Grossartige Zeiten!

Vielleicht löst der Titel dieses Beitrages ein grosses Kopfschütteln aus. Schliesslich wurde Donald Trump als neuen Präsidenten der USA gewählt. Selbst eine Woche danach können wir noch jeden Tag darüber lesen wie schlimm das für die Welt, für die USA und für Europa sei.

In letzter Zeit konnte man ziemlich viel Schwachsinn darüber lesen warum und weshalb Trump gewählt wurde. Ein Mann der eine Mauer zu Mexiko bauen will (die schon längst existiert), Rassismus wieder salonfähig macht und auch sonst ziemlich merkwürdig ist. Es gibt viele vermeintlich schuldige für die Wahl von Trump, das FBI, Clinton selber, Sexismus oder die sozialen Medien. Eigentlich ist alles davon Schwachsinn, es ist auch sehr bedauerlich das unsere Politiker den Sieg von Trump nicht verstehen.

Hier komme ich auf meinen Titel zurück. Wir leben in grossartigen Zeiten. Die Welt ist so vernetzt wie noch nie zuvor. Jeder Fleck auf der Erde ist von heute auf Morgen problemlos erreichbar. Früher hatte man seinen Freundeskreis im Dorf, heute haben wir ihn rund um die Welt. Wir leben am Anfang der zukünftigen digitalen Welt. Das digitale Zeitalter geht sehr eng mit der Globalisierung der Welt einher. Globalisierung ist kein wirklich neuer Begriff, er rückte aber in den letzten Jahren immer mehr in den Mittelpunkt von politischen Diskussionen.

Die liberalen sind begeistert, freier Handel auf der ganzen Welt. „Rechtsaussen“ ist mit den sehr rasanten digitalen und globalen Veränderungen überfordert und verfällt in die typische „früher-war-alles-besser-Mentalität“. „Linksaussen“ ist ebenfalls kein Fan von Globalisierung, weil sie soziale Errungenschaften (wie Wochenarbeitszeiten, Mindestlöhne, etc) davon schwimmen sehen. Eigentlich ist es bedauerlich, das die Leute die zwar bei jedem zweiten Anlass „die Internationale“ singen und für freie Zuwanderung sind gleichzeitig die Globalisierung kritisieren. Im Grunde war auch bei den linken früher alles besser. Warum linke sich nicht global vereinen und für globale Mindeststandards kämpfen, statt die Globalisierung zu kritisieren wird mir wohl auch zukünftig ein Rätsel bleiben.

Die meisten meiner Leser werden wissen, ich bin auch ein linker. Ich bin auch ein „Tech-Nerd“ ich liebe technologische Neuheiten und glaube fest daran das neue technologische Entwicklungen unser aller Leben auf der Welt nachhaltig verbessern wird.

Was hat all das mit Donald Trump zu tun? Eigentlich ziemlich viel. Die meisten Politiker haben tolle Jahreseinkommen, gute Jobs nebenher und absolut keine Ahnung was die Digitalisierung und Globalisierung für die Welt bedeutet.

Dem normalen Volk, mit normalen Arbeitsplätzen oder eigenen kleinen Firmen ist das (Vorsicht Ironie: oft unbewusst) viel bewusster. Alles wird sich verändern: die Industrie, der Handel und der Dienstleistungssektor stehen in den nächsten Jahrzehnten vor gewaltigen strukturellen Veränderungen – ähnlich wie damals mit der Industrialisierung.

Viele „normale“ Menschen fragen sich wo ihr Platz in dieser Zukunft sein wird. Wie sicher ist mein Arbeitsplatz? Wie sicher ist meine Rente? Kann ich nächstes Jahr meine Krankenkasse oder Miete noch bezahlen?

Viele Politiker werden hier widersprechen. Nein – den Menschen geht es auch bei uns besser als je zuvor. Wir haben heute stärkere Kaufkraft als vor 30 Jahren, etc. Das mag sein. Kaufkraft ist ein wichtiger Faktor, mehr Menschen können sich mehr Dinge leisten, das ist gut für die Wirtschaft, schafft Arbeitsplätze, etc. Das Problem ist, das Kaufkraft eben nicht alles ist. Vielleicht ist das auch ein Beleg, dass der freie Markt eben nicht alles regelt – die „der freie-Markt-löst-alle-Probleme-Mentalität“ bleibt eben nur ein Glaube, der nicht wirklich auf Tatsachen beruht. Die Menschen sind nicht automatisch glücklich, wenn sie Jobs und viel Kaufkraft haben. Mindestens ein wichtiger Faktor, wird in diesem irrsinnigen Glauben an den freien Markt vollkommen ausser Acht gelassen – Sicherheit! Damit meine ich nicht wie viele Polizisten durch das Dorf laufen, sondern die ganz persönliche zukünftige wirtschaftliche Sicherheit. Was bringt mir die heutige Kaufkraft, wenn ich nicht sicher sein kann ob ich Morgen meinen Job noch habe? Was bringt mir die heutige Kaufkraft wenn ich als 50 jähriger plötzlich nicht mehr attraktiv für die Wirtschaft bin? Was bringt mir die heutige Kaufkraft wenn ich übermorgen keine Rente mehr habe? Menschen definieren ihr Glück nicht (nur) nach Einkommen und Kaufkraft. Auch Faktoren wie Familie ist wichtig. Vor 30 oder 40 Jahren hat sich beinahe niemand die Frage gestellt ob ich mir ein Kind / Familie leisten kann. Heute hört man oft können wir uns „Morgen“ die Kinder auch noch leisten – trotz höherer Kaufkraft.

