Eingang eines Swisscom Stores

RCS: ☢️ Finger weg vom SMS Nachfolger!

RCS kommt in die Schweiz: Vor gut zwei Wochen hat die NZZ am Sonntag (Paywall) bestätigt, was ich schon lange befürchtet habe.

Die Swisscom will noch in diesem den SMS Nachfolger RCS in Ihrem Netz aufschalten.

Stooopp! Was zum Teufel ist RCS?

RCS – oft auch SMS 2.0 genannt – soll der Nachfolger der klassischen SMS werden. Man darf nicht vergessen die SMS ist bereits 30 Jahre alt. Die Idee dahinter: die SMS ins 21. Jahrhundert zu befördern. Fertig mit 160 Zeichen Limit, und man soll auch Fotos, Videos, etc darüber versenden können.

RCS ist übrigens ein Akronym für Rich Communication Services.

Okay verstehe! Aber dafür gibt es doch schon WhatsApp?

Man kann WhatsApp (oder andere Messenger) nicht unbedingt mit RCS vergleichen. Der Vorteil von RCS ist, das es abwärtskompatibel zu einer SMS ist. Also sendest du jemanden eine RCS Nachricht, dessen Smartphone kein RCS lesen kann bekommt er automatisch ein entsprechendes SMS.

RCS ist auch keine APP sondern ein Protokoll. Das bedeutet deine normale SMS App auf deinem Smartphone (egal ob Samsung, Huaweii, etc) kann RCS Nachrichten senden und empfangen. Der Vorteil, man muss keine extra App herunterladen und sich für einen Dienst registrieren – RCS funktioniert ab dem Moment wo du deine Sim Karte in das Smartphone einbaust.

Warum hat die Swisscom Interesse an einem solchen Dienst?

Nicht nur die Swisscom hat Interesse an RCS. Viele Telekommunikationsprovider sind scharf darauf. Über 75 Telco-Provider weltweit nutzen RCS schon aktiv, viele weitere planen die Einführung.

Früher konnte man mit SMS ordentlich Geld verdienen. Ich erinnere mich noch gut daran, dass eine einzelne Nachricht 20 Rappen gekostet hat und wir trotzdem wie Wild SMS geschrieben haben. Für die Provider war das sehr leicht verdientes Geld – die Infrastruktur war schon da, der Unterhalt für die SMS Infrastruktur verursachte kaum Kosten und man konnte über Jahre mit Kurznachrichten wortwörtlich Geld drucken.

Dann kamen Smartphones, Mobiles Internet und Apps. Das einzige was Telcos heute noch tun können ist quasi „mobiles“ Internet verkaufen. Danach können alle unbegrenzt Textnachrichten schreiben oder Anrufe tätigen. Ohne das man zusätzliche Kosten generiert.

Was wird RCS kosten?

Die Swissom hat noch keine Preise kommuniziert. Ich gehe aber davon aus, dass Swisscom wie WhatsApp oder viele andere Messenger nichts kosten wird.

Das Geld wird über Firmen verdient. Es gibt heute z.B. schon „WhatsApp B usiness“ das den Firmen die es nutzen Geld kostet. Damit lässt sich z.B. ein Ticketverkauf automatisieren. Du kaufst Online ein Ticket beim Veranstalter und erhältst eine knappe Sekunde später eine WhatsApp Nachricht mit dem entsprechenden QR Code den du beim Einlasse vorzeigen musst.
Das geht natürlich auch mit Flugtickets, Hotelbuchungen, und und und…

Das selbe möchte Swisscom nun mit RCS anbieten.

Das hört sich doch alles super an! Was ist dein Problem mit RCS?

Mein Problem mit RCS liegt bei der Sicherheit und beim Datenschutz. Nach den grossen „Snowden Enthüllungen“ haben beinahe alle Messengeranbieter eine End-to-End Verschlüsselung eingebaut.

