Pop!_OS ein Linux ­čÉž das begeistert

Erst k├╝rzlich habe ich einen Beitrag zu Windows 10 gemacht. Doch im Alltag bin ich immer noch haupts├Ąchlich mit Linux – inzwischen mit Pop!_OS (Pop OS) unterwegs.

Das letzte mal das ich ├╝ber Linux berichtet habe ist 5 Jahre her – viel zu berichten gibt es auch nicht mehr. Ein Linux ist heute schneller installiert als ein aktuelles Windows. Die Treiber werden so gut wie immer automatisch erkannt und die Vorkonfiguration ist „ready to use“. Die Zeiten wo man manuell kryptische Textfiles ├Ąndern musste, damit der Bildschirm die richtige Aufl├Âsung anzeigt sind (zum Gl├╝ck) l├Ąngst vorbei.

Vorwort zu diesem Beitrag

Dieser Beitrag richtet sich haupts├Ąchlich an Leute, die wissen was Linux ist und auch schon damit gearbeitet haben. Ich werde hier mehrere Begriffe verwenden die man als „Nicht Linux Nutzer“ vielleicht nicht kennt – und ich werde die im Beitrag auch nicht n├Ąher erl├Ąutern. Falls Fragen zu Begriffen auftauchen beantworte ich die gerne in den Kommentaren.

Falls du ├╝ber eine Suchmaschine diesen Beitrag gefunden hast, weil du zum ersten mal Linux ausprobieren willst ist Pop OS nicht die richtige Distribution f├╝r dich! Versuch dich z.B. eher an Ubuntu – da es dort auch eine sehr grosse Community gibt, bei der du Hilfe findest.

Falls du Windows oder OS X benutzt und damit gl├╝cklich bist, dann bleib bitte auch dabei. Ich habe weder das Ziel noch den Anspruch Menschen zu Linux zu bekehren. Auch wird das kein Kindergarten-Krieg ├á la Linux ist besser als… {Windows, OS X, Solaris, Unix, oder sonst was}.

Falls du den Artikel immer noch lesen willst, dann freue ich mich, dir Pop OS n├Ąher zu bringen. Bitte bedenke, dass das kein klassicher Testbericht (kurz installiert, ein paar Stunden benutzt und Meinung gebildet) ist. Ich habe Pop OS seit bald 2 Jahren im Dauereinsatz und kann hier sehr klar ├╝ber Vor- und Nachteile schreiben – die im produktiven Einsatz von Pop OS auftauchen.

Mein Notebook

Wie im Vorwort erw├Ąhnt, ich nutze Pop OS seit knapp 2 Jahren. Das ganze l├Ąuft einem Lenovo Thinkpad X1 Extreme. Angetrieben wird das Ger├Ąt von einem Intel┬« CoreÔäó i7-8750H CPU 12 x @ 2.20GHz Prozessor.

32GB Arbeitsspeicher sorgen, f├╝r reibungsloses Multi-Tasking und bieten noch genug Reserve, falls man mal eine gr├Âssere Aufgabe vor sich hat.

Das „spezielle“ an diesem Notebook ist, dass zwei Grafik Chips verbaut sind. Einmal die im Prozessor integrierte Intel UHD Graphics 630 – die sehr stromsparend ist und f├╝r den Alltag auch v├Âllig ausreicht.

Zus├Ątzlich ist eine Nvidia GeForce GTX 1050 TI verbaut, die einiges mehr an Grafikpower liefert – aber das Notebook im Akkubetrieb sehr schnell an die Kapazit├Ątsgrenzen bringt.

Dieses Dual-Grafikchip Setup, war urspr├╝nglich auch der Grund, warum ich einen Blick auf Pop OS geworfen habe – dazu sp├Ąter mehr.

Was ist Pop OS und wer steckt dahinter?

Was Pop OS ist, ist schnell erkl├Ąrt. Bei Pop OS handelt es sich um eine – auf Ubuntu basierende – Linux Distribution. Die Distribution bedient sich ├Ąhnlich wie Linux Mint an den Ubuntu Paketquellen, f├╝gt noch ein paar eigene weitere Quellen hinzu, liefert bei einer Neuinstallation ein etwas andere Default Setup und ein anderes Theme.

