2 Tage mit Uber – zwischen Ausbeutung und Innovation

war in den letzten Tagen wieder im Gespräch. Die Taxifahrer haben den Krieg gegen Uber ausgerufen. Ich als politisch linker und Gewerkschafter, bin dem System Uber (keine Sozialversicherungen, keinen garantierten Lohn, keine Ferienbezahlung, kein Schutz gegen Krankheit, usw) schon aus Prinzip kritisch eingestellt.

Dennoch gibt es immer mehr Menschen die mit und für Uber fahren. Da ich es selber nicht ausstehen kann, wenn jemand etwas kritisiert ohne es selbst ausprobiert zu haben, entschied ich mich für einen Selbsttest.. Dieses Wochenende bin ich jede „grössere“ Distanz die ich in der Stadt zurücklegte mit Uber gefahren.

Für alle Fahrten nutze ich den etwas teureren Dienst „Uber X“ im Gegensatz zu „Uber Pop“ waren die Fahrten zwischen 2 und 4 CHF teurer. Dafür fährt man in einem modernen Fahrzeug und hat einen Fahrer der mit seinem Führerausweis Personen befördern darf.

Die Uber-App laden, Konto anlegen, Kreditkarten Daten eingeben und erste Fahrt bestellen funktioniert absolut selbsterklärend, einfach und in weniger als 3 Minuten. Die App ist zusammengefasst absolut grossartig. Man hat alle Funktionen die man braucht, das Ganze ist absolut Benutzerfreundlich und logisch aufgebaut – genauso wie ich das von einer App erwarte.

Bei meiner ersten Bestellung wurde ich allerdings direkt enttäuscht – ich stand in der Rheingasse und bestellte mein erstes Uber. Laut App dauert es 6 Minuten bis das Fahrzeug bei mir ist. Perfekt – noch kurz eine Zigarette rauchen und los geht’s!

Leider nicht. In der Uber App kann man in Echtzeit sehen wo das bestellte Fahrzeug gerade entlangfährt. Es war ziemlich lustig mit anzusehen, wie der Fahrer permanent im Kreis fuhr und offenbar keinen Weg zu mir fand. Aus einer Zigaretten wurden etwa fünf. Nach rund 40 Minuten habe ich den Fahrer erlöst und die Bestellung storniert. Prompt wurde mir eine Stornierungsgebühr von 6 CHF abgebucht. Nach dieser Erfahrung war ich erstmal wütend und fragte mich welcher Teufel mich geritten hat diesen Mist auszuprobieren.

Aber Aufgeben liegt mir nicht, also bestellte ich (am selben Ort) ein neues Fahrzeug – keine 3 Minuten später war es da. So konnte ich zum ersten mal in meinem Leben mit einem Tesla durch die Gegend fahren. Der Fahrer – Peter* – ist bereits Pensioniert und fährt nur am Tag und niemals in der Nacht. Natürlich haben wir uns sofort über Uber unterhalten. Ich habe ihm von meiner Wartezeit und der Stornogebühr erzählt. Peter zeigte mir dann wie ich diese Gebühr direkt in der App beanstanden kann – mir wurden die 6 CHF umgehend wieder gutgeschrieben (cool!).

Am Tag darauf hatte ich das Glück nochmals mit Peter fahren zu dürfen. Er erzählte mir warum er mit Uber fährt. Die Antwort ist schlicht – seit er nicht mehr arbeitet ist ihm oft langweilig, also fährt er Uber – so hat er was zu tun, kommt mit anderen Menschen ins Gespräch und verdient noch etwas dazu, um seine Rente aufzubessern.

Bei meinen Uber-Fahrten konnte ich einige Gespräche führen. Die Unterhaltungen waren locker, spannend und oft auch unterhaltsam. Eines ist sicher, niemand der Fahrer die ich hatte fühlten sich ausgebeutet oder als Opfer.

Warum zum Teufel schlafen die Taxizentralen?

Je mehr ich die Uber-App nutze umso weniger will ich wieder ein normales bestellen. Telefonnummer suchen für ein normales , anrufen – irgendwie herausfinden an welcher Strasse und Nummer ich mich gerade befinde – und dann darauf hoffen das ein kommt? Hört sich für mich an als würde man irgendeine Technologie aus dem 20. Jahrhundert verwenden.

