NoBillag oder Billag?

Schon seit einigen Wochen werde ich immer wieder gefragt wie zur „NoBillag – Initiative“ stehe. Die Initiative polarisiert mehr als ich angenommen habe – schliesslich dauert es noch rund 4 Monate bis zur Abstimmung.

Da ich keine Lust habe jeder Person meine Meinung zu erklären, will ich diese hier niederschreiben. Wenn ich über meinen eigenen Medienkonsum nachdenke, bin ich wohl ziemlich typischer knapp 30-jähriger. Ich schaue so gut wie nie TV (egal welcher Sender). Ich finde TV ziemlich langweilig, unflexibel und (dank den vielen Werbeunterbrechungen) auch ziemlich nervend. Bei Radio muss ich immer irgendwie an die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts denken – ich bin wirklich kein Radio Fan.

Ich liebe Netflix, Google Play Music (sowas wie Spotify einfach von Google) und YouTube. Der Vorteil ist klar mein Konsum ist dadurch viel individueller: Ich kann selber bestimmen, was ich konsumieren will, wann ich es konsumieren will und wo ich es konsumieren will – das ganze ohne Werbung (YouTube ausgenommen) und zu einem Bruchteil der Billag Kosten.

Die Billag kostet ab nächstem Jahr 365.– CHF im Jahr. Für Netflix und Google Play Music bezahle ich im Jahr 143 CHF (aufgerundet). Auf den ersten Blick ist für mich die Sachlage klar – „Scheiss auf die Billag und weg damit“.

Der unabhängige Journalismus…

Die Billag hat aber zwei Seiten. Im Rahmen zur Abstimmung wurden bereits sehr viele (meistens ziemlich schwachsinnige) Argumente ausgetauscht. Nationaler Zusammenhalt, Filmförderung, Staatsmedien, etc um nur einige zu nennen.

Ein Argument, dass ich wirklich wichtig finde ist der unabhängige Journalismus. Ich denke für eine Demokratie – erst Recht für eine direkte Demokratie – ist es absolut notwendig, dass wir in unserem Land Journalismus haben der nicht über Werbung oder Sponsoren finanziert wird und dadurch wirklich unabhängig sein kann und sein muss.

Natürlich kann man dagegen argumentieren, dass viele unabhängige Medien die wir in der Schweiz haben unter dem Strich auch zu einer allumfassenden Aufklärung beiträgt. Grundsätzlich glaube ich das auch. Was die eine Zeitung verschweigt, druckt die andere ab und umgekehrt. Aber wenn man sich die Schweizer Medienlandschaft anschaut gibt es gar nicht mehr so viele unabhängige Medien.

Tages Anzeiger, 20 Minuten, Der Bund, Berner Zeitung, Der Landbote, Le Matin, SonntagsZeitung und viele weitere sind nur auf den ersten Blick unabhängig. Auf den zweiten Blick stellt man fest – alle diese Zeitungen gehören zum selben Verlag. Wenn man die Schweizer Medienlandschaft genauer untersucht wird man hinter diversen Zeitungstitel immer wieder sie selben Namen finden: Tamedia, Ringier und AZ Medien.

Nur ein Zyniker kann das unabhängigen und vielfältigen Journalismus nennen.

Das absolute Versagen der Politik

Was mich an dieser Abstimmung wirklich nervt, ist das absolute Versagen der Schweizer Politik. Wir werden jetzt rund 4 Monate darüber diskutieren ob wir eine SRG brauchen oder nicht. Und das ist die völlig falsche Diskussion.

Falls es jemals einen Gegenvorschlag zu einer Initiative gebraucht hat, dann zu dieser. Viel sinnvoller wäre die Diskussion, was für eine SRG wir wollen. Wollen wir eine SRG die auch im Internet aktiv ist? Brauchen wir in unserem kleinen Land 17 Radiosender der SRG oder reicht pro Sprachregion auch einer?

Für welche Inhalte brauchen wir die SRG? Soll die SRG amerikanische Serien wie CSI, Simpsons, etc von unserem Geld einkaufen oder können das die privaten? Wie gross soll die SRG sein? Braucht es jeden Tag Tagesschau, Schweiz Aktuell und 10 vor 10 oder würde auch ein Magazin reichen? Muss man mit Gebührengelder unglaubliche Summen in regelmässige Rebrandings (neuer Name SRF, neues Logo, usw) ausgeben oder kann man es nicht einfach so lassen wie es ist?