Pop OS verfolgt hierbei, das gleiche Versions Schema wie Ubuntu. Die aktuelle Version 20.04 ist eine LTS und wird ll├Ąnger mit Updates unterst├╝tzt. Bis zur n├Ąchsten LTS-Version (22.04) folgen alle 6 Monate ein STS-Release – das n├Ąchste wird 20.10 sein.

Pop Os Logo
Logo von Pop!_OS

Standardm├Ąssig wird Pop OS – wie alle Linux Distributionen im professionellen Umfeld – mit dem Gnome 3 Desktop ausgeliefert.

Hinter Pop OS steckt die US-Firma System76. System76 ist in erster Linie eine Firma die Hardware verkauft. Sie verkaufen f├╝r Consumerbereich Notebooks und Desktop Computer. Das grosse Gesch├Ąft findet im Server-Bereich statt – sie verkaufen Server Hardware an Grosskunden. Da ├╝ber 90% aller Server auf der Welt mit Linux laufen – gibt es in der Firma auch sehr grosses Linux Know-How.

Die Produkte von System76 werden ├╝brigens auch nach Europa versendet. Bei Notebooks gibt es leider nur das US-Keyboard Layout. Alle Computer die System76 verkauft kommen mit einem vorinstalliertem Pop OS oder Ubuntu – Windows wird nicht verkauft. Die Firma ist seit Jahren in einem extremen Wachstumskurs – was f├╝r Computerhersteller in heutiger Zeit eher un├╝blich ist.

Wie kam ich zu Pop OS?

Der Grund warum ich Pop OS ├╝berhaupt entdeckt habe, war mein damals neues Notebook. F├╝r mich war schon beim Kauf vom Thinkpad klar, dass hier Linux drauf laufen wird. Da ich seit Jahren bei Linux nur noch Ubuntu im Einsatz war. Habe ich mir also ein aktuelles Ubuntu Image gezogen, und wollte das Thinkpad davon booten.

Hier kamen Probleme, die ich nicht bedacht habe, das etwas spezielle Dual GPU Setup dieses Thinkpads f├╝hrte dazu, dass Ubuntu nur in einen Black Screen gebootet hat. Das Problem konnte man relativ einfach l├Âsen, indem man im Bios (ich weiss, dass es ein UEFI ist) die Intel Grafikkarte deaktivierte.

Doch die Akkulaufzeit mit deaktiviertem Intel Chip war so richtig Mies. Auch die Installation von TLP ├Ąnderte wenig daran, mehr als 90 Minuten gab es einfach nicht.

Ich habe dann im Internet nach dem Problem gesucht und einige spannende L├Âsungsans├Ątze gefunden. Aber ich bin inzwischen ein alter Mann ­čśů und mag nicht mehr stundenlang basteln.

In irgendeinem Reddit Forum, hat jemand beil├Ąufig erw├Ąhnt, dass Pop OS standardm├Ąssig mit der Dual GPU umgehen kann.

Was soll ich sagen, ich hatte vorher noch nie von Pop OS geh├Ârt dachte aber ich versuch es einfach mal. Und ja – Pop OS tut genau das, was ich erhofft habe. Ohne das man manuell irgendwas konfigurieren muss. Fairerweise muss man sagen, dass Ubuntu das seit 20.04 auch kann.

Was unterscheidet Pop OS von anderen?

Dual GPU Handling

Der f├╝r mich wichtigste Punkt war das Handling mit mehreren Grafikchips. Ich kann in der Gnome Shell direkt ├╝ber das Energie-Icon w├Ąhlen welche Option ich nutzen m├Âchte.

GPU Einstellungen in Pop OS
GPU Einstellungen in Pop OS

Hier kurz ein ├ťberblick ├╝ber die 4 Optionen:

Integrated Graphics

Diese Option deaktiviert die Nvidia GPU komplett. Damit hat man die beste Akku Laufzeit. Muss aber den Computer neustarten, wenn man dennoch mal die Nvidia GPU braucht.

NVIDIA Graphics

Diese Option deaktiviert die Intel GPU. Und alles auf dem Bildschirm wird ├╝ber die Nvidia GPU gerendert. Damit hat man immer volle Power aber nur eine begrenzte Akku-Laufzeit.

