[Titelbild-Vorschlag: TextMaker 2026 im neuen, dunkleren Dark Mode unter GNOME oder KDE, mit geöffnetem Markdown-Dokument]
Wer unter Linux ein Office-Paket braucht, das mit den Microsoft-Formaten wirklich sauber umgeht, landet früher oder später bei SoftMaker. Die Nürnberger haben am 9. Juni 2026 die öffentliche Beta von SoftMaker Office 2026 gestartet. Bis zum 31. Juli 2026 kannst du die Vorabversion kostenlos testen, für Linux, macOS und Windows, mit den gewohnten drei Modulen TextMaker, PlanMaker und Presentations. Ich habe mir die Beta auf meinem System angeschaut und zeige dir, welche Neuerungen wirklich etwas taugen, was Linux-spezifisch besser geworden ist und wo das Marketing mehr verspricht, als die Kaufversion am Ende halten wird.
Die Linux-Verbesserungen: Klein, aber genau richtig
Fangen wir mit dem an, was mich als Linux-Nutzer am meisten freut, auch wenn es in den Pressemitteilungen nur eine Randnotiz ist. SoftMaker Office 2026 nutzt den System-Dateidialog jetzt auch ausserhalb von GNOME. Wer wie ich auf verschiedenen Desktops unterwegs ist, kennt das Problem: Bisher bekam man unter KDE Plasma oder Cinnamon den hauseigenen SoftMaker-Dialog vorgesetzt, der sich anfühlte wie ein Fremdkörper aus einer anderen Zeit. Jetzt fügt sich das Paket deutlich besser in die jeweilige Desktop-Umgebung ein.
Die zweite Linux-Neuerung klingt banal, ist aber für mich fast die wichtigste: Das Installationsprogramm verknüpft Office-Dateitypen nicht mehr ungefragt mit den SoftMaker-Programmen. Wer schon einmal nach einer SoftMaker-Installation festgestellt hat, dass plötzlich alle DOCX- und ODT-Dateien nicht mehr in LibreOffice aufgehen, weiss, wovon ich rede. Dieses übergriffige Verhalten gehört nun der Vergangenheit an.
Nun kann man in den SoftMaker Office Einstellungen einstellen, ob SoftMaker Office das Standardformat sein soll.

Das neue Design: Dunkler, schärfer, näher am Mauszeiger
Optisch hat sich einiges getan. Das Ribbon wurde neu gestaltet und soll auf skalierten Anzeigen, etwa bei 150 Prozent, deutlich schärfer aussehen. Auf meinem hochauflösenden Display macht das tatsächlich einen sichtbaren Unterschied, vor allem bei den Icons. Dazu kommen schnell wechselbare Farb-Themes und ein überarbeiteter Dark Mode, der nun dunkler und kontrastreicher daherkommt. Der alte Dark Mode war eher ein Grau-Modus, der neue verdient den Namen.

Richtig spannend finde ich die neuen Kontextmenüs mit integrierter Symbolleiste. Häufig benötigte Befehle wie Fett, Kursiv oder Textfarbe erscheinen direkt am Mauszeiger, ohne dass du den Weg zurück ins Ribbon machen musst. Wer viel mit der Maus arbeitet, spart sich damit unzählige Wege über den Bildschirm. Das erinnert an die Mini-Toolbar von Microsoft Word, ist aber konsequenter umgesetzt.

