Pervers!

Pervers!

Über Magazine wie Frau mit Herz, Men’s Health, Glückspost oder die Basler Zeitung zu streiten, macht wenig Sinn.

Auch solche dümmlichen oder manipulierenden Drucksachen geniessen die Pressefreiheit. Ist auch richtig so. Gartenfreundinnen, Tierfreunde, Modebegeisterte, Autofans, Tattookunst- und Kulturinteressierte finden am Kiosk noch Lesenswertes. Boulevard-Neugierige, Töffbegeisterte, auch Lesende, die sich für die redaktionellen Teile vom Playboy, der Praline und anderen Blutten-Blättli interessieren, ebenfalls.

Kürzlich aufgefallen ist Real Crime

Ein Hochglanzmagazin in auffallendem unüblichen Format. Boulvardesk und hemmungsfrei werden die sexuellen Höhepunkte von Gewalttätern und Grausamkeiten von Verbrechen in Wort und hochaufgelöstem Bild dargestellt. Fotos von verwesenden Leichen, Wunden von Opfern, die detailreichen Schilderungen von Misshandlungen, Tatorten und Tatwerkzeugen werden dem interessierten Leser nahegebracht. Weder lässt sich der Wahrheitsgehalt der worldwide Geschichten nachprüfen, noch hat diese Publikation irgendeinen gesellschaftlichen Nutzen. Keine Rücksichtnahme auf Opfer und Hinterbliebene. Liesse sich ein realer Bezug nachweisen, wäre es mehr als deutlich, dass die vorgeführten Opfer ein zweites Mal zum Opfer wurden.

Real Crime ist auf Ihrer nächst gelegenen grossen Poststelle zu erwerben.

Wer sich dadurch motiviert fühlt, der Volksinititiative Pro Service Public zuzustimmen, ist sehr schlecht beraten!

Die Mehrheit der Stimmbevölkerung hat sich ein Parlament zusammengewählt, das die Privatisierung der grundversorgenden Betriebe vorantrieb und durchgesetzt hat. Zum Erhalt des grundversorgenden Poststellennetzes muss nun offensichtlich auch Real Crime etwas beitragen.

Die Pro Service Initiative wird ihrem sympathischen Namen inhaltlich nicht gerecht, sondern wird die Zerschlagung der längst auf privatrechtliche Ebene ausgelagerten Post AG, SBB AG und Swisscom AG zu Gunsten von Tochterfirmen und internationalen Billiglohnanbietern vorantreiben. Zu Ungunsten von Qualität, Preisen, Löhnen, Arbeitsbedingungen und flächendeckender Grundversorgung! Halt so, wie in den USA. Wo auch Real Crime herkommt.

Die initiierenden und politisch unbedarften Chefredaktoren von ebenfalls privatwirtschaftlich herausgegebenen Konsumentenmagazinen liessen sich nicht beraten und suchten keine Allianzen, die der Intitiative den nötigen durchdachten Boden im Sinne der Gesellschaft hätten geben können. Eine verpasste Chance.

So wird auch diese dilletantische Intiative nicht verhindern, dass Real Crime auf den letzten verbliebenen Poststellen zum Kauf angeboten wird. Sie wird nur dazu beitragen, dass x tausende weiterer Löhne unter die Lebenskostendeckung in der Schweiz fallen werden.

Darum bitte lieber ein Protestmail an die Post CH AG zu Real Crime und ein NEIN auf dem Stimmzettel zur Service Public Initiative!


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