Hybrid Graphics

Dies ist meine bevorzugte Option. Beide Grafikchips sind aktiv. Die Stromfressende Nvidia GPU befindet sich aber in einem „Standby“-Modus. Wenn ich aber z.B. etwas aufw├Ąndiges in GIMP machen m├Âchte, kann ich GIMP ohne Neustarten des Rechners mit der Nvidia GPU starten. Sobald ich GIMP wieder beende, geht die Nvidia GPU wieder in den Standby Modus.

Compute Graphics

Das ist im Grunde die selber Option wie „Integrated Graphics“. Alles was auf dem Bildschirm zu sehen ist, wird ├╝ber die Intel GPU gerendert. Aber die Nvidia GPU wird nicht deaktiviert sondern ist f├╝r komplexe Rechenoperationen (z.b. das Minen von Bitcoins) weiterhin verf├╝gbar.

Diese ganzen Optionen funktionierten ├╝ber die bald 2 Jahre ├╝brigens absolute perfekt und ohne Probleme. Neben dem Gnome Interface kann man die Optionen mit folgenden Befehlen auch ├╝ber die Kommandozeile ├Ąndern:

$ sudo system76-power graphics integrated
$ sudo system76-power graphics nvidia
$ sudo system76-power graphics hybrid
$ sudo system76-power graphics compute

F├╝r Wissenschaftler die mit CUDA oder TensorFlow arbeiten, entf├Ąllt hier eine manuelle Konfiguration. Beide Tools k├Ânnen direkt ├╝ber die Paketverwaltung installiert werden und funktionieren Out-of-the-Box.

Tiling Window

Tiling Window ist in der Linux Welt nichts neues. F├╝r Menschen die ihren Computer gerne per Tastatur und nicht unbedingt per Maus bedienen wollen und mit vielen Programmen gleichzeitig arbeiten ist Tiling Window wirklich etwas grossartiges.

Bisher musste man aber immer Kompromisse machen. Die grossen Desktop-Umgebungen wie Gnome oder KDE Plasma, unterst├╝tzen dieses Feature nicht. Da musste man immer auf Alternativen wie I3 (oder andere) ausweichen.

Die Entwickler von Pop OS haben ein Tiling Window in Gnome integriert – auf Wunsch kann man es mit einem Knopfdruck aktivieren oder deaktivieren. Das ganze sieht dann z.B. so aus.

Tiling Window in Pop OS
Fenster werden bei aktiviertem Tiling Window automatisch in einem Raster angeordnet. Gr├Âsse und Position eines Fensters k├Ânnen per Keyboard Shortcuts automatisch ge├Ąndert werden.

Werkzeuge ohne Ende…

Pop OS liefert Werkzeuge f├╝r verschiedene Zielgruppen aus. Direkt ├╝ber die Paketverwaltung – ohne das man weitere Quellen hinzuf├╝gen muss sind aktuelle Versionen von Programmen wie:

  • Visual Studio Code
  • Postman
  • Android Studio
  • MATLAB
  • DaVinci Resolve
  • Inkscape
  • R
  • Bioconductor
  • UniProt
  • etc

Damit ist Pop OS das perfekte Werkzeug f├╝r alle die ihren Linux Rechner f├╝r produktive Arbeiten brauchen. Egal ob man Software entwickelt, im Bio-Informatik Bereich oder in der Medienproduktion t├Ątig ist – popOS deckt diese Felder mit jeweils aktuellster Software ab.

Firmware Upgrades

Firmware Upgrades und Linux sind immer eine etwas merkw├╝rdige Geschichte. Fr├╝her brauchte man da zwingend Windows und irgendeine komische Software vom Hersteller der die Updates heruntergeladen und gestartet hat.

Seit einiger Zeit gibt es den Linux Vendor Firmware Service (LVFS). Mit diesem Service kann man Firmware von gewissen Hersteller (die m├╝ssen da freiwillig mitmachen) direkt ├╝ber Linux aktualisieren. Das funktioniert unter jeder Distibution ist aber ein m├╝hsames Komandozeilen Handling.

Pop OS hat die Informationen ├╝ber die verbaute Firmware direkt in die Gnome Einstellungen integriert und bietet von dort aus auch Updates an. Ich hab mit dem Thinkpad sicherlich schon 15 oder mehr Firmware Upgrades ├╝ber dieses Tool gemacht, die immer alle anstandslos funktioniert haben.

