirtschafts- und Erntehelfer wissen wir sehr wenig. Vermutlich weil es niemand so genau wissen will und Bauern – vor allem Grossbauern – von ihrem Armen-Image gut subventioniert leben.

Die Produktion – ob Pharma, Metallindustrie oder andere Fabriken greifen die Gesamtarbeitsverträge an, erhöhen die Wochenarbeitszeiten und senken die Löhne. Ältere Mitarbeitende werden nicht nur in diesen Branchen gerne durch Jung-Deutsch-Billig ersetzt. Auch Eurolöhne haben bereits Einzug gehalten.

Im wachsenden Tertiärbereich der Dienstleistungen sind lohnabhängige Menschen beliebig austauschbar. Es finden sich immer einkommenssuchende Menschen, die bereit sind, die Arbeit für noch weniger Geld zu erledigen. Es fehlen in viel zu vielen Branchen Gesamtarbeitsverträge und dort, wo sie existieren werden sie nicht immer eingehalten und/oder stehen ohnehin in Frage.

Die Sozialwerke stehen unter kollossalem Spardruck. Sie können ihre vorgesehenen Rollen kaum mehr wahrnehmen. Statt Menschen in Not zu helfen, Versicherungsleistungen an von Arbeitslosigkeit Betroffene und Renten an Kranke und Arbeitsunfähige auszurichten, werden „die Fälle“ gegenseitig abgeschoben und die Opfer dieser Sozialabbau- zermürbt.

Erinnern wir uns daran, dass Arbeit nicht nur den Lebensunterhalt sichern, sondern auch sinnstiftend sein sollte!

Ob Berufslehre oder akademische Ausbildung: Wie vielen Lohnabhängigen ist der „Luxus“ vergönnt, in ihrer Erwerbsarbeit noch einen Sinn zu finden? Wer kann tatsächlich seinen Lebensunterhalt mit einer Tätigkeit verdienen, die tatsächlich seinem oder ihrem Interesse, dem Talent und der Leidenschaft entspricht?

Dem gegenüber steht eine Welt voller Arbeit. Arbeit, die nur unbefriedigend, mangelhaft oder gar nicht erledigt wirtd, weil von wichtiger und sinnvoller Arbeit der Lebensunterhalt nicht mehr bestritten werden kann.

So bleiben weiterhin hilfebedürftige alte Menschen unterbezahlten TieflöhnerInnen in privaten, gewinnorientierten Institutionen ausgeliefert.

Natur-, Umwelt- und Tierschutz bleibt von den bescheidenen Möglichkeiten Freizeitopfernder abhängig.

Kinderbetreuung und Nachhilfeunterricht bleibt für viele schlecht verdienende Eltern unbezahlbar und liefert sie den Angeboten fragwürdiger Seelensammler aus.

Es bleibt „normal“, dass sich Lohnabhängige auch für lausige Löhne für schlechte Arbeit täglich durch die halbe Schweiz bewegen müssen. Für ihr Pendlerdasein werden sie zusätzlich durch steigende Fahrkosten bestraft. Wie sie ihr Familien- und Privatleben aufrecht erhalten, bleibt sowieso ihr eigenes, wertloses Problem.

Ich wünsche mir, dass junge Menschen nach der Schule wieder eine echte Berufswahl erhalten und sich nicht für jede mögliche und unmögliche Lehrstelle mit auswändig gelernten Floskeln prostituieren müssen.

Vor allem bin ich sehr überzeugt, dass Arbeit, die aus Leidenschaft und Überzeugung und nach Talent und Interesse – und nicht nur aus Not – gewählt wird, um ein Vielfaches besser und wirkungsreicher versehen wird!

Wenn niemand mehr ungeliebte, unattraktive oder besonders strapaziöse Arbeit zu einem Hungerlohn erledigen muss, wird diese Arbeit – nun kommt der omnipräsente Glaube an die unsichtbare Hand des Gottes „Markt“ ins Spiel :-)– zwangsläufig auch finanziell aufgewertet!

Wer soll denn noch zu einem Hungerlohn den Dreck anderer bei Seite schaffen, wenn die Basislebenskosten gedeckt sind?

Alle die unterbezahlten, knochenharten und absolut notwendigen Arbeiten könnten sich aus dem Prekariat hinaus bewegen. Vielleicht wären diesen Arbeiten plötzlich das Geld wert, dass sie wirklich wert sind?

Ein bedingungsloses Grundeinkommen wertet die Arbeit eben nicht ab. Im Gegenteil!

Es schenkt uns die Freiheit, uns unsere Arbeit selber auszusuchen!


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