Die Zeiten in denen man mit einer Berufsausbildung keine Angst vor der eigenen zukünftigen wirtschaftlichen Sicherheit haben muss, sind längst vorbei.

Ich bin überzeugt davon, das diese Angst und Unsicherheit die in vielen Menschen tief innen schlummert dazu geführt hat, das Donald Trump der neue Präsident der USA sein wird. Es ist auch dieses tiefe Gefühl von Unsicherheit und Angst das in Europa dafür sorgt, das extreme Parteien immer mehr Zulauf haben, das gilt in Deutschland für die AFD aber auch in der Schweiz für die SVP.

Dank Digitalisierung und Globalisierung stehen wir vor extrem grossen Veränderungen innerhalb unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Wahrscheinlich ist es normal und natürlich das wir neues und Unsicherheiten fürchten. Dennoch müssen wir nicht im nächsten Starbucks mit unserem Smartphone auf Facebook den neusten „Globalisierungskritikbeitrag“ teilen.

Wir sehen in allem gerne das schlechte. Daher wird Globalisierung leider viel zu oft und viel zu leichtfertig kritisiert. Globalisierung bietet viel positives.

Gesellschaftlich haben wir im Bereich Armut und Hunger dank dem freien Handel und weltweit offenen Märkten viele Probleme lösen können. Die weltweite Armut und der weltweite Hunger sind in den letzten Jahren trotz Bevölkerungswachstum sehr stark rückläufig. Dies gilt nicht nur für die neuen die Industrienationen wie China und Indien sondern auch für viele andere 2. und 3. Weltländer.

Aber auch wir persönlich profitieren stark von der globalen Digitalisierung: das Internet, dass wir alle jeden Tag regelmässig nutzen, neue Freiheiten und eine nie dagewesene Auswahl welche Medien wir lesen und vertrauen wollen, eine noch nie dagewesene Reisefreiheit. Ich kenne viele junge Menschen die übers Wochenende kurz nach New York fliegen um „shoppen“ zu gehen. Die Möglichkeit jederzeit mit Freunden rund um der Welt in Kontakt zu treten – in Echtzeit! und vieles mehr!

Wir müssen Globalisierung nicht bekämpfen sondern endlich ernst nehmen und als Realität anerkennen. Wir müssen politisch international zusammenarbeiten und Mindeststandards definieren, um den Menschen die Angst vor der digitalen und globalen Zukunft zu nehmen. Dafür brauchen wir keine EU die uns vorschreibt, welche Glühbirne wir kaufen dürfen oder nicht. Sondern Parteien die sich über alle Landesgrenzen Treffen und gemeinsame Standards entwickeln wie wir zukünftig als eine grosse Welt funktionieren wollen.

Egal ob wir die Globalisierung toll oder „scheisse“ finden, sie ist definitiv da und wird (Trump hin oder her) auch nicht mehr verschwinden. Bisher haben aber nur Grossonzerne ihre Vorteile einer globalen Welt erkennt und nutzen diese bereits ausgiebig. Wir sollten endlich unsere Angst davor ablegen und nicht nur Grosskonzerne bestimmen lassen wie sie unsere grosse digitale und globale Gesellschaft gestalten wollen sondern selber global mitbestimmen! Wir leben in grossartigen Zeiten aber haben viel zu viel Angst davor, dass zu erkennen – wirklich schade!


Ein Kommentar

  1. Da stimme ich dir voll und ganz zu! Die Lebenserwartung ist so hoch wie nie zu vor, wir haben in der westlichen Welt so viele Vorzüge, aber die persönliche Sicht der Menschen ist überall getrübt. Auch bei den Politikern vermisst man den Glauben an eine positive Zukunft, jeder hält nur möglichst lange an bestehenden Konzepten fest. Ich hoffe, das sie das bald erkennen und eine Vision für das Leben im 21. Jahrhundert entwickeln. Ansonsten überlassen sie das Feld anderen…

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