Wie soll die SRG finanziert werden? Ist es richtig, dass Working Poors oder Sozialhilfeempfänger gleich viel bezahlen wie jemand der 150’000 CHF oder mehr im Jahr verdient?

Es wäre so schön gewesen, wenn wir in dieser Abstimmung über Inhalte diskutieren könnten. Hier wurde leider versagt, nun diskutieren wir nur noch über Ja oder Nein zur SRG und nicht mehr über die Inhalte. Schade!

Staatsmedien, Filmförderung und nationaler Zusammenhalt

Ich möchte hier noch auf einige wirklich dumme Argumente eingehen. Die NZZ betitelt in einem Kommentar die SRG als Staatsmedium. Wenn man den Kommentar gelesen hat, denkt man der Bundesrat würde der SRG vorschreiben was sie zu publizieren haben und was nicht. Solche Kommentare stören mich – gerade weil wir in vielen Teilen der Welt (z.B. China) solche Situationen haben. Medien und Nachrichten sollen und dürfen nicht von der Regierung gelenkt werden – und Gott sei Dank ist das in der Schweiz auch nicht so! Eine gute Replik auf den Kommentar gibt es von Peter Stämpfli.

Nationaler Zusammenhalt? WTF? Als ich das zum ersten mal gelesen habe musste ich beinahe lachen. Mir konnte noch niemand erklären wie genau das funktioniert. Ich für meinen Teil fühle mich nach einer Sendung wie Schweiz aktuell dem Tessin nicht näher oder ferner als vor der Sendung,,,

Keine Schweizer Filme ohne SRG Filmförderung! So oder so ähnlich waren einige Schlagzeilen in diversen Medien zu lesen. Warum eigentlich nicht? Nehmen wir als Beispiel Netflix. Anfang Dezember hat Netflix die (sehenswerte) Serie Dark veröffentlicht. Dark ist eine komplett in Deutschland produzierte Serie direkt finanziert von Netflix. Die (meiner Meinung nach) beste Serie aus dem Jahr 2017 – 3% – ebenfalls von Netflix finanziert wurde komplett in Brasilien produziert. Warum soll so etwas nicht auch in der Schweiz möglich sein?

Mein Fazit

Ich brauch es nicht. Ich konsumiere es nicht, glaube aber dennoch daran, dass die SRG und Ihre Nachrichteninhalte für die Schweiz extrem wichtig sind. Deshalb werde ich die NoBillag – Initiative zähneknirschend ablehnen.

Ich hoffe aber darauf, dass umgehend nach der Abstimmung die SRG neu diskutiert wird. Ich hoffe eine offene Diskussion über die Grösse, die Inhalte und die Art der Finanzierung. Falls das nicht passiert, bin ich mir ziemlich sicher, das eine allfällige zweite „NoBillag“ Initiative vom Volk mit grossem Mehr angenommen wird.


3 Kommentare

  1. Gehe mit einem Grossteil deiner Argumente einig. Was ich aber einfach nicht verstehe, ist die Illusion, wonach die SRG „unabhängig“ sei. Ich kenne kein einziges Massenmedium in der CH, das abhängiger wäre als die SRG! Sie ist konsequent auf Linie des BR (was ja nicht verwundert) und vertritt ebenso konsequent eine rot-grüne Linie. Die Beziehungen von Politik (inkl. NGO’s) und der Verwaltung mit der SRG sind geradezu symbiotisch zu bezeichnen. Wo ist hier um Himmels Willen die Unabhängigkeit?
    Lg Markus

  2. hallo bist du ein svpler ?
    dein Kommentar könnte eins zu eins von Natali Rickli stammen !
    Ich habe schon das gefühl dass die SRG ausgewogen berichtet und wir brauchen das in der Schweiz.
    Ich auf jeden Fall will mir nicht Blocher TV reinziehen und dabei total verblöden !!
    Dazu kommt das ich gerne Sport und zwar auch Randsportarten gerne anschaue und mich interessieren,welcher Sender bietet mir nachher wenn no billag angenommen wird diesen Service ohne zusätzliche Gebühren ?

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