Natürlich haben auch die Taxi-Zentralen in jeweils eigene Apps. Und die sind – verzeiht mir den Ausdruck – schlicht und einfach nur beschissen! Wenn ich die App öffne, wird mein Standort irgendwo in der Mitte von Frankreich ermittelt (ich stehe in am Bahnhof). Es ist absolut unmöglich herauszufinden ob gerade ein Taxi in der Näher ist – weil es schlicht nicht angezeigt wird.

Wenn ich ein Taxi an den Bahnhof SBB bestelle, funktioniert die Bestellung nicht, weil es unbedingt eine Hausnummer braucht – WTF…

Preisinformationen gibt es nicht, nur eine Info-Box die einem mitteilt, dass der Fahrer einem sagen kann wieviel die Fahrt etwa kosten wird – das ist ja unheimlich Transparent!

Und für mich das wichtigste Feature – Fahrerbewertungen. Bei Uber kann der Fahrer mich und ich Ihn bewerten. Nach einer abgeschlossen Fahrt kann ich zwischen einem und 5 Sterne vergeben. Dadurch wird ein Durchschnitt errechnet, der mir die Uber-App direkt anzeigt. So konnte ich einen Fahrer der weniger als 2 Sterne hatte – direkt wieder stornieren und einen besseren nehmen.
Dieses Bewertungssystem sollte umgehend auch für die Taxizentralen eingeführt werden. Hier würde in sehr kurzer Zeit die Qualität massiv verbessert werden. Fahrer mit schlechten Ortskenntnissen, würden schlecht bewertet werden. Dadurch würden Sie nicht mehr gebucht, und die Qualität der Taxis in Basel würde umgehend steigen.

Im Jahr 2017 erwarte ich von einer App einfach um einiges mehr als die Taxizentralen zurzeit bieten. Das ist unverzeihlich – und solange die Taxizentralen diesen Komfort nicht bieten, müssen sie sich weder wundern noch darüber jammern, dass Uber einen solchen Erfolg hat.

Kilometer, Preise und wer verdient wieviel?

Insgesamt bin ich 6mal mit Uber gefahren und habe dabei insgesamt 35.07 km zurückgelegt. Der Spass hat mich 68.55 CHF gekostet. Hätte ich diese Strecken mit einem lokalen Taxi zurückgelegt (z.B. dem 33er Taxi) hätte ich über 200 CHF (genau 206.60 CHF) bezahlt – deutlich mehr als bei Uber. Wenn man bedenkt, dass ich bei Uber sogar den teureren Tarif (Uber X) gewählt habe, ist dieser Preisunterschied schon extrem krass!

Neben dem Preis will ich als Gewerkschafter auch wissen wieviel mein Chauffeur für meine Fahrt verdient. Bei den Taxizentralen in Basel bleibt den Taxifahrern (+/-) 50% von dem Betrag den ich bezahle. Die Taxifahrer hätten also etwas mehr als 100 CHF verdient.
Laut dem Tagesanzeiger liefern die Uber-Fahrer 25% des Fahrtpreises bei Uber ab. Daraus resultiert, dass die Uber Fahrer nur (gerundet) 51.40 CHF an mir verdient haben.

Mein Fazit…

Mir wurde erst dieses Wochenende bewusst wie viele Menschen Uber (nur in Basel) benutzen. Kein Fahrer hatte längere Standzeiten als 30 Minuten. Uber ist bereits ein Teil unserer Gesellschaft. In einem oder zwei Jahren wird sich niemand mehr darüber aufregen und wir werden uns damit arrangiert haben.

Ob das wirklich gut ist? Ich weiss es wirklich nicht. Klar ist, dass man in der Schweiz von einem „Uber-Lohn“ nicht wirklich leben kann – nicht mal ansatzweise. Mir dämmert da ein düsteres zukünftiges Gesellschaftsbild: wo viele Menschen von solchen Niedriglohnjobs leben. Ein paar Stunden Uber-Fahren, Telefonumfragen machen, Testeinkäufer sein wieder etwas mit Uber fahren und wenn man Glück hat, kann man dann irgendwann noch etwas schlafen.