Firmware Informationen und Upgrade M├Âglichkeiten in Pop OS
Firmware Informationen und Upgrade M├Âglichkeiten in Pop OS

Kleiner Nebensatz vor allem Firmen wie Dell, Thinkpad, Intel, HP oder Logitech bieten Firmware Upgrades f├╝r Linux an, bei Neuanschaffungen von Computern kaufe ich bewusst Hardware von diesen Herstellern.

Recovery Partition

Bei der Installation von Pop OS wird automatisch eine Recovery Partition angelegt. Beim Booten kann man ├╝ber den Bootloader von dieser Recovery Partition booten. Im Grunde handelt es sich weitgehend um das Live System das man ├╝ber den USB-Stick hat.

Der Vorteil ist, man kann mal Probleme l├Âsen ohne das man einen bootf├Ąhigen Stick braucht. Man kann ├╝ber diese Partition sein System reparieren, neu installieren, etc

Ich hab die Partition zum Gl├╝ck nie gebraucht, aber Testweise mal darin gebootet. Das funktionierte einwandfrei.

Sonstiges

Pop OS macht vieles anders als andere. Das beginnt bereits bei der Installation. Die Installation von Pop OS ist immer eine OEM Installation – man legt bei der Installation keinen Benutzer fest. Nach dem ersten Reboot, folgt dann der Standard Gnome Dialog wo man Benutzer, Zeitzone, etc einrichtet. Ebenfalls ist ein Voll-Verschl├╝sseltes Partition Setup die Standard Einstellung.

Ich bin mir nicht sicher, ob Pop OS den Installer aus einem anderen Projekt ├╝bernommen hat oder selber geschrieben hat – es ist auf jedenfall nicht der Ubuntu Installer und auch nicht Calamares.

Snap wird standardm├Ąssig nicht installiert, kann aber problemlos nachinstalliert werden. Neben der klassichen Paketverwaltung ist Flatpak installiert und Flathub als Repository eingerichtet. Die grafische Softwareverwaltung fragt jeweils per Drop-Down Men├╝ ob man das DEB oder das Flatpak der jeweiligen Software installieren m├Âchte. Auch Updates von Flatpaks werden in der Aktualisierungsverwaltung angezeigt und durchgef├╝hrt.

Pop OS legt sehr viel Wert auf die Optik. Ob man das Standard Theme mag oder nicht ist nat├╝rlich Geschmackssache, aber sie haben hier auch an das Theme angepasste Farbschemen f├╝r das Terminal oder Gedit.

In den knappen 2 Jahren wo Pop OS bei mir im Einsatz ist es noch nie abgest├╝rzt. Notebook Deckel schliessen, wieder ├Âffnen, etc funktioniert absolut problemlos. Auch die speziellen Thinkpad Tasten f├╝r Helligkeit, Lautst├Ąrke, Bildschirmtastatur, usw funktionieren alle Out of The Box.

Chromium wird von Pop OS weiterhin als deb Paket angeboten. Sowohl Chromium wie auch Firefox unterst├╝tzen (Out of The Box) Hardware-beschleunigte Video-Wiedergabe.

Viele weitere Dinge sind zurzeit in Planung und Entwicklung – eine umfangreiche Roadmap findet man hier.

Warum ich Pop OS liebe?

Die Frage ist einfach zu beantworten. Weil es kompromisslos funktioniert. Man installiert und benutzt es und hat nicht das Gef├╝hl ein Betriebssystem zweiter Klasse zu verwende. Dinge wie GPU Beschleunigung, etc sind in vielen Linux Distributionen noch immer nicht vorhanden oder nur m├╝hsam konfigurierbar.

Zudem liefert mir Pop OS aktuelle Software die ich zum arbeiten brauche. Ich bin seit 2002 mit Linux unterwegs und noch nie hatte ich eine solche tolle und funktionierende Distribution wie Pop OS sie bietet. Etwas ├╝berspitzt formuliert ist Pop OS das, was Ubuntu immer sein wollte ­čśŁ.

Eine technischer Guide zum „Dark Mode“ im Web ­čîÉ

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