End-to..Was? Kurz gesagt bedeutet das, wenn ich dir von meinem Smartphone aus eine WhatsApp Nachricht schicke, wird die Nachricht auf meinem Gerät verschlüsselt. Die Verschlüsselte Nachricht auf den WhatsApp Server geleitet – und von dort an dein Smartphone. Dein Smartphone entschlüsselt dann die Nachricht.

WhatsApp kann den Inhalt der Nachrichten nicht lesen. Da sie nicht die Schlüssel für das entschlüsseln der Nachricht haben. Das System ist bei allen grossen Messenger inzwischen sehr ähnlich. Egal ob WhatsApp, Threema, Signal, Telegramm, iMessage, die Nachrichten sind immer End-to-End verschlüsselt.

Vor 4 Jahren habe ich eine „Bestandsaufnahme für verschlüsselte Kommunikation“ gemacht. Inzwischen hat sich die Situation massiv verbessert.

Zurzeit gibt es nur 3 grosse „Kommunikationsdienste“ die in der Regel keine End-to-End Verschlüsselung haben. Das eine ist die 50 Jahre alte E-Mail (die kann man optional Verschlüsseln wenn man möchte), die 30 Jahre alte SMS und der 9 Jahre alte Facebook Messenger.

Facebook hat übrigens heute angekündigt, im nächsten Jahr Ihren Messenger komplett neu zu programmieren – inklusive einer End-to-End Verschlüsselung.

Swisscom, Swisscom, Swisscom…

Das sich die Swisscom im Jahr 2019 noch traut ein neues Nachrichtenprotokoll auf den Markt zu werfen, dass den heutigen quasi- Sicherheitsstandard nicht unterstützt ist einfach nur beschämend!

Eine End-to-End Verschlüsselung ist im RCS Protokoll weder eingebaut noch für die Zukunft vorgesehen. Das bedeutet, wenn ich einem Freund in Deutschland eine RCS Nachricht sende, kann den Inhalt sowohl die Swisscom und auch die deutsche Telekom sehen, analysieren und vermarkten.

Bei meiner Nachricht an meinen Freund in Deutschland gehe ich noch vom „besten“ Falls aus. Ich muss nämlich auch noch darauf vertrauen das die komplette Kommunikationskette zwischen Meinem Gerät zum Swisscomserver und von dort zum Telekomervern und als letzter Schritt zum Smartphone meines Freundes wenigsten eine Transportverschlüsselung bietet.

Ansonsten kann so ziemlich jeder mitlesen.

Selbst diese Transportverschlüsselung ist kein Teil vom offiziellen RCS Standard sondern (falls vorhanden) reiner Goodwill.

RCS: Mein Fazit

Was soll ich sagen. Der RCS Standard ist enttäuschend. Und das die Swisscom den implementieren will ist in Zeiten von DSGVO und Eduard Snowden einfach nur beschämend.

Grundsätzlich wäre ein Geräte- und Providerübergreifendes „Messenger-Protokoll“ ja wirklich etwas tolles. Meiner Meinung nach hätte man sich von der Funktionsweise aber eher an iMessage orientieren sollen.

Im Grunde mach iMessage genau das gleiche wie RCS – tolle Messengerfunktionen (End-to-End Verschlüsselt) und wenn das Empfangsgerät kein RCS unterstützt wird die Nachricht automatisch als SMS gesendet.

Auch wenn die Swisscom zurzeit beteuert, dass sie die Nachrichten nicht zu Marketingzwecken auslesen wird – hilft das nicht weiter. Einerseits weiss niemand wie lange sich die Swisscom daran halten wird – und anderseits hab ich keine Ahnung wie das der Provider meines Freundes in einem anderen Land handhabt.

Daher meine Empfehlung sobald das RCS Netz der Swisscom aufgeschaltet würde ich umgehend die RCS Funktion eures Smartphones in den Einstellungen deaktivieren.

iPhone User können sich da noch entspannt zurück lehnen. Zurzeit unterstützt Apple den RCS Standard nicht. Da Apple zurzeit extrem viel Wert auf Privatsphäre und Datenschutz legt, rechne ich auch nicht damit, dass sie einen solchen bescheuerten Standard in ihre Smartphones einbauen werden.

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