Ich werde zukünftig weiterhin mit einem normalen Taxi fahren. Im Gegensatz zu vielen Kommentarschreibern in diversen Online-Medien, hatte ich mit dem Service in einem Basler Taxi noch nie grosse Probleme.

Warum die Taxi-Zentralen nur rumjammern, werde ich Ihnen aber nicht verzeihen! Es ist überall dasselbe bei Läden in der Innenstadt, Restaurants und ja auch bei Taxis – die Welt verändert sich, die Technologien verändern sich und da muss man innovativ werden und bleiben!
Ganz ehrlich ich würde lieber russisches Roulette spielen als dieses „Ding“ zu benutzen das die Basler Taxizentralen als „App“ bezeichnen. Wenn man bedenkt wie viele Menschen heute ihr Leben beinahe nur noch mit dem Smartphone verbringen wirkt es beinahe dekadent und überheblich, dass die Zentralen nicht eine wirklich gute App entwickeln, die dann auch konstant weiterentwickelt wird! Als Hilfestellung gebe ich hier gerne mal ein paar Wunschfunktionen ab:

  • GPS Ortung die funktioniert…
  • Die Fahrt direkt per App bezahlen (z.b. mit PostFinance Anbindung, dies wäre ein zusätzlicher Wettbewerbsvorteil)
  • Transparente Bewertungen von Fahrern
  • Die Möglichkeit mit mehreren Personen zu fahren und den Fahrpreis direkt per App aufzuteilen
  • Ein Interface, dass irgendwie an das 21. Jahrhundert erinnert

Solange sowas nicht umgesetzt ist, haben die Taxizentralen auch nichts zu jammern und rechtfertigt gleichzeitig den Erfolg von Uber.

*Name geändert.


10 Kommentare

  1. Lieber Samuel, obwohl Du ein paar wesentliche Punkte nicht berücksichtigt hast, finde ich Deinen Text hier sehr gut. Gerne diskutiere ich diese Punkte mal bei einem Bier mit Dir. Nach der nächsten DV z.B. :-)

  2. Ich finde, man darf Uber nicht ganz verteufeln. Auf der einen Seite ist natürlich die Preisersparnis, die nun mal für viele Leute der Hauptgrund sein dürfte.
    Zwar haben die Fahrer auf der anderen Seite eben auch Nachteile, aber ich bin mir fast schon sicher, dass die Uber-Macher nicht im Sinn hatten, mit dieser App sein täglich Brot zu verdienen.
    Fahrer wie Peter, die einfach aus Langeweile fahren, sind wahrscheinlich genau die Zielgruppe.
    Ich nutze Uber gerne und oft, da hab ich auch keine Gewissensprobleme.

  3. Hey hey, lieber Kim. Lange nichts gehört, ich hoffe es geht dir gut. Lass doch bitte mal von dir hören, bin mir sicher du bist für ein Bier im Freiamt zu haben, wenn du mal wieder in der Gegend bist. Hinterlasse doch eine Mail bei mir :) Und um noch etwas beizutragen: Was meinst du dazu, dass sich die Fahrer, gerade bei Uber, selber abschaffen? Grosser Gewinn für Uber mit jeder Fahrt, mit welchem die Technologieentwicklung für die Redundanzerzeugung (= autonomes Fahren) entwickelt wird…!

  4. Ich habe Uber noch nic genutzt. Ich habe aber schon von einigen Bekannten gehört welche diesen Dienst schon desöfteren genutzt haben und eigentlich alle durchweg zufrieden waren. Ich glaube aber auch nicht das Uber so bei uns im Land ins Gewicht fallen wird.

  5. @Malte Dito. Auch ich kene viele Personen die Uber bereits desöfteren genutzt haben und eigentlich zufrieden waren. Da allerdings ein neues Zetalter der Emobilität ansteht, vermute ich das Uber ziemlich unter Druck geraten wird.

  6. Ich habe Uber in vielen Städten genutzt und war durchaus zufrieden. Dennoch muss man auch die Schattenseiten beleuchten, ich denke ebenfalls das es nicht der Gedanke der Programmierer war, dass Uber Fahrer damit ihr täglich Brot verdienen. Leider führt Uber vielerorts natürlich zu Schwarzarbeit. Ich bin mal gespannt ob sich Uber in Deutschland durchsetzt.

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