Ebenfalls neu in allen drei Modulen: Der Druckdialog hat endlich eine Vorschau bekommen. Klingt nach einer Selbstverständlichkeit, war es bei SoftMaker bisher aber nicht. Gerade unter Linux, wo das Drucken je nach Treiber gerne mal Überraschungen bereithält, ist die Vorschau Gold wert.
Was weiterhin fehlt: Automatische Dark-Mode-Erkennung unter Linux
So schön der neue Dark Mode ist, ein Ärgernis bleibt bestehen: Unter Linux erkennt SoftMaker Office weiterhin nicht automatisch, ob das System gerade den hellen oder den dunklen Modus verwendet. Du musst den Modus manuell umschalten, während Windows- und macOS-Nutzer das längst nicht mehr kennen.
Das Frustrierende daran: Es gibt seit 2021 einen sauberen, herstellerübergreifenden Standard dafür. Im XDG Desktop Portal von freedesktop.org ist der Schlüssel org.freedesktop.appearance mit dem Key color-scheme definiert, der genau drei Werte kennt: keine Präferenz, dunkel bevorzugt, hell bevorzugt. GNOME unterstützt das seit Version 42, KDE Plasma seit 5.24, also seit Anfang 2022. Der Schlüssel funktioniert unter X11 genauso wie unter Wayland, ist per DBus von jeder Anwendung auslesbar, völlig unabhängig vom Toolkit, und Programme können sich sogar benachrichtigen lassen, wenn die Einstellung zur Laufzeit wechselt. Firefox macht es vor, 1Password macht es vor, praktisch jede moderne GTK- und Qt-Anwendung macht es vor.
SoftMaker hätte also seit über vier Jahren die Möglichkeit, dem System-Theme automatisch zu folgen, und tut es schlicht nicht. Genau an solchen Stellen merkt man leider immer wieder, dass Linux für viele kommerzielle Hersteller weiterhin nur das Zweite-Wahl-Betriebssystem auf dem Desktop ist. Die Plattform wird mitgeliefert, aber die letzten zehn Prozent Liebe zum Detail, die unter Windows und macOS selbstverständlich sind, fehlen. Umso wichtiger wäre es, dass möglichst viele Linux-Nutzer der Beta genau dieses Feedback in den Betatest tragen. Bis Ende Juli hört SoftMaker offiziell zu.
Wer hier den Entwicklern etwas Druck machen will, kann sich gerne hier beteiligen: https://forum.softmaker.de/viewtopic.php?t=37981
TextMaker: Markdown ist da
Die für mich relevanteste funktionale Neuerung steckt in TextMaker: Import und Export von Markdown-Dateien. Wer wie ich zwischen Markdown-basierten Tools, Wikis, CMS-Systemen, Dokumentationen und klassischen Bürodokumenten hin und her wechselt, hat darauf lange gewartet. LibreOffice kann das zwar schon seit Version 7.2 aus dem Jahr 2021, SoftMaker holt hier also eher nach, als dass es vorlegt. Aber besser spät als nie, und die Umsetzung ist sauber: Überschriften, Listen und Codeblöcke werden korrekt übernommen.

Dazu kommt eine erweiterte Grammatik- und Stilprüfung auf Basis von LanguageTool für rund 30 Sprachen sowie eine aktualisierte Version des Duden-Korrektors. Für alle, die beruflich Texte in mehreren Sprachen verfassen, ist das ein echter Mehrwert, zumal LanguageTool als Open-Source-Projekt einen guten Ruf geniesst. Verbesserungen gibt es ausserdem bei Kommentaren und der Änderungsverfolgung, was im Agentur-Alltag mit Kundenfeedback durchaus relevant ist.
Eine Detailverbesserung mit grosser Wirkung: DOCX-Dateien werden jetzt so gespeichert, dass Microsoft Word sie ohne Kompatibilitätshinweise öffnet. Wer regelmässig Dokumente mit Windows-Nutzern austauscht, kennt die nervigen gelben Balken, die beim Empfänger Misstrauen wecken. Die fallen nun weg.
PlanMaker: Dynamische Arrays schliessen die Excel-Lücke
Die Tabellenkalkulation war bei allen Office-Alternativen schon immer die grösste Baustelle, und PlanMaker bildete da keine Ausnahme. Mit Version 2026 verkleinert SoftMaker die Lücke zu Excel deutlich. Das Stichwort heisst dynamische Arrays: Eine einzige Formel kann mehrere Ergebnisse liefern, die automatisch in benachbarte Zellen überlaufen und sich bei Datenänderungen selbständig aktualisieren. Microsoft hat das 2020 für seine Abonnenten eingeführt, jetzt zieht SoftMaker nach.
Konkret bedeutet das: Funktionen wie FILTER, SORTIEREN, EINDEUTIG, SEQUENZ, XVERWEIS und XVERGLEICH stehen nun zur Verfügung. Wer moderne Excel-Tabellen von Kunden oder Kollegen erhält, in denen diese Funktionen stecken, kann sie endlich öffnen, ohne dass die halbe Kalkulation auseinanderfällt. Für mich war genau das bisher der Hauptgrund, warum PlanMaker im Berufsalltag nur zweite Wahl war.

Neu sind ausserdem Pivot-Diagramme, die Daten aus Pivot-Tabellen dynamisch und interaktiv visualisieren. Zusammen mit den dynamischen Arrays ist das der grösste funktionale Sprung, den PlanMaker seit Jahren gemacht hat.
Presentations: PDF als Vektorgrafik und ein Textmarker
Das Präsentationsmodul bekommt zwei Neuerungen, die sich hervorragend zeigen lassen. Erstens unterstützt SoftMaker Office jetzt PDF als Grafikformat. Zusätzlich zu SVG lassen sich PDF-Dateien als gestochen scharfe Vektorgrafiken in alle drei Programme einfügen. Gerade bei Logos oder technischen Zeichnungen, die oft nur als PDF vorliegen, spart das den Umweg über eine Konvertierung, und auf grossen Projektionsflächen bleibt alles scharf. Zweitens gibt es nun auch in Presentations den Textmarker, der aus TextMaker und PlanMaker bereits bekannt ist. Dazu kommen QR-Codes, die sich direkt als Vektorgrafik einbinden lassen, praktisch für Folien mit Links zu Umfragen oder Downloads.
Die KI-Funktionen: Nur mit Abo, und das solltest du wissen
SoftMaker bewirbt die Version 2026 prominent mit erweiterten KI-Fähigkeiten. ChatGPT kann jetzt direkt in der Anwendung Bilder erzeugen und bearbeiten, und Presentations erstellt auf Wunsch komplette Präsentationen zu vorgegebenen Themen oder fasst bestehende Foliensätze zusammen. Dazu kommen die schon länger vorhandenen DeepL-Übersetzungen.
Im nachfolgenden Screenshot sieht man Links eine Präsentation die mit der KI in SoftMaker Office gemacht wurde und rechts eine die mit Notebook LM gemacht wurde.
Der Prompt war bei beiden: "Erstelle eine Präsentation: Das die grossen Mainstream Distributionen Debian, Ubuntu, Fedora und Suse vergleicht"
Es ist offensichtlich, dass hier die SoftMaker KI Funktion nicht wirklich ausgereift ist und es hier viel bessere Werkzeuge gibt.

Hier ist allerdings Transparenz angebracht: Sämtliche KI-Funktionen sind dem Abonnement SoftMaker Office NX vorbehalten. Wer die klassische Kaufversion SoftMaker Office Professional 2026 erwirbt, bekommt davon nichts. Und bei der Bildgenerierung fallen zusätzliche Token-Kosten an. Das NX-Abo gibt es in den Stufen Home für rund 30 Euro pro Jahr und Universal für knapp 50 Euro jährlich. Im Vergleich zu Microsoft 365 ist das günstig, aber wer primär wegen der KI zugreift, sollte die Gesamtrechnung machen. Meine Meinung dazu: SoftMakers eigentliche Stärke war nie die KI, sondern die saubere Kompatibilität mit den Microsoft-Formaten. Genau dort liefert Version 2026 auch ohne Abo am meisten.
Beta installieren und testen
Die Beta steht auf der SoftMaker-Webseite kostenlos zum Download bereit und läuft parallel zu einer bestehenden Installation. Unter Linux bekommst du wie gewohnt DEB- und RPM-Pakete sowie ein TGZ-Archiv für alle anderen Distributionen. Nach Ablauf der Testphase am 31. Juli 2026 erscheint SoftMaker Office 2026 als klassische Kaufversion, parallel dazu SoftMaker Office NX im Abomodell. Wer bereits ein NX-Abo hat, erhält das Upgrade automatisch und ohne Aufpreis.
Mein Fazit
SoftMaker Office 2026 ist kein revolutionärer Sprung, aber ein durchdachtes Update mit den richtigen Prioritäten. Die dynamischen Arrays in PlanMaker und der Markdown-Support in TextMaker sind echte funktionale Fortschritte, das neue Design mit dunklerem Dark Mode und Kontextmenü-Symbolleiste verbessert den Alltag spürbar. Und die Linux-spezifischen Korrekturen beim Dateidialog und beim Installer zeigen, dass jemand bei SoftMaker tatsächlich zuhört. Dass die automatische Dark-Mode-Erkennung trotz vorhandenem freedesktop.org-Standard weiterhin fehlt, bleibt allerdings ein Wermutstropfen und ein Symptom dafür, wie kommerzielle Software den Linux-Desktop noch immer behandelt. Die KI-Funktionen hinter der Abo-Schranke sehe ich nüchtern: nettes Extra, kein Kaufgrund. Wer eine schlanke, schnelle und formattreue Alternative zu Microsoft Office unter Linux sucht, sollte die Beta bis Ende Juli auf jeden Fall ausprobieren. Hast du die Beta schon getestet? Schreib mir deine Erfahrungen in die Kommentare.